Der Global Liveability Index der Economist Intelligence Unit bewertet jedes Jahr 173 Städte nach Stabilität, Gesundheitsversorgung, Kultur und Umwelt, Bildung sowie Infrastruktur. Wien hat diese Rangliste über Jahre angeführt, steht aktuell aber auf Platz zwei: An der Spitze liegt Kopenhagen. Weil die Punktabstände an der Spitze winzig sind, lohnt sich der Blick auf die Einzelkategorien mehr als auf die Platzierung.

Die zehn lebenswertesten Städte

  1. Kopenhagen, Dänemark, 98 Punkte: Spitzenwerte in Stabilität, Bildung und Infrastruktur, dazu eine der niedrigsten Kriminalitätsraten Europas
  2. Wien, Österreich, 97 Punkte: kulturelles Angebot, leistbarer Wohnraum durch den kommunalen Wohnbau und ein starkes Gesundheitssystem
  3. Melbourne, Australien, 97 Punkte: beste australische Platzierung mit Höchstwerten bei Gesundheit, Bildung und Infrastruktur
  4. Sydney, Australien, 97 Punkte: gleichauf bei Gesundheit und Bildung, etwas schwächer bei Kultur und Umwelt
  5. Zürich, Schweiz, 96 Punkte: Sicherheit, Grünflächen und Finanzplatz, dafür sehr hohe Lebenshaltungskosten
  6. Genf, Schweiz, 96 Punkte: internationale Organisationen, starkes Kulturangebot, ebenfalls teuer
  7. Osaka, Japan, 96 Punkte: hervorragende Werte bei Stabilität und Infrastruktur
  8. Adelaide, Australien, 96 Punkte: die ruhigere und günstigere australische Alternative
  9. Vancouver, Kanada, 96 Punkte: einzige nordamerikanische Stadt in den Top 10, sehr hohe Wohnkosten
  10. Tokio, Japan, 96 Punkte: neu in den Top 10, getragen von Sicherheit und Nahverkehr

Bemerkenswert ist die regionale Verschiebung. Der asiatisch-pazifische Raum stellt inzwischen einen großen Teil der Spitzengruppe, während Westeuropa im Durchschnitt leicht nachgibt. Am unteren Ende der Skala stehen Damaskus, Tripolis, Dhaka, Karatschi und Algier, dazu Kiew und Teheran. Die Methodik und die jährlichen Berichte dokumentiert die Economist Intelligence Unit selbst.

Wer gewinnt, wer verliert

Die interessanteren Bewegungen finden unterhalb der Spitze statt. New York hat mit einem Zuwachs von 1,2 Punkten einen der größten Sprünge des gesamten Feldes geschafft und steht nun auf Rang 66. In China verbesserten sich sämtliche bewerteten Städte bei der Gesundheitsversorgung, Fuzhou stieg um sieben Plätze auf Rang 93. Nach unten ging es dagegen für Maskat, das 14 Plätze auf Rang 123 verlor, und für Kuwait-Stadt mit zwölf Plätzen Verlust auf Rang 105.

Neun asiatische Städte stehen inzwischen in den Top 20, gegenüber sieben europäischen. Das ist die eigentliche Nachricht des Rankings: Der Schwerpunkt der gemessenen Lebensqualität verschiebt sich nach Ostasien und Ozeanien, während der westeuropäische Durchschnitt leicht nachgibt. Für Auswanderer heißt das nicht automatisch, dass Tokio die bessere Wahl als Wien ist, denn Sprache, Aufenthaltsrecht und Arbeitsmarktzugang gehen in die Bewertung nicht ein.

Was die fünf Kategorien wirklich messen

Die Gesamtpunktzahl setzt sich aus fünf gewichteten Bereichen zusammen. Stabilität sowie Kultur und Umwelt gehen mit je 25 Prozent ein, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur mit je 20 Prozent, Bildung mit 10 Prozent. Das erklärt, warum Städte mit exzellentem Nahverkehr und niedriger Kriminalität regelmäßig vorn liegen, auch wenn sie teuer sind.

Der Index misst ausdrücklich nicht die Lebenshaltungskosten. Zürich, Genf, Vancouver und Sydney gehören zu den teuersten Städten der Welt und stehen trotzdem in den Top 10. Für die eigene Entscheidung musst du das Ranking deshalb immer mit einem Kostenvergleich kombinieren. Ein zweiter blinder Fleck ist die Perspektive: Bewertet wird die Lage aus Sicht eines entsandten Beschäftigten mit gutem Einkommen, nicht aus Sicht eines Zuwanderers, der sich einen Platz erst erarbeiten muss.

Wien im Detail

Wien punktet seit Jahren mit einer Kombination, die anderswo selten ist: hohe Sicherheit, ein dichtes Kulturangebot und Wohnkosten, die durch den großen Bestand an Gemeindebauten und geförderten Wohnungen gedämpft werden. Rund die Hälfte der Wiener Bevölkerung lebt in kommunal errichteten oder geförderten Wohnungen. Diese Besonderheit erklärt einen großen Teil des jahrelangen Spitzenplatzes, weil sie den Mietmarkt insgesamt dämpft und nicht nur die geförderten Wohnungen betrifft. Die aktuellen Kennzahlen zur Stadt veröffentlicht die Stadt Wien laufend, die bundesweiten Daten führt Statistik Austria.

