Auf der Landkarte liegen sie nebeneinander, rechtlich trennt sie seit dem Brexit eine Welt. Großbritannien ist für dich als deutsche Staatsangehörige oder deutscher Staatsangehöriger ein Drittstaat mit Visumpflicht, Irland ist EU-Mitglied mit voller Freizügigkeit. Wer 2026 auswandern will, entscheidet damit nicht nur über Städte und Wetter, sondern über den Aufwand des gesamten Projekts.
Der Zugang: Antrag oder einfach hinziehen
Seit dem Brexit brauchst du für jeden Aufenthalt jenseits des Besuchs ein Visum. Der Regelweg ist das Skilled Worker Visa: Du brauchst einen lizenzierten Arbeitgeber, ein Certificate of Sponsorship, Englischnachweis und ein Gehalt oberhalb der Schwelle. Diese allgemeine Gehaltsschwelle liegt 2026 bei 41.700 Pfund, für neue Berufseinsteiger und für Gesundheitsberufe gelten niedrigere Werte. Zusätzlich zahlst du die Immigration Health Surcharge für den Zugang zum NHS, und zwar für die gesamte Visumdauer im Voraus. Die Kategorie ist ausführlich bei GOV.UK beschrieben.
Selbst für einen Kurzbesuch brauchst du inzwischen eine Vorabgenehmigung: Die Electronic Travel Authorisation gilt für EU-Staatsangehörige seit dem 2. April 2025 und wird seit Februar 2026 ohne Ermessensspielraum durchgesetzt. Die Genehmigung gilt zwei Jahre und wird online beantragt. Details stehen auf der ETA-Seite der britischen Regierung.
Für die dauerhafte Niederlassung ist Vorsicht angebracht. Das Weißbuch der Regierung vom Mai 2025 sieht vor, die Regelwartezeit bis zum unbefristeten Aufenthaltsrecht von fünf auf zehn Jahre zu verlängern, mit der Möglichkeit, diese Zeit über ein Punktemodell zu verkürzen. Die Einzelheiten sind noch nicht in Kraft, aber wer heute plant, sollte nicht mit fünf Jahren rechnen.
Irland
In Irland gilt für dich EU-Freizügigkeit. Du ziehst um, suchst Arbeit, meldest dich an, beantragst deine PPS-Nummer und bist im System. Kein Visum, keine Gehaltsschwelle, keine Sponsorenpflicht, keine Gesundheitsabgabe im Voraus. Eine kompakte Orientierung für Zugezogene bietet die staatliche Informationsstelle Citizens Information.
Ein praktischer Nebeneffekt: Irland gehört nicht zum Schengen-Raum, sondern zur Common Travel Area mit Großbritannien. Reisen zwischen Dublin und London sind unkompliziert, ein Aufenthaltsrecht im Vereinigten Königreich leitest du daraus aber nicht ab.
Kosten und Wohnungsmarkt
Beide Inseln haben ein Wohnungsproblem, Irland hat das größere. Dublin gehört zu den teuersten Mietmärkten Europas, das Angebot ist chronisch knapp, und Wohnungssuche aus dem Ausland ist mühsam. Kalkuliere für Dublin mit Mieten auf Münchner Niveau bei geringerem Wohnungsstandard. Cork, Galway und Limerick sind günstiger, aber ebenfalls angespannt.
In Großbritannien ist die Spreizung größer. London ist teuer, aber Manchester, Leeds, Glasgow, Sheffield oder Newcastle liegen deutlich darunter, und außerhalb des Südostens sind Häuser vielerorts erschwinglicher als in vergleichbaren deutschen Regionen. Dafür kommen im Vereinigten Königreich die Council Tax und die genannte Gesundheitsabgabe hinzu, die im Visumpaket schnell vierstellig wird.
Bei den Löhnen liegen beide Länder in qualifizierten Berufen über deutschem Niveau, Irland durch die Konzentration von Technologie- und Pharmakonzernen besonders in Dublin. Der Vorteil verschwindet bei Miete und Kinderbetreuung schnell wieder, denn Betreuungskosten gehören in Irland zu den höchsten in Europa.
Arbeitsmarkt und Branchen
Irland lebt wirtschaftlich von der Ansiedlung internationaler Konzerne. Technologie, Pharma, Medizintechnik und Finanzdienstleistungen konzentrieren sich in Dublin, Cork und Galway, und in diesen Feldern sind Gehälter und Aufstiegschancen europaweit konkurrenzfähig. Der Nachteil dieser Konzentration ist die Abhängigkeit: Wenn ein großer Arbeitgeber Stellen streicht, trifft das den lokalen Markt hart, weil die Alternativen im selben Segment begrenzt sind.
Großbritannien hat den breiteren Arbeitsmarkt: Finanzwesen in London, Ingenieurwesen und Fertigung in den Midlands, Life Sciences rund um Cambridge und Oxford, Kreativwirtschaft in Manchester und Bristol, Energie in Aberdeen. Wer den Standort wechseln kann, findet mehr Auswege. Der Haken bleibt die Bindung an den Sponsor: Endet dein Arbeitsverhältnis, hast du nur eine kurze Frist, um einen neuen lizenzierten Arbeitgeber zu finden oder auszureisen.
