Dubai war lange die bequeme Antwort auf die Frage, wo Unternehmer und gut verdienende Angestellte steuerfrei leben. Seit der Steuerreform stimmt diese Antwort nur noch zur Hälfte. Auf Gehälter, Mieteinnahmen und private Kapitalerträge zahlst du in Dubai weiterhin keine Einkommensteuer, auf Unternehmensgewinne oberhalb von 375.000 AED aber 9 Prozent Körperschaftsteuer. Wer heute Alternativen zu Dubai sucht, vergleicht deshalb nicht mehr null gegen alles andere, sondern rechnet Standorte ernsthaft gegeneinander: Steuerlast, Aufenthaltstitel, Lebenshaltungskosten und Entfernung zur alten Heimat. Vier Ziele halten diesem Vergleich stand, nämlich Abu Dhabi, Kuala Lumpur, Bahrain und Malta.

Was sich in den Emiraten wirklich geändert hat

Die Körperschaftsteuer der Vereinigten Arabischen Emirate gilt für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Juni 2023 beginnen. Bis 375.000 AED Gewinn bleibt der Satz bei null, darüber greifen 9 Prozent. Für Konzerngruppen mit mehr als 750 Millionen Euro Umsatz kommt seit Geschäftsjahren ab dem 1. Januar 2025 eine nationale Mindeststeuer von 15 Prozent dazu. Kleine Strukturen profitieren noch von der Small Business Relief, die aber nur für Steuerperioden gilt, die spätestens am 31. Dezember 2026 enden. Sätze, Freibeträge und die Bedingungen für den Free-Zone-Status findest du im Steueratlas zu den Vereinigten Arabischen Emiraten, unserer Leitquelle für Ländersteuern.

Für Privatpersonen bleibt das Emirat trotzdem attraktiv, denn eine Einkommensteuer gibt es weiterhin nicht. Wie sich das im Alltag anfühlt, zeigen unser Überblick zu Steuern in Dubai und der Erfahrungsbericht Leben und Arbeiten in Dubai. Unternehmer Marc Schippke erzählt in der Podcastfolge Was zieht Unternehmer nach Dubai?, was ihn überzeugt hat, und in der Folge Dubai als fortschrittliches Steuerparadies geht es um Buchführung und Verwaltungsaufwand.

Auch für den Ruhestand gibt es einen Weg. Das Retirement Visa richtet sich an Menschen ab 55 mit mindestens 15 Berufsjahren und verlangt eine von drei Grundlagen: eine Immobilie im Wert von einer Million AED, ein Sparguthaben in gleicher Höhe oder ein monatliches Einkommen von 15.000 AED. Es läuft fünf Jahre und ist verlängerbar, solange die Voraussetzungen erfüllt bleiben. Die offizielle Übersicht aller Aufenthaltstitel steht auf dem Regierungsportal der VAE.

Der eigentliche Grund, warum viele inzwischen weitersuchen, ist nicht die Steuer, sondern der Preis. Miete, Schulgeld und Krankenversicherung liegen in Dubai auf westeuropäischem Großstadtniveau oder darüber. Genau hier setzen die folgenden vier Alternativen an.

1. Abu Dhabi: gleiche Regeln, anderer Takt

Abu Dhabi ist die Hauptstadt der Emirate und liegt rund anderthalb Autostunden von Dubai entfernt. Steuerlich ändert sich nichts, denn Körperschaftsteuer, Mehrwertsteuer und Aufenthaltsrecht sind bundesweit geregelt. Was sich ändert, ist der Alltag: weniger Tempo, mehr traditionelle Kultur, ein ruhigeres Nachtleben und eine Verwaltung, die spürbar staatsnäher arbeitet.

Für Unternehmer ist vor allem der Abu Dhabi Global Market interessant, ein Finanzzentrum mit eigenem, am englischen Recht orientierten Regelwerk. Wer eine Gesellschaft in einer Free Zone hält und die Anforderungen an Substanz und qualifizierende Einkünfte erfüllt, arbeitet weiterhin mit 0 Prozent auf qualifizierende Gewinne. Diese Bedingungen sind seit der Reform deutlich formaler geworden, also prüfe sie vor der Gründung und nicht danach. Auch die nördlichen Emirate, allen voran Ras Al Khaimah, sind einen Blick wert, wenn Büro- und Lizenzkosten eine Rolle spielen.

Wenn du zwischen Dubai und Abu Dhabi schwankst, kläre zuerst die Struktur und danach die Stadt. Ein Beratungsgespräch zum Umzug in die Emirate sortiert Lizenz, Substanz und Wegzug in der richtigen Reihenfolge.