Für deutsche Auswanderer ist Österreich das zweitwichtigste Ziel überhaupt, gleich nach der Schweiz. Wer den Ruhestand dort verbringen will, findet die Rahmenbedingungen unter Ruhestand in Österreich, den Einstieg ins Thema liefert Ruhestand im Ausland. Für Dänemark gilt Ähnliches, die steuerliche und rechtliche Seite steht unter Ruhestand in Dänemark.

Die Schweiz, Australien und Japan im Vergleich

Zürich und Genf liefern Stabilität zu hohen Preisen. Wie sich ein Umzug praktisch anfühlt, beschreibt der Erfahrungsbericht zum Umzug in die Schweiz, den Weg zum Pass erklärt der Beitrag Einbürgerung in der Schweiz.

Australien stellt mit Melbourne, Sydney und Adelaide gleich drei Städte in die Top 10, verlangt für die Einwanderung aber ein Punktesystem mit Alters- und Qualifikationsgrenzen. Die Eckdaten stehen auf der Länderseite Australien, für Ruheständler ergänzt Ruhestand in Australien. Japan ist mit Osaka und Tokio doppelt vertreten und gilt als eines der sichersten Länder überhaupt, die Rentenseite behandelt Ruhestand in Japan. Kanada bleibt mit Vancouver das nordamerikanische Aushängeschild, dazu passen der Beitrag Auswandern nach Kanada, die Länderseite Kanada, das Gespräch über Kanada als Traumziel und für Selbstständige der Leitfaden Arbeiten in Kanada.

Warum das Ranking allein nicht reicht

Kein Index kennt deine Lebenslage. Eine Stadt mit 96 Punkten nützt wenig, wenn du dort keinen Aufenthaltstitel bekommst, die Mieten dein Budget sprengen oder deine Qualifikation nicht anerkannt wird. Die Alternativen liegen oft außerhalb der Spitzengruppe: Neuseeland mit Auckland, ergänzt durch Ruhestand in Neuseeland, Thailand für ortsunabhängige Einkommen oder Paraguay für einen günstigen Zweitwohnsitz.

Prüfe deshalb vier Punkte, bevor du dich auf eine Stadt festlegst: Aufenthaltsrecht, Nettoeinkommen nach lokalen Abgaben, Wohnkosten in der Zielregion und die Anerkennung deiner Qualifikation. Erst danach entscheidet der Index. Für die steuerliche Seite lohnt der Blick auf Sonderregime, etwa in der Folge Als Non Dom steuerfrei leben oder im Beitrag zur Firmengründung in Irland. Wer in Nordamerika gründen will, findet die Praxis in der Folge zur Unternehmensgründung in den USA, und wer weiter für einen deutschen Arbeitgeber tätig bleibt, im Beitrag für eine deutsche Firma im Ausland arbeiten.

So liest du das Ranking für dich selbst

Statt der Gesamtpunktzahl helfen die Einzelkategorien. Wer chronisch krank ist, filtert nach Gesundheitsversorgung. Wer mit Kindern zieht, nach Bildung. Wer ein Unternehmen aufbaut, nach Stabilität und Infrastruktur, weil Rechtssicherheit und funktionierende Logistik dort abgebildet sind. In der Kategorie Kultur und Umwelt stecken dagegen auch Klima und Zensurniveau, was die Werte für manche Städte schwer interpretierbar macht.

Zwei praktische Hinweise: Erstens sind mittelgroße Städte in den Top 30 häufig die bessere Wahl als die Spitzenreiter, weil sie ähnliche Werte bei deutlich niedrigeren Wohnkosten erreichen. Zweitens ändert sich die Platzierung einer Stadt selten schnell, die Wohnkosten dagegen jedes Jahr. Prüfe deshalb die Mieten zum geplanten Umzugszeitpunkt neu und nicht anhand der Zahlen aus dem Bericht.

Was du aus der Rangliste mitnimmst

Nutze den Index als Vorauswahl, nicht als Entscheidung. Er beantwortet die Frage, wo eine Stadt funktioniert, und nicht die Frage, ob sie zu dir passt. Er zeigt zuverlässig, wo Infrastruktur und Sicherheit stimmen, und er zeigt genauso zuverlässig nicht, ob du dir das leisten kannst. Wer diese Trennung im Kopf behält, spart sich teure Enttäuschungen nach dem Umzug. Nützlich ist der Index vor allem für die Vorauswahl einer Region, weniger für die Wahl zwischen zwei konkreten Adressen. Innerhalb einer Stadt unterscheiden sich Bezirke bei Sicherheit, Anbindung und Mietniveau oft stärker als zwei Städte im Ranking voneinander. Die Punktdifferenz zwischen Platz eins und Platz zehn beträgt zwei Punkte, der Unterschied bei den Wohnkosten dagegen mehrere hundert Prozent.

Bevor der Umzug konkret wird, gehören Versicherungen und Steuerfragen geklärt. Welche Policen im Ausland tragen, zeigt der Überblick zu den notwendigen Versicherungen, welche Rückfragen aus Deutschland kommen, der Beitrag zu den 16 Fragen vom Finanzamt. Wie viele Menschen diesen Schritt tatsächlich gehen, steht in den Zahlen zu deutschen Auswanderern. Für die persönliche Einordnung buchst du am besten ein Beratungsgespräch mit unseren Experten.