Die Einreise nach Rumänien hat sich mit dem Schengen-Vollbeitritt grundlegend vereinfacht: Seit dem 1. Januar 2025 entfallen die Personenkontrollen auch an den Landgrenzen, nachdem Luft- und Seegrenzen bereits im März 2024 geöffnet wurden. Für dich als Deutscher, Österreicher oder Schweizer heißt das: Personalausweis genügt, kein Visum, keine Wartezeit am Schlagbaum. Dieser Leitfaden erklärt, was bei kurzen und langen Aufenthalten gilt, wie du dich als EU-Bürger registrierst und welche Regeln für Nicht-EU-Familienmitglieder gelten.
Schengen-Vollbeitritt: was sich konkret geändert hat
Rumänien ist seit 2007 EU-Mitglied, der Schengen-Beitritt kam stufenweise: März 2024 fielen die Kontrollen an Flug- und Seehäfen, seit Januar 2025 auch an den Landgrenzen zu Ungarn und Bulgarien. In einer Übergangszeit blieben stichprobenartige Kontrollen möglich, und wie überall im Schengen-Raum darf Rumänien bei besonderen Lagen temporär wieder kontrollieren. Du solltest deshalb auch auf der Fahrt über den Balkan immer ein gültiges Ausweisdokument dabeihaben.
Wichtig für die Anreise mit dem Auto: Über Serbien oder die Republik Moldau passierst du weiterhin EU-Außengrenzen mit voller Kontrolle. Für die rumänischen Autobahnen brauchst du die elektronische Vignette (Rovinieta), und in den Karpaten gelten im Winter Ausrüstungspflichten.
Aufenthalt bis 90 Tage: keine Formalitäten
Als EU-Bürger bewegst du dich in Rumänien bis zu 90 Tage völlig frei, ohne Anmeldung und ohne Visum. Das deckt Urlaub, Geschäftsreisen, Immobiliensuche und Workations ab. Anders als bei Fernzielen wie den USA, Kanada, Australien oder Neuseeland brauchst du für Rumänien auch keine elektronische Einreisegenehmigung: ESTA, eTA und Co. haben innerhalb der EU-Freizügigkeit kein Gegenstück.
Drittstaatsangehörige, etwa ein Nicht-EU-Ehepartner, reisen seit dem Vollbeitritt mit einem regulären Schengen-Visum ein, das nun auch für Rumänien gilt; die alte rumänische Sondervisumspflicht ist Geschichte. Für sie greifen außerdem die neuen EU-Systeme EES (biometrische Grenzerfassung) und perspektivisch ETIAS, während EU-Bürger davon ausgenommen bleiben.
Länger als 90 Tage: Registrierung beim IGI
Willst du länger als drei Monate bleiben, musst du dich bei der Einwanderungsbehörde Inspectoratul General pentru Imigrări (IGI) registrieren. Du legst deinen Ausweis vor sowie einen Nachweis des Aufenthaltszwecks: Arbeitsvertrag, Gewerbenachweis, Studienbescheinigung oder ausreichende Mittel plus Krankenversicherung. Das Verfahren ist schlank, die Gebühr symbolisch, und am Ende erhältst du das Certificat de înregistrare, deine Registrierungsbescheinigung samt persönlicher Steuernummer (CNP). Mit dem CNP öffnen sich Konto, Mietvertrag, Strom- und Telefonverträge.
Daueraufenthalt nach fünf Jahren
Nach fünf Jahren ununterbrochenem rechtmäßigem Aufenthalt beantragst du den Daueraufenthalt, der unabhängig von Arbeit oder Vermögen fortbesteht. Zeiten als registrierter EU-Bürger zählen voll mit.
Arbeiten, Firma und Steuern
Als EU-Bürger arbeitest du in Rumänien ohne Arbeitserlaubnis. Interessant ist das Land vor allem für Unternehmer und Selbständige: Die Micro-Enterprise-Besteuerung mit 1 Prozent Umsatzsteuer auf Firmenebene (unter Bedingungen) und die Flat Tax von 10 Prozent auf Einkommen gehören zu den attraktivsten Regimen der EU, auch wenn die Schwellen zuletzt mehrfach verschärft wurden. Die Details und aktuellen Grenzwerte findest du in unserem Länderüberblick zu Rumänien sowie tagesaktuell im Steueratlas zu Rumänien.
Die Lebenshaltungskosten liegen deutlich unter westeuropäischem Niveau, Bukarest und Cluj-Napoca haben sich zugleich zu echten Tech-Standorten entwickelt, mit schnellem Internet, das regelmäßig zu den schnellsten Europas zählt.
Sicherheit und Alltag
Rumänien ist ein sicheres Reiseland; die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts nennen vor allem Taschendiebstahl in Bukarest, an Bahnhöfen und in Fernzügen. Im Straßenverkehr gilt eine 0,0-Promille-Grenze, die Fahrweise ist ruppiger als in Mitteleuropa, und auf Landstraßen teilen sich Pferdefuhrwerke und Lkw die Fahrbahn. In den Karpaten leben Bären; Wanderungen planst du besser auf markierten Routen und ohne Essensvorräte im Zelt.
Die medizinische Grundversorgung ist flächendeckend, private Kliniken in den Großstädten bieten westlichen Standard zu moderaten Preisen. Mit der EHIC bist du für Notfälle abgesichert; als Resident zahlst du in die staatliche Kasse CNAS ein oder versicherst dich privat.