2. Kuala Lumpur: Malaysias territoriale Logik

Die Hauptstadt von Malaysia bietet weniger Prestige als Dubai, dafür mehr Alltagstauglichkeit. Malaien, Chinesen und Inder leben hier zusammen, Englisch ist als Erbe der britischen Kolonialzeit überall präsent, und die Lebenshaltungskosten liegen deutlich unter denen der Golfmetropolen. Für Familien sind internationale Schulen und Privatkliniken zu Preisen verfügbar, die in Dubai kaum vorstellbar sind. Große Malls, kurze Wege und ein internationaler Flughafen mit dichtem Streckennetz gehören ebenfalls dazu.

Steuerlich arbeitet Malaysia territorial. Ausländische Einkünfte, die eine in Malaysia ansässige Privatperson bezieht, bleiben bis zum 31. Dezember 2036 steuerbefreit, sofern sie im Herkunftsland besteuert wurden. Für Gesellschaften gilt das nicht mehr uneingeschränkt: Seit 2022 können nach Malaysia überwiesene Auslandseinkünfte gebietsansässiger Unternehmen steuerpflichtig sein. Die aktuellen Sätze und Ausnahmen stehen im Steueratlas zu Malaysia, Sonderregeln für Gesellschaften in der Freihandelszone Labuan eingeschlossen. Praxisfragen zu Wohnsitz und Anmeldung beantwortet unsere Übersicht zu Steuern und Visa in Malaysia.

Das Aufenthaltsprogramm Malaysia My Second Home wurde neu aufgesetzt und kennt heute vier Kategorien. Die offiziellen Werte des zuständigen Tourismusministeriums:

  • Silver: 150.000 US-Dollar Festgeld, Immobilienkauf ab 600.000 Ringgit, fünf Jahre verlängerbar.
  • Gold: 500.000 US-Dollar Festgeld, Immobilie ab einer Million Ringgit, 15 Jahre verlängerbar.
  • Platinum: eine Million US-Dollar Festgeld, Immobilie ab zwei Millionen Ringgit, 20 Jahre verlängerbar, dazu eine Teilnahmegebühr von 200.000 Ringgit.
  • SEZ/SFZ: 65.000 US-Dollar Festgeld für Antragsteller von 21 bis 49 Jahren, 32.000 US-Dollar ab 50 Jahren, jeweils zehn Jahre verlängerbar.

Das Mindestalter liegt in den drei Hauptkategorien bei 25 Jahren. Unter 50 verlangt das Programm 90 Aufenthaltstage pro Jahr, die Hauptantragsteller, Ehepartner und Angehörige gemeinsam erbringen dürfen; ab 50 gibt es keine Mindestaufenthaltspflicht. Alle Kriterien, Gebühren und Verlängerungskosten stehen in der offiziellen Kategorieübersicht des MM2H-Programms. Für Ruheständler lohnt zusätzlich der Blick auf Rente und Steuern in Malaysia, ortsunabhängig Arbeitende finden im Profil zu Malaysia für digitale Nomaden Angaben zu Kosten, Internet und Klima. Ein Punkt bleibt: Die Zeitverschiebung nach Europa und Amerika musst du in deinen Arbeitstag einplanen.

3. Bahrain: null Einkommensteuer zum halben Preis

Der Inselstaat zwischen Katar und der Nordostküste Saudi-Arabiens ist die stillste der vier Optionen und steuerlich die klarste. Privatpersonen zahlen keine Einkommensteuer, keine Kapitalertragsteuer und keine Erbschaftsteuer. Eine allgemeine Gewinnsteuer für Unternehmen gibt es außerhalb des Öl- und Gassektors nicht. Neu ist seit Geschäftsjahren ab dem 1. Januar 2025 eine Mindeststeuer von 15 Prozent, die ausschließlich Gesellschaften multinationaler Gruppen ab 750 Millionen Euro Umsatz trifft. Für Selbstständige und Mittelständler ändert sie nichts. Den Überblick liefert der Steueratlas zu Bahrain.

Beim Aufenthalt hat sich Bahrain geöffnet. Die Golden Residency ist unbefristet, verlangt keinen Mindestaufenthalt und steht vier Gruppen offen: Immobilienbesitzern, langjährig im Land Beschäftigten, Ruheständlern und besonders qualifizierten Fachkräften. Die Immobilienschwelle wurde auf 130.000 bahrainische Dinar gesenkt, das entspricht rund 345.000 US-Dollar. Wer erst einmal schauen will, reist als Deutscher oder Österreicher mit einem Visum ein, das am Flughafen oder vorab über den offiziellen eVisa-Dienst Bahrains beantragt wird.

Der Preisunterschied ist der eigentliche Hebel: Wohnen, Schule und Alltag kosten in Manama einen Bruchteil dessen, was in Dubai fällig wird. Amtssprache ist Arabisch, Englisch ist im Geschäftsleben Standard. Der Nachteil ist die Größe. Der Binnenmarkt ist klein, das Netzwerk dünner, und wer Sichtbarkeit in einer Weltstadt braucht, ist am Golf woanders besser aufgehoben.

