Rumänien ist eines der wenigen EU-Länder, in denen niedrige Lebenshaltungskosten, EU-Recht und eine funktionierende Grundinfrastruktur zusammenkommen. Für Selbstständige, Unternehmer und Rentner ist das ein starkes Argument. Die Sicherheitslage steht dem nicht im Weg: Das Auswärtige Amt nennt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für Rumänien keine besonderen Terror- oder Konfliktrisiken und spricht keine Reisewarnung aus.

Interessant ist Rumänien deshalb weniger wegen dramatischer Gefahren als wegen dreier sehr konkreter Themen, die viele Zuzügler unterschätzen: Trickbetrug, Erdbeben und Bären.

Kriminalität: moderat, mit klaren Schwerpunkten

Die Kriminalitätsrate in Rumänien ist im europäischen Vergleich moderat. In Bukarest, Cluj-Napoca und Timișoara ist die Polizeipräsenz spürbar. Was tatsächlich vorkommt, ist Kleinkriminalität an Flughäfen, Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Trickbetrug an touristisch frequentierten Orten.

Ein Punkt betrifft Zugezogene besonders direkt: Fahrzeugdiebstähle und Einbrüche kommen gelegentlich vor, wobei höherwertige Pkw mit ausländischem Kennzeichen bevorzugte Ziele sind. Wenn du mit deutschem, österreichischem oder Schweizer Kennzeichen unterwegs bleibst, ist das ein Risikofaktor, den du durch Garagenstellplatz, Wegfahrsperre und zügige Ummeldung senken kannst.

Wohnmobile und Campingwagen stellst du nur auf bewachten Plätzen ab. In geparkten Fahrzeugen bleibt nichts sichtbar liegen. Betrugsversuche per Telefon und E-Mail, oft mit angeblichen Gewinnen oder Hilfeersuchen vermeintlicher Bekannter, gehören zum Standardrepertoire.

Erdbeben: die unterschätzte Größe

Rumänien liegt in einer seismisch aktiven Zone. Die Herdregion Vrancea in den Ostkarpaten erzeugt in unregelmäßigen Abständen starke Tiefbeben, die bis Bukarest spürbar sind. Ältere Bauten in der Hauptstadt gelten teilweise als einsturzgefährdet und sind entsprechend gekennzeichnet.

Wenn du in Bukarest eine Wohnung kaufst oder mietest, ist die seismische Einstufung des Gebäudes ein echtes Auswahlkriterium, kein Detail für Statiker. Frage nach der Risikoklasse und lass dir Unterlagen zeigen. Das rumänische Departement für Notfallsituationen DSU informiert unter dsu.mai.gov.ro über Verhalten im Ernstfall und über aktuelle Warnungen.

Rumänien nutzt die einheitliche europäische Notrufnummer 112 für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Die Leitstellen arbeiten in der Regel auch auf Englisch. In Bukarest und den größeren Städten sind die Reaktionszeiten brauchbar, auf dem Land deutlich länger.

Bären in den Karpaten sind kein Folklorethema

In den rumänischen Karpaten lebt die größte freilebende Braunbärenpopulation Europas außerhalb Russlands. Bären kommen auf Nahrungssuche in bewohnte Gegenden, Ortschaften und an Landstraßen, etwa entlang der Transfăgărășan. Dem Auswärtigen Amt sind mehrere schwere, teils tödliche Angriffe auf Passanten und Wanderer bekannt.

Wenn du in Brașov, Sinaia oder in einem Karpatendorf wohnen willst, gehört das zu deiner Alltagsplanung: Müll sicher verwahren, keine Tiere füttern, Hinweisschilder ernst nehmen. Bei einer Begegnung hältst du Abstand, bleibst ruhig und rennst nicht weg.

Leben, Wohnen und Familie

Die Integration in die rumänische Gesellschaft gelingt deutschsprachigen Zuzüglern meist unkompliziert. Rumänen sind gastfreundlich und Ausländern gegenüber offen. In Siebenbürgen und im Banat gibt es zudem eine historisch gewachsene deutschsprachige Prägung, die den Einstieg erleichtert.

Das rumänische Bildungssystem umfasst staatliche und private Einrichtungen. In Bukarest, Cluj-Napoca und Timișoara existieren internationale Schulen mit Unterricht auf Deutsch, Englisch oder Französisch. Diese sind bei Auswandererfamilien beliebt, die einen nahtlosen Übergang für ihre Kinder wollen.

Die rechtlichen Grundlagen für Auswanderer sind klar. Als EU-Mitgliedstaat gilt in Rumänien die Personenfreizügigkeit; Deutsche und Österreicher melden sich lediglich an, Schweizer profitieren vom Freizügigkeitsabkommen. Die Anmeldung beim Bürgeramt und die Beantragung der persönlichen Identifikationsnummer solltest du zügig erledigen, weil daran Bankkonto, Arztzugang und Mietvertrag hängen.

Steuerliche Rahmenbedingungen ohne Legenden

Rumänien wird gerne als Ein-Prozent-Land beschrieben. Das war einmal präziser als heute. Nach dem Steueratlas-Länderprofil zu Rumänien gilt eine Einkommensteuer von 10 Prozent auf das Welteinkommen von Residenten, eine reguläre Körperschaftsteuer von 16 Prozent und ein Mikrounternehmensregime mit 1 Prozent vom Umsatz, dessen Schwelle 2026 auf 100.000 Euro abgesenkt wurde. Die Dividendenbesteuerung stieg zum 1. Januar 2026 von 10 auf 16 Prozent, die Mehrwertsteuer liegt seit August 2025 bei 21 Prozent.

