Japan gehört zu den sichersten Ländern der Welt, und wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kommt, erlebt das sofort: verlorene Geldbörsen tauchen wieder auf, Kinder fahren allein mit der U-Bahn, und in Tokio kannst du nachts durch praktisch jeden Stadtteil laufen. Trotzdem ist die Sicherheit in Japan 2026 keine statische Größe. Die polizeilich erfassten Straftaten steigen seit vier Jahren in Folge, und die japanische Polizei benennt dafür eine neue Täterstruktur. Das ändert nichts am hohen Grundniveau, aber es lohnt, den Trend zu kennen.
Offizielle Lagebewertung
Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für Japan enthalten nur eine Teilreisewarnung, und zwar ausschließlich für die evakuierten Sperrzonen rund um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi im Nordosten von Honshu. Für das gesamte übrige Land gibt es keine Warnung. Auch das österreichische BMEIA stuft Japan als sicher ein. Demonstrationen und gewaltsame Auseinandersetzungen sind selten. Eine Einordnung, wo Japan im internationalen Vergleich landet, findest du in der Übersicht zu den sichersten Ländern der Welt nach dem Global Peace Index.
Der Kriminalitätstrend: was hinter den Zahlen steckt
Die japanische Polizeibehörde NPA meldet für das jüngste Berichtsjahr einen Anstieg der Festnahmen wegen Straftaten um 4,8 Prozent auf 301.055 Fälle. Als Treiber benennt die Behörde die sogenannten Tokuryū, anonyme und fluide Tätergruppen, die sich anders als die klassischen Yakuza nicht über feste Strukturen organisieren. 2025 wurden 12.178 Personen im Zusammenhang mit Tokuryū festgenommen, 2.073 mehr als im Jahr davor.
Diese Gruppen rekrutieren Ausführende über soziale Medien und Jobbörsen als sogenannte Yami Baito, wörtlich Dunkel-Jobs. Bewerber müssen Ausweisfotos und persönliche Daten hochladen, mit denen sie anschließend erpresst werden. Die Delikte reichen von Telefonbetrug an älteren Menschen bis zu Raubüberfällen auf Privatwohnungen. Parallel dazu ist die Zahl der Yakuza-Mitglieder 2025 auf einen historischen Tiefstand gefallen. Die organisierte Kriminalität verschwindet also nicht, sie strukturiert sich um.
Wie sehr das die Wahrnehmung verändert hat, zeigt eine NPA-Umfrage vom Oktober 2025 unter 5.000 Personen ab 15 Jahren: 79,7 Prozent gaben an, die öffentliche Sicherheit habe sich in den letzten zehn Jahren verschlechtert, 3,1 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Objektiv liegt Japan weiterhin weit unter westeuropäischem Kriminalitätsniveau. Subjektiv ist das Sicherheitsgefühl deutlich gesunken.
Als deutschsprachiger Zuwanderer bist du von Tokuryū-Delikten kaum betroffen, weil sich Telefonbetrug an japanischsprachige Senioren richtet. Relevant sind zwei andere Muster, die das Auswärtige Amt ausdrücklich nennt: Abzocke und K.-o.-Tropfen in den Vergnügungsvierteln Roppongi, Kabukichō, Shibuya und Ikebukuro. Typisch ist die Anwerbung auf der Straße, ein überteuerter Barbesuch, eine dreistellige Rechnung und im schlimmsten Fall eine Kreditkartenabbuchung, an die du dich nicht erinnerst. Lass Getränke nie unbeaufsichtigt und folge keinen Schleppern in Lokale ohne Preisaushang.
Naturgefahren: das dominierende Risiko
Japan ist nach Darstellung des Auswärtigen Amtes das erdbebenreichste Land der Erde mit rund 1.500 registrierten seismischen Ereignissen pro Jahr. Von 110 aktiven Vulkanen stehen 47 unter permanenter Überwachung. Dazu kommen Taifune im Spätsommer mit Überschwemmungen und Erdrutschen sowie schwere Schneestürme im westlichen Honshu und auf Hokkaido.
