Bei der Auswanderung nach Rumänien gehört die Gesundheitsabsicherung ganz nach oben auf die Liste. Die gesetzliche Krankenversicherung aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz endet in der Regel mit der Abmeldung des Wohnsitzes. In Rumänien übernimmt dann die staatliche Krankenkasse CNAS die Grundversorgung, allerdings erst, wenn du eingezahlt hast: Vollen Leistungsanspruch gibt es grundsätzlich erst nach sechs Beitragsmonaten. Genau in dieser Lücke stehen frisch angekommene Auswanderer ohne privaten Schutz im Regen.
Dieser Leitfaden zeigt dir, wie das rumänische System funktioniert, wer sich wie versichert und wo private Policen unverzichtbar bleiben.
Das rumänische Gesundheitssystem: zwei Welten
Rumänien hat ein beitragsfinanziertes staatliches System unter dem Dach der CNAS (Casa Națională de Asigurări de Sănătate) und daneben einen schnell wachsenden privaten Sektor. Die staatlichen Häuser leiden außerhalb der Zentren an Unterfinanzierung und Personalmangel; in Bukarest, Cluj oder Timișoara bieten private Klinikketten dagegen moderne Medizin mit kurzen Wartezeiten. Die meisten Expats kombinieren deshalb beides: CNAS als Pflichtbasis, privat für alles Planbare.
Der Gesundheitsbeitrag (CASS) beträgt 10 Prozent der Bemessungsgrundlage. Angestellte zahlen ihn automatisch vom Bruttolohn, Selbstständige und Freiberufler über die jährliche Steuererklärung, wobei die Bemessung an Schwellen des Mindestlohns gekoppelt ist. Wer keine Erwerbseinkünfte hat, kann sich freiwillig versichern und zahlt den Beitrag auf eine gesetzlich definierte Basis. Abgedeckt sind Hausarzt, Facharzt mit Überweisung, stationäre Grundversorgung, Notfälle und ein Teil der Medikamente. Nicht abgedeckt: Privatkliniken, Zahnbehandlungen jenseits der Basics, Wahlleistungen und medizinische Rücktransporte.
Praktisch wichtig: Die Leistungshöhe folgt rumänischen Sätzen und Standards. Selbst mit CNAS-Karte zahlen viele Einheimische informell oder weichen privat aus. Kalkuliere das ein, statt dich auf Papieransprüche zu verlassen.
EU-Koordinierung: EHIC und S1
Für vorübergehende Aufenthalte deckt die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) medizinisch notwendige Behandlungen im staatlichen System ab, für Dauerauswanderer reicht sie nicht. Wer eine gesetzliche Rente aus Deutschland oder Österreich bezieht, überträgt seinen Schutz mit dem Formular S1 nach Rumänien und nutzt das dortige System wie ein Einheimischer, während die Heimatkasse zahlt. Beachte: Auf deine Rente laufen weiterhin Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge. Wie das im Detail funktioniert, erklärt der Beitrag zur Krankenversicherung für Rentner im Ausland; einen Standort-Überblick bietet die Seite zu Rumänien als Ruhestandsziel.
Private Absicherung: Wo sie unverzichtbar ist
Eine internationale Krankenversicherung für Auswanderer löst gleich drei Probleme: Sie überbrückt die sechsmonatige Anlaufzeit der CNAS, sie öffnet die privaten Kliniknetzwerke mit freier Arztwahl, und sie deckt den Rücktransport nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz, den kein staatliches System zahlt. Die Prämien sind moderat, weil das rumänische Kostenniveau niedrig ist; entscheidend sind unbegrenzte Laufzeit, Geltung bei Heimatbesuchen und saubere Regelung von Vorerkrankungen. Alternativ oder ergänzend bieten rumänische Versicherer günstige lokale Zusatzpakete an, oft direkt über die privaten Klinikketten als Abonnement.
Denk auch an den Rückweg: Mit einer Anwartschaftsversicherung hältst du dir für einen kleinen Monatsbeitrag die Rückkehr in die deutsche GKV oder PKV ohne neue Gesundheitsprüfung offen. Kehrst du aus Rumänien zurück, werden deine EU-Versicherungszeiten zudem angerechnet.
Weitere Versicherungen für das Leben in Rumänien
Kfz-Haftpflicht (RCA): gesetzlich vorgeschrieben für jedes in Rumänien zugelassene Fahrzeug. Nach dem Umzug musst du dein Auto ummelden; eine Kasko (CASCO) ist bei den Verkehrsverhältnissen empfehlenswert.
Wohngebäude-Pflichtversicherung (PAD): Rumänien schreibt Eigentümern eine Basisabsicherung gegen Erdbeben, Überschwemmung und Erdrutsch gesetzlich vor. Sie kostet wenig, deckt aber nur Grundsummen; eine freiwillige Wohngebäude- und Hausratpolice gehört dazu, zumal die seismische Gefährdung rund um Bukarest real ist.
Haftpflicht- und Unfallversicherung: Eine internationale Unfall- und Haftpflichtlösung ersetzt die im Ausland oft nicht mehr geltenden Heimatpolicen. Unsere Kanzlei St Matthew fasst im Beitrag welche Versicherungen Expats brauchen die Prioritäten zusammen.
Pflegevorsorge: Die deutsche Pflegepflichtversicherung endet mit der GKV. Private Pflegezusatztarife mit internationalem Geltungsbereich schließen die Lücke.