Das bleibt im EU-Vergleich attraktiv, ist aber weniger planbar als noch vor zwei Jahren. Wer eine Struktur aufsetzt, sollte sie auf die aktuellen Sätze rechnen, nicht auf ältere Darstellungen. Hintergründe zur Standortentscheidung findest du bei unserer Kanzlei St Matthew, zu den attraktiven Bedingungen für Gründer sowie zu den günstigen steuerlichen Rahmenbedingungen im Überblick.

Gesundheitsversorgung und Zugang

Die medizinische Versorgung ist besonders in ländlichen Regionen nicht mit Deutschland vergleichbar. Als gesetzlich Versicherter hast du mit der Europäischen Krankenversicherungskarte Anspruch auf Behandlung bei zugelassenen Ärzten, Zahnärzten und Krankenhäusern. Für einen Daueraufenthalt meldest du dich im rumänischen System an und zahlst dort Beiträge.

Ein praktisches Detail sorgt regelmäßig für Ärger: Antibiotika werden in rumänischen Apotheken für Personen ohne rumänische Personenkennziffer CNP nur gegen ein Rezept nach besonderem Muster ausgegeben. Wer die CNP noch nicht hat, steht im Krankheitsfall vor einer verschlossenen Tür. Beantrage sie deshalb sofort nach der Anmeldung.

Gesundheitlich relevant ist außerdem West-Nil-Fieber, das zwischen Frühjahr und Herbst landesweit durch Mücken übertragen werden kann. Eine Impfung gibt es nicht. In den Karpaten kommt die Zeckenübertragung hinzu, hier lohnt der Blick auf den FSME-Impfstatus.

Straßenverkehr und Bußgeldfallen

Das Verkehrsaufkommen auf den Fernstraßen ist hoch, überwiegend Lkw im Transitverkehr. Viele Autobahnabschnitte sind unvollendet oder im Bau, die Fahrbahnqualität schwankt entsprechend stark. Gefahrenstellen wie Schlaglöcher oder Unterspülungen am Fahrbahnrand sind oft schlecht oder gar nicht ausgeschildert. Fahrten nach Einbruch der Dunkelheit solltest du meiden, im Winter kommen auf Nebenstraßen erhebliche Behinderungen durch Schnee und Verwehungen hinzu.

  • Für alle Fahrzeuge ist die Straßenbenutzungsgebühr Rovinieta zu entrichten, online, an Tankstellen oder Grenzübergängen. Die Daten liegen in einer Polizeidatenbank, bei fehlender Vignette drohen hohe Geldbußen
  • Es gilt ein absolutes Alkoholverbot am Steuer, also 0,0 Promille
  • Auf Autobahnen, Schnellstraßen und Europastraßen ist auch tagsüber mit Abblendlicht zu fahren

Ein Risiko, das kaum jemand kennt

Wird gegen einen Ausländer ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet, können die Strafverfolgungsbehörden ein Ausreiseverbot verhängen, das erst nach Klärung des Sachverhalts aufgehoben wird. Das kann Wochen oder Monate dauern. Bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden wird in aller Regel zunächst ein Verfahren eröffnet. Nimm in solchen Fällen umgehend Kontakt zur deutschen Auslandsvertretung auf und lass dich anwaltlich vertreten.

Bei Drogendelikten drohen Haftstrafen zwischen drei und 25 Jahren. Militärische Einrichtungen dürfen nicht fotografiert werden, entsprechende Verbotsschilder sind zu beachten.

Wohnortwahl und Alltagskosten

Bukarest bietet die beste Infrastruktur, aber auch die höchsten Preise und die stärkste Luftbelastung. Cluj-Napoca gilt als Technologiestandort mit hoher Lebensqualität und entsprechend gestiegenen Mieten. Timișoara, Brașov und Sibiu sind bei deutschsprachigen Zuzüglern beliebt, weil sie kleiner, ruhiger und durch die siebenbürgische Geschichte vertrauter wirken.

Die Lebenshaltungskosten liegen deutlich unter dem deutschsprachigen Niveau, gleichen sich in den Ballungsräumen aber an. Wer eine Immobilie kauft, sollte neben der seismischen Einstufung auch prüfen, ob Anschlüsse an Fernwärme, Wasser und Kanalisation tatsächlich bestehen, weil das gerade im Umland nicht selbstverständlich ist.

Praktische Vorsorge im Alltag

Ein Erdbebennotfallset mit Wasser, Taschenlampe, Powerbank, Erste-Hilfe-Material und Dokumentenkopien gehört in jede Wohnung in der Erdbebenzone. Für den Winter kommen Decken und ein Vorrat an haltbaren Lebensmitteln hinzu, weil Stromausfälle auf dem Land bei starkem Schneefall mehrere Tage dauern können. Trage dich zusätzlich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts ein, damit dich die Botschaft in Bukarest im Ernstfall erreicht.

Wie du deinen Umzug nach Rumänien absicherst

Rumänien ist sicherheitstechnisch ein unauffälliges EU-Land mit drei spezifischen Themen, die du aktiv managen musst: den Schutz deines Fahrzeugs, die seismische Qualität deiner Immobilie und den Umgang mit Wildtieren, falls du in Bergnähe lebst. Alles andere entspricht dem, was du aus Mitteleuropa kennst, bei deutlich niedrigeren Kosten.

Der wichtigste Schritt vor dem Umzug ist nicht die Wohnungssuche, sondern die steuerliche Reihenfolge: Wohnsitzaufgabe, Wegzugsbesteuerung, Gesellschaftsstruktur. Ein Beratungsgespräch zum Umzug nach Rumänien sortiert das, bevor du Verträge unterschreibst.