Die japanische Wetterbehörde Japan Meteorological Agency betreibt eines der besten Frühwarnsysteme weltweit. Erdbebenwarnungen erreichen dein Mobiltelefon Sekunden vor den Wellen. Genau diese Sekunden entscheiden. Was du vorbereiten solltest:
- Notfall-Apps mit englischen Warnmeldungen installieren und Cell Broadcast aktiviert lassen
- Die Evakuierungsstelle deines Stadtteils kennen, nicht erst im Ernstfall suchen
- Möbel und Regale an der Wand verankern, das ist in Japan üblich und wirksam
- Wasser und Lebensmittel für mindestens drei Tage vorhalten
- Beim Mietvertrag klären, ob das Gebäude nach dem Erdbebenstandard von 1981 oder später errichtet wurde
Für einen möglichen schweren Beben- und Tsunamifall entlang des Nankai-Trogs südlich von Honshu bestehen staatliche Vorsorgeszenarien. Das ist kein Grund, Japan zu meiden, aber ein Grund, die Lage deiner Wohnung zur Küste bewusst zu wählen.
Rechtssystem: streng und ungewohnt
Japan hat eine sehr niedrige Kriminalitätsrate und ein sehr strenges Strafsystem. Beides hängt zusammen. Für dich sind drei Punkte wichtig:
Drogendelikte werden mit sieben bis zehn Jahren Haft geahndet, auch bei kleinsten Mengen. Es gibt keine Bagatellgrenze und keine Nachsicht für Ausländer. Verschreibungspflichtige Medikamente mit Amphetamin- oder Codeinanteil sind teilweise verboten, selbst mit ärztlichem Attest.
Ausländer müssen selbst bei kleineren Straftaten mit bis zu 23 Tagen Polizeigewahrsam vor einer Anklage rechnen. In dieser Zeit ist der Zugang zu einem Anwalt eingeschränkt, und Verhöre finden regelmäßig ohne Dolmetscher statt.
Die Residence Card musst du ständig mitführen. Polizeikontrollen sind zulässig und kommen vor. Wer die Karte nicht dabei hat, riskiert ein Bußgeld und eine Aufnahme auf der Wache.
Notrufnummern und erste Schritte
- Polizei: 110
- Feuerwehr und Rettungsdienst: 119
- Japan Visitor Hotline für Notfälle mit Sprachbarriere: rund um die Uhr, mehrsprachig
- Krisenvorsorgeliste ELEFAND des Auswärtigen Amtes eintragen
Das Kōban-System der Polizeiposten an nahezu jeder größeren Kreuzung ist der praktischste Anlaufpunkt bei Fundsachen, Orientierungsproblemen und kleineren Vorfällen. Fundsachen werden in Japan tatsächlich abgegeben, und zwar in einem Ausmaß, das aus europäischer Sicht unglaubwürdig wirkt.
Wohnen, Arbeiten und Geld
Sicherheit hängt in Japan stark am Bezirk, aber nicht wegen Kriminalität, sondern wegen Bausubstanz und Fluchtwegen. Ältere Holzhäuser in dicht bebauten Vierteln sind im Brand- und Bebenfall problematischer als Neubauten. Wenn du kaufen statt mieten willst, findest du die Rahmenbedingungen im Leitfaden zum Immobilienkauf in Japan. Anders als in vielen Ländern gibt es für Ausländer keine Erwerbsbeschränkungen, dafür verlieren Bestandsgebäude schnell an Wert.
Zu Visa, Kosten und Alltagsfragen des Umzugs findest du eine ausführliche Übersicht im Beitrag Auswandern nach Japan. Wenn du im Ruhestand nach Japan willst, sind Rentenbezug und Krankenversicherung die kritischen Punkte, die Ruhestand im Ausland zu Japan aufschlüsselt. Die steuerliche Seite deines Wegzugs klärst du vorab im Beratungsgespräch zum Umzug nach Japan.
Regionale Unterschiede und Wohnlage
Innerhalb Japans gibt es kaum Regionen, die du aus Sicherheitsgründen meiden müsstest. Die Unterschiede liegen bei den Naturrisiken. Die Pazifikküste von Honshu und Shikoku ist stärker tsunamigefährdet als die Japanmeerseite, Hokkaido hat lange und schneereiche Winter mit Lawinen- und Dachlastproblemen, und Kyushu liegt in der Hauptzugbahn der Taifune. Innerhalb Tokios entscheiden Bodenbeschaffenheit und Baujahr über das Bebenrisiko: Aufgeschütteter Baugrund in den Buchtvierteln verhält sich bei Erschütterungen anders als der feste Untergrund im Westen der Stadt.