Anmeldung, Behörden und Praxis
Als EU-Bürger reist du mit Personalausweis ein; ab 90 Tagen brauchst du eine Registrierungsbescheinigung der Einwanderungsbehörde (IGI), wofür du Krankenversicherungsnachweis und Einkommensnachweise vorlegst. In Deutschland meldest du dich innerhalb von zwei Wochen nach Auszug ab und informierst Kranken- und Rentenversicherung. Aktuelle Hinweise zu Einreise und Versorgung bündelt das Auswärtige Amt auf seiner Rumänien-Seite.
Für Notfälle gilt europaweit die 112; die deutsche Botschaft in Bukarest erreichst du unter +40 21 202 98 30. Speichere zusätzlich die Notfallhotline deiner Auslandskrankenversicherung ein, gute Anbieter organisieren Klinikwahl und Übersetzung rund um die Uhr. Auch die Wohnungssuche will vorbereitet sein: Worauf du beim Mieten einer Wohnung in Rumänien achten solltest, liest du im separaten Leitfaden. Haustiere brauchen EU-Heimtierausweis, Mikrochip und eine mindestens 21 Tage alte Tollwutimpfung.
Alltag im rumänischen Gesundheitswesen
Im staatlichen System schreibst du dich zuerst bei einem Hausarzt (medic de familie) ein, er ist Lotse für Überweisungen zu Fachärzten und verschreibt erstattete Medikamente. Die Realität dahinter: Terminvergabe und Ausstattung schwanken stark, und informelle Zahlungen sind trotz aller Reformen nicht völlig verschwunden. Der Rettungsdienst arbeitet dagegen auf gutem Niveau, neben dem regulären Ambulanzdienst ist die Spezialeinheit SMURD landesweit im Einsatz, alarmiert wird beides über die 112.
Die Sozialversicherung im Überblick: Entsandte Arbeitnehmer deutscher Firmen bleiben mit der A1-Bescheinigung im heimischen System und führen den Nachweis mit. Deine Rentenansprüche aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz bleiben erhalten, EU-Versicherungszeiten werden zusammengerechnet, und die Rente wird ohne Abzug nach Rumänien gezahlt; beachte, dass rumänische Versicherungszeiten erst ab April 2001 elektronisch erfasst sind, ältere Nachweise brauchen Papierbelege und Geduld. Arbeitslosengeld aus dem letzten Beschäftigungsland nimmst du mit dem Formular U2 für drei Monate mit und meldest dich binnen sieben Tagen bei der rumänischen Arbeitsverwaltung.
Der private Sektor funktioniert oft über Abonnements: Die großen Klinikketten verkaufen Monatspakete mit Vorsorge, Facharztterminen und Diagnostik, die viele Arbeitgeber als Benefit stellen. Für Expats sind solche Abos eine sinnvolle Ergänzung zur internationalen Police, ersetzen sie aber nicht, weil stationäre Großereignisse und Rücktransporte nicht enthalten sind. Die Kosten liegen deutlich unter westeuropäischem Niveau, auch deshalb ist Rumänien für Zahnbehandlungen längst ein Ziel für Gesundheitsreisen.
Praktisch hilfreich: Apotheken (farmacii) sind flächendeckend vorhanden, in Großstädten auch rund um die Uhr, und viele gängige Medikamente sind günstiger als im DACH-Raum, teils aber unter anderen Handelsnamen im Umlauf; notiere dir Wirkstoffnamen statt Markennamen. Bei der Sprachbarriere punkten die privaten Ketten mit englischsprachigem Personal, im staatlichen System hilft außerhalb der Zentren oft nur Rumänisch oder eine Begleitung.
Studierende, Familien und Staatsangehörigkeit
Studierende nutzen die EHIC und ergänzen eine Studentenpolice mit Rücktransport. Familien klären, wer im CNAS-System beitragspflichtig ist, denn eine automatische Familienmitversicherung wie in der deutschen GKV gibt es nur eingeschränkt, etwa für Kinder. Und wer langfristig bleibt und über die rumänische Staatsangehörigkeit nachdenkt, kann vorher beim Bundesverwaltungsamt die Beibehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit beantragen, das gehört in dieselbe Planungsphase wie Versicherung und Steuern.
So gehst du das Thema Versicherung in Rumänien an
Starte mit der Statusfrage: Angestellt heißt automatische CNAS-Mitgliedschaft plus private Ergänzung. Selbstständig heißt CASS über die Steuererklärung plus internationale Police. Rentner heißt S1 vor der Abreise. In allen Fällen gilt: Privaten Schutz vor dem Umzug abschließen, damit die CNAS-Anlaufzeit und die Registrierungsphase abgedeckt sind, und die Anwartschaft in der Heimat sichern.
Und plane einen Puffer für die Bürokratie ein: Zwischen Einreise, Registrierung und funktionierender CNAS-Karte vergehen realistisch mehrere Wochen bis Monate, in denen deine private Police die einzige belastbare Absicherung ist. Wer diese Phase sauber überbrückt, erlebt Rumänien als das, was es für viele Auswanderer ist: ein günstiges, unkompliziertes Zuhause mit schnell wachsender privater Gesundheitsinfrastruktur.
Rumänien punktet mit einer der niedrigsten Steuerlasten der EU, von der Flat Tax bis zur Mikrounternehmen-Regelung, Details liefert unsere Leitquelle im Steueratlas zu Rumänien. Wenn du Steuern, Aufenthalt und Absicherung zusammen planen willst, buche ein Beratungsgespräch zum Umzug nach Rumänien.