In beiden Ländern ist die Verhandlungskultur direkter als in Deutschland, Gehälter werden offener besprochen, und Wechsel alle zwei bis drei Jahre gelten als normal statt als Makel. Wer aus einem langfristig angelegten deutschen Arbeitsverhältnis kommt, sollte sich auf diesen Rhythmus einstellen.
Steuerstatus: der wichtigste Unterschied
Großbritannien hat den Status des Non-Domiciled zum 6. April 2025 abgeschafft und ist auf ein rein ansässigkeitsbasiertes System umgestellt. An seine Stelle trat das FIG-Regime, das ausländische Einkünfte und Gewinne in den ersten vier Jahren der britischen Ansässigkeit steuerfrei stellt, auch wenn sie ins Land gebracht werden. Danach greift die volle Besteuerung des Welteinkommens. Für die Erbschaftsteuer gilt seither ein Aufenthaltstest: Wer in zehn der letzten zwanzig Steuerjahre ansässig war, ist mit dem weltweiten Vermögen erfasst, und diese Erfassung wirkt nach einem Wegzug noch mehrere Jahre nach. Die Einzelheiten stehen im Steueratlas zum Vereinigten Königreich.
Irland hat sein Non-Dom-Regime dagegen behalten. Zugezogene ohne irisches Domizil können ausländische Einkünfte weiterhin nach dem Überweisungsprinzip behandeln lassen, was für Menschen mit internationalen Einkunftsquellen ein struktureller Vorteil ist. Der reguläre Tarif ist mit zwei Stufen plus Universal Social Charge und Sozialbeitrag dagegen hoch. Die Grundlagen findest du im Steueratlas zu Irland und auf der Länderseite zu Irland.
Für den Wegzug aus Deutschland gilt: Irland ist EU, die Wegzugsbesteuerung kann auf Antrag zinslos gestundet werden. Großbritannien ist Drittstaat, diese Erleichterung entfällt. Für beide Ziele gibt es eigene Vorbereitungsgespräche, für Großbritannien ebenso wie für Irland. Den britischen Kontext betreut unsere Kanzlei St Matthew seit vielen Jahren von London aus.
Bankkonto, Kredithistorie und Bürokratie
In beiden Ländern brauchst du früh ein lokales Konto, und in beiden Ländern verlangen Banken einen Adressnachweis, den du ohne Konto schwer beschaffst. In Irland löst die PPS-Nummer viele dieser Knoten, im Vereinigten Königreich die National Insurance Number. Plane für diese Grundvorgänge die ersten vier bis sechs Wochen ein und halte Mietvertrag, Arbeitsvertrag und Reisepass mehrfach in Kopie bereit.
Die lokale Kredithistorie beginnt in beiden Ländern bei null. Für Mobilfunkverträge, Mietangebote und erst recht für eine Immobilienfinanzierung ist sie entscheidend. Rechne mit sechs bis zwölf Monaten, bis du als kreditwürdig geführt wirst, und halte in dieser Zeit mehr Rücklage vor, als du aus Deutschland gewohnt bist. Wer Konten und Vermögen international ordnen will, findet den Einstieg bei FreedomBanking Plus und zu Schutzfragen bei Asset Protection Plus.
Alltag, Gesundheit und Klima
Sprachlich ist der Einstieg auf beiden Inseln einfach, Anerkennungsverfahren für reglementierte Berufe gibt es trotzdem. In Irland greift die EU-Berufsanerkennung, im Vereinigten Königreich läuft alles über die jeweilige Fachbehörde und dauert länger.
Der NHS ist im Vereinigten Königreich für Visumsinhaber über die Gesundheitsabgabe zugänglich, kämpft aber mit langen Wartezeiten. Irlands System ist gemischt: Hausarztbesuche sind für die meisten kostenpflichtig, private Zusatzversicherungen sind entsprechend verbreitet. Rechne in Irland mit laufenden Gesundheitskosten, die du aus Deutschland nicht kennst. Die Landeshinweise des Auswärtigen Amts zum Vereinigten Königreich und zu Irland ergänzen das Bild.
Das Klima ist auf beiden Inseln mild, feucht und wechselhaft. Irland ist grüner, weil es mehr regnet. Wer viel Sonne braucht, ist hier falsch. Für Ruhestandspläne lohnt der Blick in die Profile Ruhestand im Vereinigten Königreich und Ruhestand in Irland.
Dein nächster Schritt auf die Inseln
Irland ist der pragmatische Weg: kein Visum, kein Sponsor, keine Vorabgebühren, dazu ein Non-Dom-Regime, das es im Vereinigten Königreich so nicht mehr gibt. Du zahlst diesen Komfort über einen extrem angespannten Wohnungsmarkt und hohe laufende Kosten.
Großbritannien ist der Weg für alle, die einen konkreten Arbeitgeber, ein Gehalt über 41.700 Pfund oder eine unternehmerische Struktur mitbringen und die ersten vier Jahre mit dem FIG-Regime steuerlich sinnvoll nutzen können. Die Rechnung wird nur auf, wenn du den bürokratischen Aufwand und die längere Wartezeit bis zur Niederlassung einkalkulierst.
Prüfe zuerst, ob du überhaupt sponsorfähig bist, dann die Stadt, dann die Steuerstruktur. Wer den Zeitpunkt des Wegzugs falsch legt, verschenkt genau die vier Jahre, die den britischen Weg attraktiv machen. Ein Vorbereitungsgespräch ist hier keine Formalie, sondern der Unterschied zwischen Plan und Zufall.