4. Malta: EU-Adresse mit Non-Dom-Logik

Wer den Schengenraum nicht verlassen möchte, landet schnell bei Malta. Als deutscher oder österreichischer Staatsbürger brauchst du weder Visum noch Aufenthaltsgenehmigung, der Flug nach Hause dauert wenige Stunden, und die Verwaltung arbeitet auf Englisch. Steuerlich trägt das Modell den Non-Dom-Status: Wer auf Malta ansässig ist, dort aber nicht domiziliert, zahlt nur auf maltesische Einkünfte und auf tatsächlich nach Malta überwiesene Auslandseinkünfte. Ab 35.000 Euro ausländischen Einkünften fällt allerdings eine jährliche Mindeststeuer von 5.000 Euro an, auch ohne Überweisung. Wie das in der Praxis aussieht, erklärt der Leitfaden steuerfrei in Malta leben als Non-Dom.

Diese Systematik gibt es nicht nur auf Malta. Irland kennt sie ebenfalls, in Großbritannien wurde der Non-Dom-Status dagegen zum 6. April 2025 abgeschafft und durch ein Vierjahresmodell für Auslandseinkünfte ersetzt. Wie sich der Bestand seither entwickelt, zeigt unsere Auswertung zur Zahl der Non-Doms in Großbritannien. Zum Vergleich der Systeme lohnen die Folgen Als Non-Dom steuerfrei in UK, Irland, Malta und Zypern leben und Auswandern nach UK nach dem Brexit.

Fünf Prozent für Unternehmer, wenn die Struktur stimmt

Maltas Körperschaftsteuersatz beträgt 35 Prozent. Ausländische Gesellschafter erhalten nach der Gewinnausschüttung sechs Siebtel der gezahlten Steuer zurück, womit die effektive Belastung auf Handelsgewinne bei 5 Prozent landet. Malta hat die EU-Mindeststeuerrichtlinie umgesetzt, dabei aber die sechsjährige Aufschubmöglichkeit gezogen und bislang keine nationale Ergänzungssteuer eingeführt. Für Gruppen unterhalb der 750-Millionen-Schwelle bleibt das Erstattungssystem damit vollständig nutzbar. Die Mechanik erklärt der Beitrag zu 5 Prozent Steuern in Malta, den Ablauf beschreibt die Anleitung zur Firmengründung auf Malta, und die Vorteile einer maltesischen Gesellschaft sind dort ebenfalls aufgeschlüsselt. Wichtig ist die Geschäftsführung: Entweder du führst die Gesellschaft selbst vor Ort, was einen Wohnsitz auf Malta voraussetzt, oder du bestellst einen auf Malta ansässigen Geschäftsführer.

Für Angestellte ausländischer Arbeitgeber und Freelancer mit Auslandskunden gibt es das Nomad Residence Permit. Es verlangt ein Bruttojahreseinkommen von mindestens 42.000 Euro, wird für ein Jahr erteilt und ist verlängerbar; auf qualifizierende Einkünfte greift ein Satz von 10 Prozent. Die Bedingungen stehen bei der Residency Malta Agency, die Einordnung für Steuernomaden liefert der Beitrag zu Malta als Wohnsitz für digitale Nomaden. Wie Malta insgesamt als Wohnsitzland abschneidet, zeigt unser Profil zu Malta und dem Non-Dom-Status.

Die vier Alternativen im direkten Vergleich

  • Abu Dhabi passt, wenn dir das Setup der Emirate zusagt, du aber ruhiger wohnen und Lizenzkosten senken willst.
  • Kuala Lumpur passt, wenn Auslandseinkünfte dein Haupteinkommen sind und dir Lebensqualität pro Euro wichtiger ist als Prestige.
  • Bahrain passt, wenn du null Einkommensteuer willst, die Kostenspirale von Dubai aber nicht mitgehen möchtest.
  • Malta passt, wenn du in der EU bleiben, Freizügigkeit behalten und mit einer sauberen Gesellschaftsstruktur arbeiten willst.

Weitere Ziele, die den Dubai-Vergleich aushalten

Die Schweiz bleibt für viele die naheliegendste Wahl, weil Sprache, Rechtssicherheit und Nähe stimmen. Wie sich ein solcher Wechsel anfühlt, beschreibt der Erfahrungsbericht zum Wegzug in die Schweiz, praktische Punkte von der Wohnungssuche bis zur Krankenkasse sammelt der Beitrag Leben in der Schweiz als Deutscher. Der wichtigste Stolperstein heißt überdachende Besteuerung und ist in der Analyse zur überdachenden Besteuerung beim Umzug in die Schweiz erklärt. Für Ruheständler lohnt der Blick auf Rente und Steuern in der Schweiz.