Anreise: Auto, Flug und Bahn
Mit dem Auto fährst du aus Deutschland klassisch über Wien und Budapest; seit dem Schengen-Vollbeitritt rollst du am früheren Nadelöhr Nădlac ohne Kontrolle über die Grenze, was die Fahrt spürbar verkürzt. Die Rovinieta kaufst du online oder an Tankstellen, auf einzelnen Brücken (etwa über die Donau bei Fetești) kommt eine separate Maut dazu. Flüge verbinden alle deutschsprachigen Drehkreuze mit Bukarest, Cluj-Napoca, Timișoara und Sibiu, oft zu sehr niedrigen Preisen. Wer entspannt reisen will, nimmt den Nachtzug ab Wien nach Bukarest. Nach offizieller Wohnsitznahme gilt wie überall: Das Auto muss auf rumänische Kennzeichen umgemeldet werden, sonst drohen Probleme mit Versicherung und Polizei.
Nach der Registrierung: Konto, Wohnung, Alltag
Mit CNP und Registrierungsbescheinigung öffnet sich der rumänische Alltag schnell. Die Kontoeröffnung bei Banken wie Banca Transilvania, BCR oder ING dauert mit Ausweis und CNP oft nur einen Termin, Onlinebanking und Kartenzahlung sind flächendeckend Standard; selbst auf Wochenmärkten wird inzwischen kontaktlos gezahlt. Mietverträge werden idealerweise bei der Steuerbehörde ANAF registriert, was dir als Mieter Rechtssicherheit gibt und für manche Behördengänge als Adressnachweis dient. Strom-, Gas- und Internetverträge laufen unkompliziert, Glasfaser mit hohen Bandbreiten kostet einen Bruchteil des deutschen Preises.
Mit Familie nach Rumänien
Familien finden in Bukarest, Cluj-Napoca und Timișoara internationale und deutsche Schulen; die Deutsche Schule Bukarest und zahlreiche deutschsprachige Züge öffentlicher Schulen sind ein Erbe der siebenbürgischen Tradition, gerade in Städten wie Sibiu (Hermannstadt) und Brașov (Kronstadt). Kinder von EU-Bürgern haben regulären Zugang zum staatlichen Schulsystem. Haustiere reisen mit EU-Heimtierausweis, Mikrochip und gültiger Tollwutimpfung ein, wie überall in der Union. Für die Krankenversicherung gilt: EHIC für die Übergangszeit, danach Beitritt zur staatlichen CNAS über Arbeit oder freiwillige Beiträge, ergänzt um private Kliniken (Regina Maria, MedLife), deren Abos viele Arbeitgeber ohnehin stellen.
Auch Renten lassen sich unkompliziert nach Rumänien mitnehmen: Die deutsche Rente wird auf ein rumänisches oder deutsches Konto überwiesen, das Doppelbesteuerungsabkommen regelt, welcher Staat besteuert; wer diesen Weg plant, sollte die Details vor dem Umzug klären.
Häufige Fragen zur Einreise
Reicht der Personalausweis wirklich? Ja, für Einreise und Aufenthalt als EU-Bürger genügt er; für Mietwagen, Banken und Behörden ist der Reisepass trotzdem ein nützliches Zweitdokument. Was gilt für Tagesausflüge in die Republik Moldau? Dort verlässt du die EU: Reisepass mitnehmen, die Einreise ist für Deutsche visumfrei, aber mit voller Grenzkontrolle. Und die Währung? Rumänien zahlt weiterhin in Lei (RON), nicht in Euro; Kartenzahlung ist fast überall möglich, etwas Bargeld hilft auf dem Land. Bleibt die Frage nach dem Auto im Sommerurlaub: Als Tourist fährst du unbegrenzt mit deutschem Kennzeichen, erst der offizielle Wohnsitz löst die Ummeldepflicht aus. Und wer nur zum Hausbau oder zur Firmengründung pendelt, ohne die 90 Tage zu überschreiten, braucht überhaupt keine Registrierung, sollte seine Aufenthaltstage aber im Blick behalten, sobald steuerliche Fragen ins Spiel kommen.
Zwei Punkte gehören noch in jede realistische Planung. Erstens die Seismik: Bukarest liegt in einer Erdbebenzone, beim Wohnungskauf oder bei langfristiger Miete lohnt der Blick auf Baujahr und Risikoklasse des Gebäudes, die roten Plaketten an manchen Altbauten markieren einsturzgefährdete Objekte. Zweitens die Straßenhunde: Das Problem ist deutlich kleiner als sein Ruf, in ländlichen Regionen begegnest du frei laufenden Hunden aber weiterhin, was vor allem Jogger und Radfahrer wissen sollten.
Was du jetzt konkret tun solltest
Für einen Umzug nach Rumänien brauchst du keinen Vorlauf bei Botschaften: einreisen, Wohnung sichern, innerhalb der ersten 90 Tage den Termin beim IGI vereinbaren und das Certificat de înregistrare abholen. Kümmere dich früh um Mietvertrag und Krankenversicherung, denn beides verlangt die Behörde als Nachweis. Danach stehen dir mit CNP alle Alltagswege offen, vom Bankkonto bis zur Firmengründung.
Ob sich Rumänien mit seiner 10-Prozent-Flat-Tax und der Mikrofirma auch steuerlich für dich lohnt, klären wir individuell: Buche dazu ein Beratungsgespräch zum Umzug nach Rumänien.
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