Wie viele Deutsche wandern aus, wohin gehen sie, und wie viele kommen zurück? Die Zahlen zu deutschen Auswanderern werden regelmäßig zitiert und fast ebenso regelmäßig falsch eingeordnet. Zuletzt verließen 288.579 Deutsche das Land, rund 190.000 kehrten im selben Jahr zurück, unter dem Strich blieb ein Wanderungsverlust von 96.689 Personen. Dieser Beitrag ordnet Bestand, Bewegung und Rückkehr sauber voneinander ab und zeigt dir, was die Statistik für deine eigene Planung hergibt.
Bewegung: wer geht und wer kommt
Die Wanderungsstatistik zählt Fortzüge und Zuzüge, nicht Lebensentscheidungen. Jede Abmeldung wird erfasst, auch wenn sie ein Auslandsjahr, eine Entsendung oder ein befristetes Projekt betrifft. Deutsche stellen rund 23 Prozent aller Fortzüge aus Deutschland. Die Basisdaten findest du auf der Themenseite Zuwanderung und Abwanderung des Statistischen Bundesamts, die Jahresbilanz in der Pressemitteilung zur Nettozuwanderung.
- Schweiz, rund 22.700
- Österreich, rund 13.500
- Spanien, rund 9.700
- USA, rund 8.900
- Frankreich, rund 5.700
Wichtig zur Einordnung: Bei knapp der Hälfte der Fortzüge von Deutschen bleibt das Zielland unbekannt, weil bei der Abmeldung keine Angabe erfolgt. Die Rangfolge ist deshalb belastbar, die absoluten Zahlen sind Untergrenzen. Eine ausführliche Aufschlüsselung der Ziele findest du in Wohin Deutsche auswandern, für Nordamerika ergänzend in unserem Beitrag zu den US-Metropolen.
Bestand: wo Deutsche dauerhaft leben
Innerhalb Europas leben die meisten Deutschen in der Schweiz (rund 329.900), gefolgt von Österreich (rund 239.500), Spanien (rund 131.800) und Frankreich (rund 94.000). Weltweit betrachtet liegen die Vereinigten Staaten vorn. Eine ältere, aber weiterhin viel zitierte OECD-Auswertung kam auf rund 3,4 Millionen in Deutschland geborene Menschen in OECD-Ländern, davon etwa 1,1 Millionen in den USA sowie je rund 270.000 im Vereinigten Königreich und in der Schweiz. Diese Zahl beschreibt den Bestand über Jahrzehnte, nicht die jährliche Auswanderung, und wird deshalb häufig missverstanden.
Große Gemeinschaften mit deutscher Herkunft gibt es zudem in Brasilien und Argentinien, dort allerdings überwiegend aus Einwanderungswellen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Wer sich für die europäischen und überseeischen Optionen im Detail interessiert, findet die Vorauswahl in unseren Listen empfohlener Wohnsitzstaaten in Europa und Übersee.
Klassische Zielländer im Bestand
- Vereinigtes Königreich: nach dem Brexit deutlich aufwendiger bei Einreise und Aufenthalt.
- Schweiz: höchster Bestand in Europa, mit langem Weg zur Einbürgerung.
- Italien und Spanien: stark von Ruheständlern und Teilzeitwohnsitzen geprägt.
- Kanada und Australien: klassische Einwanderungsländer mit Punktesystemen.
- Österreich, Niederlande und Griechenland: kurze Wege, vertraute Rahmenbedingungen.
- Türkei: große deutschsprachige Gemeinde an der Riviera und der Ägäisküste.
Wer auswandert: das Profil
Aus der German Emigration and Remigration Panel Study ergibt sich ein klares Bild. Zwei Drittel der Auswandernden sind jünger als 40 Jahre, drei Viertel haben einen Hochschulabschluss, und die Mehrheit plant von Anfang an einen befristeten Aufenthalt. Deutschland verliert also vor allem junge, gut ausgebildete Menschen auf Zeit, nicht dauerhaft.
Beruflich konzentriert sich die Auswanderung auf Tätigkeiten mit hohem Qualifikationsniveau: Führungspositionen, Bildung, Gesundheitswesen, Wirtschaft und Finanzen, Ingenieurwesen sowie IT. Deutschland gehört damit zu den wichtigsten Herkunftsländern hochqualifizierter Fachkräfte weltweit. Wer diesen Weg selbst gehen will, findet unter Arbeiten, wo andere Urlaub machen die Optionen für ortsunabhängige Tätigkeiten und in Work and Travel den Einstieg für Jüngere.
Deutschland im internationalen Vergleich
Als Herkunftsland hochqualifizierter Auswanderer liegt Deutschland weltweit in der Spitzengruppe, hinter Indien, den Philippinen, China und dem Vereinigten Königreich. Das ist bemerkenswert, weil die anderen vier Länder entweder deutlich mehr Einwohner haben oder eine ausgeprägte Auswanderungstradition pflegen. Für die deutsche Wirtschaft bedeutet es, dass ein relevanter Teil der besten Jahrgänge zumindest zeitweise anderswo arbeitet.
Der wichtigste Zielraum außerhalb Europas ist Nordamerika, gefolgt von Ostasien. Wer den asiatischen Weg prüft, findet in der Folge zu Hongkong als Tor nach China und Südostasien die Einordnung, warum Finanz- und Handelsdrehkreuze für Fachkräfte anders funktionieren als klassische Einwanderungsländer. Die Auswanderungsquote unter Hochqualifizierten liegt in Deutschland deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung, ein Muster, das sich seit Jahren hält.