Die einzige Ausnahme im Land bleibt die evakuierte Zone um Fukushima Daiichi, für die die Teilreisewarnung gilt. Außerhalb dieser Sperrzonen sind die Strahlenwerte auf normalem Niveau.
Diskriminierung und Wohnungssuche
Japan ist sicher, aber nicht immer offen. Ein praktisches Problem für Zuzügler ist die Wohnungssuche: Vermieter lehnen ausländische Interessenten weiterhin regelmäßig ab, teils offen, teils über den Makler. Hinzu kommt das System der Schlüsselgeldzahlungen und die Notwendigkeit eines Bürgen, den Ausländer selten stellen können. Kalkuliere für den Einzug mit vier bis sechs Monatsmieten an Anfangskosten, bestehend aus Kaution, Schlüsselgeld, Maklerprovision und Vorauszahlung.
Ein japanisches Gesetz gegen Diskriminierung im Mietrecht existiert nicht. Praktisch hilft es, über auf Ausländer spezialisierte Agenturen zu suchen, eine Bürgschaftsgesellschaft einzuschalten und einen Arbeitsvertrag vorzulegen. Diskriminierung ist unangenehm, aber kein Sicherheitsrisiko.
Betrugsmaschen mit Ausländern als Ziel
- Anwerbung auf der Straße in Kabukichō und Roppongi mit anschließender Rechnung im vierstelligen Bereich
- Falsche Polizisten, die Ausweis und Brieftasche kontrollieren wollen; echte Beamte fordern niemals Bargeld
- Anrufe angeblicher Behörden, die eine Aufenthaltsgebühr oder eine Nachzahlung verlangen
- Gefälschte Mietangebote auf internationalen Portalen mit Vorauszahlung vor Besichtigung
Taifune und Starkregen
Die Taifunsaison läuft schwerpunktmäßig von Juli bis Oktober. Die direkten Windschäden sind meist beherrschbar, gefährlich ist der Starkregen: Hangrutschungen und Flussüberschwemmungen haben in den vergangenen Jahren wiederholt Todesopfer gefordert. Die Gemeinden veröffentlichen Gefahrenkarten, die sogenannten Hazard Maps, für Überschwemmung, Hangrutsch und Tsunami. Prüfe die Hazard Map deines Bezirks, bevor du einen Mietvertrag unterschreibst, sie ist kostenlos online abrufbar und aussagekräftiger als jede Maklerauskunft.
Aufenthalt, Versicherung und Behörden
Wer länger als 90 Tage bleibt, braucht ein Aufenthaltsvisum und erhält eine Residence Card. Die Anmeldung erfolgt beim Rathaus des Wohnbezirks, dort läuft auch der Beitritt zur nationalen Krankenversicherung und zur Rentenversicherung, der für Einwohner verpflichtend ist. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt 70 Prozent der Kosten, der Rest bleibt Eigenanteil mit einer Härtefallgrenze.
Ein Punkt, der viele überrascht: Japan hat mit dem Highly Skilled Professional-System ein Punktesystem, das bei hoher Punktzahl den Weg zur unbefristeten Niederlassung erheblich verkürzt. Wer beruflich qualifiziert ist, sollte das vor der Visumswahl prüfen, weil sich daraus später Planungssicherheit ergibt.
Wie sicher ist Japan wirklich für dich
Japan bleibt eines der wenigen Länder, in denen persönliche Sicherheit für Zuwanderer kein Planungsthema ist. Der Kriminalitätsanstieg ist real, betrifft dich aber fast ausschließlich indirekt. Deine tatsächlichen Risiken heißen Erdbeben, Taifun und ein Strafrecht, das keine Milde kennt. Wer sich auf Naturgefahren vorbereitet und die Rechtslage ernst nimmt, lebt in Japan sicherer als in praktisch jedem europäischen Ballungsraum.






