Ein Umzug nach Russland ist 2026 kein gewöhnliches Auswanderungsprojekt. Das Auswärtige Amt rät in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen von Reisen nach Russland ab, Direktflüge aus der EU gibt es nicht, und westliche Versicherer haben ihre Leistungen für Russland vielfach eingeschränkt. Wer trotzdem geht, etwa wegen Familie, Partnerschaft oder eines bestehenden Engagements, muss seinen Versicherungsschutz deshalb besonders sorgfältig bauen. Schon für das Visum verlangen die russischen Behörden eine Krankenversicherung mit mindestens 30.000 Euro Deckungssumme, die für Russland gültig ist und den gesamten Aufenthalt abdeckt.

Dieser Leitfaden erklärt dir, wie das russische System aus staatlicher OMS und freiwilliger DMS funktioniert, was Auswanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beachten müssen und welche Versicherungen Expats zusätzlich brauchen.

OMS und DMS: Das russische Versicherungssystem verstehen

Russland kennt zwei Ebenen der Krankenversicherung. Die OMS (obligatorische Medizinversicherung) ist die staatliche Grundabsicherung: Sie finanziert die Behandlung in staatlichen Polikliniken und Krankenhäusern. Die DMS (freiwillige Medizinversicherung) ist eine private Zusatzpolice, über die du Zugang zu besseren Privatkliniken bekommst, in Moskau und St. Petersburg teilweise auf westlichem Niveau.

Als Ausländer mit Visum hast du keinen Zugang zur OMS. Erst mit einem Aufenthaltstitel ändert sich das: Wer eine befristete Aufenthaltserlaubnis (RVP) oder die unbefristete Niederlassungserlaubnis (WNZh) besitzt, wird in die staatliche Versicherung aufgenommen. Regulär angestellte Ausländer sind über ihren Arbeitgeber seit 2023 ebenfalls OMS-versichert; nur für hochqualifizierte Spezialisten mit Sonderstatus (VKS) muss der Arbeitgeber weiterhin eine DMS-Police stellen, sie ist Voraussetzung für die Arbeitserlaubnis.

Verlass dich trotzdem nicht allein auf die OMS. Die Grundversorgung ist regional sehr unterschiedlich, moderne Diagnostik und englisch- oder deutschsprachige Ärzte findest du fast nur in Privatkliniken. Die bewährte Formel für Expats lautet: OMS als Basis, DMS oder internationale Police für alles Ernsthafte.

Preislich bewegen sich DMS-Pakete je nach Kliniknetz, Alter und Leistungsumfang von wenigen hundert bis weit über tausend Euro im Jahr; Arbeitgeber übernehmen sie für Fachkräfte häufig als Teil des Vertragspakets. Verhandle das aktiv mit, ein gutes DMS-Paket mit Zugang zu den internationalen Kliniken Moskaus ist mehr wert als so mancher Gehaltsbestandteil.

Die Visumspolice: 30.000 Euro Mindestdeckung

Für die Einreise brauchst du eine Auslandskrankenversicherung, die ausdrücklich für Russland gilt, mindestens 30.000 Euro Deckung bietet und auch die Rückführung im Todesfall einschließt. Prüfe vor Abschluss genau das Kleingedruckte: Etliche europäische Reiseversicherer haben Russland seit 2022 aus dem Geltungsbereich gestrichen oder leisten nur eingeschränkt. Spezialisierte Anbieter für Expat-Versicherungen und Tarife wie PassportCard arbeiten mit Direktabrechnung ohne Vorkasse, das ist in Russland Gold wert, weil Kliniken von Ausländern sonst Vorauszahlung verlangen.

Sozialfonds, Rente und das fehlende Abkommen

Seit der Fusion von Renten- und Sozialversicherungsfonds zum Sozialfonds Russlands zahlen Arbeitgeber einen einheitlichen Beitrag von 30 Prozent des Bruttolohns (oberhalb der Bemessungsgrenze 15,1 Prozent). Als Arbeitnehmer zahlst du selbst nichts direkt, mit einem regulären Arbeitsvertrag bist du in Rente, Kranken- und Unfallversicherung eingeschlossen.

Der entscheidende Haken für deine Altersvorsorge: Zwischen Deutschland und Russland besteht kein Sozialversicherungsabkommen. Deine russischen Beitragsjahre werden später nicht mit deutschen Zeiten zusammengerechnet, und umgekehrt. Deine bereits erworbenen deutschen Rentenansprüche verfallen zwar nicht, aber es entstehen zwei getrennte Welten. Vor dem Wegzug solltest du deshalb dein Rentenkonto klären, eine freiwillige Weiterversicherung in der Deutschen Rentenversicherung prüfen und dir die spätere Zahlbarkeit der Rente nach Russland bestätigen lassen; Überweisungen sind durch die Sanktionslage praktisch erschwert.

GKV-Ausstieg und Anwartschaft: Halte dir den Rückweg offen

Mit der Wohnsitzabmeldung endet deine gesetzliche Krankenversicherung, und anders als bei EU-Zielen gibt es bei einer Rückkehr aus Russland keine europäische Anrechnung von Versicherungszeiten. Umso wichtiger ist eine Anwartschaftsversicherung: Für einen kleinen Monatsbeitrag friert sie dein Rückkehrrecht in GKV oder PKV ein, ohne erneute Gesundheitsprüfung. Privatversicherte sollten die große Anwartschaft mit Fortführung der Altersrückstellungen rechnen, gerade bei mehrjährigen Aufenthalten zahlt sie sich aus.