Warum Deutsche gehen
Die Motive verteilen sich auf vier Blöcke. Erstens berufliche Gründe: bessere Beschäftigungsaussichten, höhere Gehälter, gefragte Qualifikationen. Zweitens familiäre Gründe, allen voran binationale Partnerschaften. Drittens Lebensqualität, Klima und Sicherheit. Viertens finanzielle Motive, die vor allem Selbstständige und Unternehmer betreffen. Für Ruheständler kommt die Frage hinzu, wann die Rente im Ausland steuerfrei bleibt, ein Thema, das wir unter Ruhestand im Ausland vertiefen, unter anderem für die Schweiz und Indien. Welche Faktoren tatsächlich den Ausschlag geben, ordnet Gründe zum Auswandern ein, die Priorisierung übernimmt Wohin auswandern.
Rückkehr: der unterschätzte Teil der Statistik
Rund 190.000 Deutsche kehren jedes Jahr zurück, das entspricht etwa zwei Dritteln der Fortzüge. Rund vier von zehn Auswandernden planen die Rückkehr von vornherein ein. Die häufigsten Rückkehrgründe sind familiär: Pflege von Angehörigen, Schulwechsel der Kinder, Trennung oder das Ende einer Entsendung. Wirtschaftliche Enttäuschung spielt eine kleinere Rolle, als oft angenommen wird.
Für die Planung heißt das zweierlei. Halte die Rückkehroption offen, etwa bei Rentenansprüchen, Krankenversicherung und Berufszulassung. Und plane den Wegzug trotzdem so, als bliebe er dauerhaft, denn eine halbherzige Abmeldung führt regelmäßig zu doppelter Steuerpflicht. Wer in die Schweiz zieht, muss zusätzlich die überdachende Besteuerung kennen.
Studium und Ausbildung als Einstieg
Ein oft übersehener Teil der Bewegung sind Studierende. Jedes Jahr verbringen rund 140.000 Deutsche einen Studien- oder Ausbildungsabschnitt im Ausland, und ein Teil davon bleibt. Für unter 25-Jährige sind Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten der mit Abstand häufigste Auswanderungsgrund. Das erklärt auch, warum die Rückkehrquote in dieser Altersgruppe besonders hoch ist: Ein Abschluss endet, ein Job nicht.
Wer über diesen Weg einsteigt, sollte trotzdem die formalen Dinge ernst nehmen. Krankenversicherung, Meldestatus und Kindergeldanspruch ändern sich mit dem Auslandsaufenthalt, und wer nach dem Studium bleibt, braucht einen Aufenthaltstitel, der nicht mehr am Studierendenstatus hängt. Genau an dieser Schwelle scheitern viele, weil der Wechsel des Titels im Zielland andere Fristen hat als die Exmatrikulation in Deutschland.
Was die Zahlen nicht zeigen
Drei Verzerrungen solltest du im Kopf behalten. Erstens werden Fortzüge oft verspätet oder gar nicht gemeldet, obwohl eine Abmeldepflicht besteht. Zweitens enthält die Statistik kurzfristige Aufenthalte, was die Zahlen nach oben treibt. Drittens sagt kein Datensatz etwas darüber aus, wie zufrieden Auswanderer sind. Ergänzende Auswertungen zur Abwanderung veröffentlicht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in seiner Forschungsreihe.
Was du daraus für deine Planung mitnimmst
- Nachbarländer dominieren, weil sie einfach sind. Einfach heißt nicht optimal.
- Der Bestand in einem Land sagt mehr über die vorhandene Infrastruktur aus als der jährliche Zuzug.
- Plane Rückkehrfähigkeit ein, ohne den Wegzug halbherzig zu machen.
- Kläre Finanzen früh, siehe finanzielle Planung.
- Nutze eine Struktur für den Umzug, etwa Umzug ins Ausland und die Checkliste, sowie die Anbietervergleiche für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Wer unternehmerisch denkt, sollte die Struktur vor dem Umzug klären, sei es bei einer Gründung in Irland, bei einer Unternehmensgründung in den USA oder beim Wegzug nach Paraguay. In Europa sind Rumänien und die dortige deutschsprachige Gemeinde in Siebenbürgen eine oft übersehene Alternative. Die typischen Rückfragen der Finanzverwaltung behandelt die Folge zu den 16 Fragen vom Finanzamt, die Details zum US-Weg stehen auf unserer USA-Länderseite.
Was die Statistik für deine Planung hergibt
Nutze die Zahlen als Realitätscheck, nicht als Empfehlung. Ablesen lässt sich daraus, wo Infrastruktur, Communities und Behördenerfahrung mit deutschen Zuwanderern vorhanden sind, und wo du Pionierarbeit leistest. Beides kann richtig sein, aber es sind unterschiedliche Projekte mit unterschiedlichem Aufwand. Prüfe immer zuerst den Aufenthaltstitel, danach die Abgabenlast, erst dann die Lebensqualität, denn nur die ersten beiden Punkte lassen sich nicht durch Gewöhnung lösen.
Wir bei Perspektive Ausland behandeln in unseren Formaten internationales Steuerrecht, Firmengründung im Ausland, Wegzugsteuer, Visa, Kapitalanlagen, Vermögensschutz und Immobilienkauf, ergänzt um Kultur, Bildung und Gesundheitswesen. Wer lieber hört als liest, findet den Einstieg unter Über Perspektive Ausland. Und wenn du deine eigene Länderliste durchrechnen willst, buche ein Beratungsgespräch, bevor du kündigst oder unterschreibst.