Dublin ist die zweite europäische Option. Die Grundlagen zur Gründung findest du bei unserer Kanzlei St Matthew unter Limited in Irland und in der Podcastfolge Firma in Irland gründen, die auch die Hürden benennt. Das steuerliche Gesamtbild fasst unsere Seite zu Irland und dem Non-Dom-Status zusammen.

In Asien bleibt Singapur der Maßstab für Rechtssicherheit und Bankwesen, allerdings zu Preisen, die Dubai locker erreichen; Details zur Belastung stehen unter Steuern in Singapur. Günstiger und beliebter ist Thailand, wo es seit der Änderung der Remittance-Regeln auf genaues Timing ankommt; welche Aufenthaltstitel es gibt, zeigt unser Überblick zu Visa und Steuern in Thailand.

In Europa lohnen zwei weitere Blicke: Italien mit seinen Sonderregimes für Zuzügler, ausführlich unter Steuern sparen in Italien, und Rumänien, dessen niedrige Sätze im Profil Steuern in Rumänien aufgeschlüsselt sind. Wer weiter weg will, findet in den USA Chancen und Fallstricke zugleich; die Folge Auswandern in die USA und unsere Auswertung In diese US-Metropolen zieht es deutsche Auswanderer zeigen, wo Deutsche tatsächlich landen. Australien zieht seit Jahren besonders viele vermögende Zuwanderer an, und wer nach Lateinamerika schaut, findet im Ländervergleich von VidaLibrePlan zwölf Ziele im Detail. Für Krypto-Investoren ist die Übersicht Länder mit 0 Prozent Krypto-Steuer der schnellste Einstieg.

Vor dem Umzug: die Pflichtaufgaben

Kein Standort rettet dich vor einer schlecht vorbereiteten Abmeldung. Wer Deutschland verlässt, muss Wohnsitz und Lebensmittelpunkt sauber aufgeben, sonst bleibt die unbeschränkte Steuerpflicht bestehen. Rechne außerdem mit Rückfragen: Was das Finanzamt wissen will, erklärt die Folge zu den 16 Fragen des Finanzamts an Auswanderer. Die Reihenfolge der Schritte steht in unserer Checkliste für den Umzug ins Ausland, und wer noch schwankt, sortiert die Kriterien mit dem Beitrag Wohin auswandern: auf die richtigen Prioritäten kommt es an.

Für den Realitätscheck helfen Zahlen. Unsere Übersicht zu den Zahlen zu deutschen Auswanderern und die Auswertung Wohin Deutsche auswandern zeigen, wie groß die Bewegung wirklich ist. Wenn du deinen Arbeitsvertrag behalten willst, klärt der Leitfaden Für eine deutsche Firma im Ausland arbeiten die sozialversicherungsrechtliche Seite. Für den Transport findest du Anbieter im Vergleich Die 25 besten internationalen Umzugsunternehmen in Deutschland sowie in der Schweizer Variante Die 10 besten internationalen Umzugsunternehmen in der Schweiz. Wer ganz ohne festen Standort arbeitet, findet in der Folge Das Leben als digitaler Nomade die ehrliche Version dieses Lebensmodells. Und weil ein Umzug ohne funktionierendes Konto scheitert, kläre die Kontoeröffnung parallel zum Visum, etwa mit den Hinweisen von FreedomBanking.

Welche Alternative zu dir passt

Dubai bleibt ein guter Standort, aber es ist kein Selbstläufer mehr. Wenn dein Gewinn im Unternehmen entsteht, entscheidet die Struktur und nicht die Stadt: Free Zone in Abu Dhabi, maltesische Gesellschaft mit Erstattungssystem oder eine Betriebsstätte ganz woanders. Wenn dein Einkommen dagegen aus dem Ausland fließt und privat bei dir ankommt, sind Kuala Lumpur und Bahrain die kostengünstigeren Wege zum selben Ergebnis. Vergleiche deshalb immer drei Größen gleichzeitig: die effektive Steuerlast nach Ausschüttung, den Aufwand für Aufenthalt und Substanz sowie deine tatsächlichen Lebenshaltungskosten vor Ort.

Vertiefung findest du auf unseren Seiten Wohnsitz Ausland zum Wegzug, Auslandsunternehmen zur Firmengründung, Ruhestand im Ausland für Rentner und im Podcast Perspektive Ausland. Die steuerliche Umsetzung begleitet unsere Kanzlei St Matthew. Wenn du deine Variante konkret durchrechnen willst, buche ein Beratungsgespräch zu den Emiraten und ihren Alternativen und bring deine Zahlen mit.