Auch die Pflegeversicherung endet mit dem GKV-Austritt. Eine private Pflegezusatzpolice mit weltweiter Geltung schließt die Lücke, und zwar idealerweise so, dass sie sowohl in Russland als auch nach einer Rückkehr leistet.

Diese Policen gehören in dein Russland-Paket

  • Internationale Krankenversicherung mit ausdrücklicher Russland-Geltung, Rücktransport und Direktabrechnung: das Fundament. Für digitale Nomaden und Selbstständige erklärt unsere Kanzlei St Matthew im Beitrag zur Auslandskrankenversicherung für digitale Nomaden, worauf es vertraglich ankommt.

  • Haftpflichtversicherung: In Russland kaum standardisiert, deine europäische Police gilt dort oft nicht mehr. Internationale Expat-Tarife schließen Russland teils ein, teils aus, das musst du vor Abschluss schriftlich klären.

  • Kfz-Versicherung OSAGO: die gesetzliche Kfz-Haftpflicht, Pflicht für jedes in Russland zugelassene Fahrzeug. Die Deckungssummen sind niedrig, eine freiwillige Kaskoversicherung (KASKO) ist bei neueren Fahrzeugen üblich.

  • Hausrat- und Unfallversicherung: über russische Versicherer wie lokale Marktführer abschließbar, aber achte auf Rubel-Deckungssummen: Bei der hohen Inflation verlieren sie real an Wert, Policen mit Anpassungsklausel oder Euro-Bezug sind vorzuziehen.

Geld, Sanktionen und die praktische Abwicklung

Selbst die beste Police nützt nur, wenn die Zahlungswege funktionieren. Westliche Karten funktionieren in Russland nicht, Überweisungen zwischen EU und Russland sind stark eingeschränkt. Kläre mit deinem Versicherer, wie Erstattungen ausgezahlt werden, und halte Rücklagen in beiden Währungsräumen. Konsularische Hilfe ist eingeschränkt, die aktuellen Rahmenbedingungen findest du auf der Länderseite des Auswärtigen Amts zur Russischen Föderation.

Auch die Medikamentenversorgung gehört auf den Prüfstand: Westliche Originalpräparate sind seit 2022 teils durch Parallelimporte oder russische Generika ersetzt, chronisch Kranke sollten die Verfügbarkeit ihrer Wirkstoffe vor dem Umzug klären und Übergangsvorräte legal einführen. Halte außerdem alle Policen, Rechnungen und Arztberichte zweisprachig und digital vor, das beschleunigt Erstattungen bei internationalen Versicherern erheblich.

Für Selbstständige gilt zusätzlich: Ohne Sozialabkommen musst du deine Absicherung komplett privat organisieren, die russische Selbstständigen-Registrierung deckt nur Minimalleistungen ab. Berufshaftpflicht für geschäftliche Tätigkeiten besorgst du am besten über einen auf internationale Risiken spezialisierten Makler.

Kurzaufenthalte, Studium und Familie

Für Geschäftsreisen und Besuche vor dem eigentlichen Umzug genügen Reisetarife, die es schon für unter einem Euro pro Tag gibt. Entscheidend ist auch hier die ausdrückliche Russland-Geltung und eine Sofortbestätigung für den Visumantrag, die seriöse Anbieter online ausstellen. Solche Policen laufen einige Tage bis mehrere Monate und ersetzen keine Dauerlösung, taugen aber gut für die Orientierungsphase.

Für ein Studium in Russland brauchst du eine Einladung der Hochschule und ein Studienvisum, auch hier ist der Versicherungsnachweis Teil des Antrags. Eine Studentenpolice sollte ambulante und stationäre Behandlung, Medikamente, Unfallschutz und den Rücktransport einschließen und über die gesamte Studiendauer verlängerbar sein. Familien sollten Kinder und nicht erwerbstätige Partner explizit in die internationale Police aufnehmen, eine automatische Familienmitversicherung wie in der deutschen GKV kennt das russische System für Ausländer nicht.

Unternehmer strukturieren ihre Absicherung über die Firma: Die Gründung einer russischen Kapitalgesellschaft (OOO) begrenzt die persönliche Haftung, und als Arbeitgeber meldest du Mitarbeiter beim Sozialfonds an und führst die Beiträge ab. Entsandte Mitarbeiter deutscher Unternehmen bleiben mangels Abkommen sinnvollerweise parallel im deutschen System, das muss vor Antritt der Tätigkeit mit Krankenkasse und Rentenversicherung geklärt werden. Für Berufshaftpflicht und Betriebsrisiken führt der Weg über spezialisierte internationale Makler, denn der russische Markt ist für Ausländer kaum transparent.

Was du vor dem Umzug nach Russland klären solltest

Erstens: Visumspolice mit 30.000 Euro Deckung und Russland-Geltung abschließen, bevor du den Visumantrag stellst. Zweitens: Anwartschaft in der deutschen Kranken- und gegebenenfalls Pflegeversicherung sichern, denn der Rückweg ist ohne sie teuer. Drittens: Rentenkonto klären und freiwillige Weiterversicherung prüfen, weil kein Sozialabkommen existiert. Viertens: Zahlungswege für Prämien und Erstattungen testen, bevor der Ernstfall eintritt.

Wenn du deinen Wegzug steuerlich und sozialversicherungsrechtlich sauber aufsetzen willst, inklusive der Frage, was mit GKV, Rente und Vermögen passiert, dann buche ein Beratungsgespräch zu Wegzug und Wohnsitzverlagerung. Gerade bei einem Ziel wie Russland ist der Plan B mindestens so wichtig wie der Plan A.