Englischsprachig, EU-Mitglied, Heimat der Europazentralen von Google, Apple und Pfizer: Irland zieht Fachkräfte und Unternehmer magnetisch an. Die Einreise nach Irland ist für Deutsche völlig unkompliziert, und anders als fast überall in Europa gibt es für EU-Bürger nicht einmal eine Anmeldepflicht. Spannend wird es beim Arbeitsmarkt, beim Wohnungsmarkt und für Drittstaatler bei der Registrierung. Hier ist der komplette Überblick, weitere Länder findest du in unserer Übersicht zu Einreise, Visa und Aufenthalt.

Einreise für EU-Bürger: Ausweis genügt, keine Meldepflicht

Als deutscher Staatsangehöriger reist du mit gültigem Personalausweis oder Reisepass ein und darfst dank EU-Freizügigkeit unbegrenzt bleiben, arbeiten und studieren. Die irische Besonderheit: Es gibt keine Einwohnermeldepflicht, du musst dich also nirgendwo registrieren, wenn du dich niederlässt. Dein faktischer Wohnsitz ergibt sich aus Mietvertrag, Job und Alltag. Aktuelle Reisehinweise findest du beim Auswärtigen Amt.

Beachte: Irland ist kein Schengen-Mitglied und betreibt eine eigenständige Visapolitik. Bei der Ankunft aus Kontinentaleuropa gibt es deshalb eine Passkontrolle. Die künftige EU-Reisegenehmigung ETIAS gilt für Irland nicht, sie betrifft nur den Schengen-Raum.

Statt einer Anmeldung brauchst du die PPS Number (Personal Public Service Number), Irlands Sozial- und Steuernummer. Ohne sie kein Job, keine Steuerveranlagung, kein Zugang zu staatlichen Leistungen. Du beantragst sie beim Department of Social Protection mit Ausweis, Adressnachweis und Begründung (etwa Arbeitsvertrag). Die Wartezeit auf Termine kann mehrere Wochen betragen, kümmere dich also früh darum.

Common Travel Area: die Sonderbeziehung zu UK

Irland und das Vereinigte Königreich bilden die Common Travel Area (CTA): Iren und Briten dürfen im jeweils anderen Land ohne Visum leben und arbeiten, unabhängig vom Brexit. Für dich als Deutscher gilt das nicht, du profitierst aber von der offenen Landgrenze zu Nordirland, an der es keine Kontrollen gibt. Wie sich das britische Einwanderungsrecht seit dem EU-Austritt entwickelt hat, liest du in unserem Beitrag zu Visa und britischem Einwanderungsrecht nach dem Brexit.

Drittstaatler: IRP-Registrierung und Stamps

Nicht-EU-Bürger, die länger als 90 Tage bleiben, müssen ihre Aufenthaltserlaubnis registrieren und erhalten die Irish Residence Permit (IRP). Die Registrierungsgebühr beträgt 300 Euro pro Person. Der Status wird über sogenannte Stamps abgebildet: Stamp 1 für Inhaber einer Arbeitserlaubnis, Stamp 2 für Studenten, Stamp 3 für Angehörige ohne Arbeitsrecht, Stamp 4 für freies Arbeiten ohne separates Permit. Details und Verfahren erklärt das staatliche Portal Citizens Information.

Arbeitserlaubnisse: die Schwellen steigen

Irland steuert Arbeitsmigration über Employment Permits. Ab dem 1. März 2026 steigen die Mindestgehälter spürbar: Das General Employment Permit klettert von 34.000 auf 36.605 Euro, das Critical Skills Employment Permit für Engpassberufe von 38.000 auf 40.904 Euro (mit einschlägigem Abschluss), weitere Stufen folgen bis 2030. Wer einen Umzug plant, sollte Verträge also an den neuen Schwellen ausrichten.

Wohnen und Gesundheit: die Praxisseite

Der Engpass Nummer eins ist der Wohnungsmarkt: In Dublin, Cork und Galway übersteigt die Nachfrage das Angebot seit Jahren, Besichtigungstermine gleichen Castings. Preisniveaus, Vertragsdetails und Taktiken für die Suche findest du im Guide zum Wohnungsmieten in Irland. Beim Gesundheitssystem solltest du wissen, dass Irland kein deutsches Kassensystem kennt: Öffentliche Versorgung über den HSE ist teils kostenpflichtig, viele Expats ergänzen privat. Einen Vergleich bietet unser Guide zur medizinischen Versorgung in UK, dessen NHS-System oft als Referenz dient.

Steuern: attraktiv für Firmen, fordernd für Gutverdiener

Irlands berühmte 12,5 Prozent Körperschaftsteuer machen das Land zum Magneten für Unternehmen, bei der Einkommensteuer greift dagegen schnell der Spitzensatz von 40 Prozent plus Abgaben. Interessant für Zuzügler: Die Remittance Basis erlaubt es Nicht-Domizilierten, ausländische Kapitaleinkünfte nur bei Überweisung nach Irland zu versteuern. Alle Sätze, Freibeträge und Gestaltungen findest du in unserer Leitquelle steueratlas.info.

Nach der Ankunft: Konto, Arzt, Führerschein

Ohne Meldebescheinigung läuft die Bürokratie in Irland über Adressnachweise: Kontoauszüge, Versorgerrechnungen oder der Mietvertrag ersetzen das deutsche Meldeamt. Genau daran hängt auch das Bankkonto, die klassischen Banken verlangen Adressnachweis plus PPS-Nummer oder Arbeitgeberbrief. Beim Gesundheitssystem registrierst du dich bei einem Hausarzt (GP) deiner Wahl, Termine sind privat zu zahlen, sofern du keine Medical Card oder GP Visit Card bekommst. Der deutsche EU-Führerschein gilt unbegrenzt weiter, du kannst ihn freiwillig umtauschen.

Für die Jobsuche gilt: Der irische Arbeitsmarkt ist klein, aber international, die großen Tech- und Pharma-Arbeitgeber rekrutieren laufend auch auf Deutsch. Gehälter liegen über deutschem Niveau, werden aber von Mieten und Kinderbetreuungskosten teils wieder aufgefressen, gerade in Dublin. Wer remote für deutsche Auftraggeber arbeitet, sollte die steuerliche Ansässigkeit sauber klären, denn Irland besteuert nach Ansässigkeit und Domizil.

Häufige Fragen zu Irland

Wie lange kann ich als EU-Bürger bleiben? Unbegrenzt, nach drei Monaten verlangt das EU-Recht formal Arbeit, Studium oder ausreichende Mittel, kontrolliert wird das im Alltag nicht. Können Familienangehörige aus Drittstaaten mitkommen? Ja, über die EU-Freizügigkeitsrichtlinie erhalten sie eine Aufenthaltskarte, der Antrag läuft über das Immigration Service Delivery. Führt Irland zur Staatsbürgerschaft? Nach fünf Jahren rechtmäßigen Aufenthalts innerhalb der letzten neun Jahre kannst du die Einbürgerung beantragen, Doppelstaatsbürgerschaft ist erlaubt. Zählt Zeit in Nordirland mit? Nein, Nordirland gehört zum Vereinigten Königreich, für irische Zwecke zählt nur die Zeit in der Republik. Und das Klima? Mild, feucht, wechselhaft, unterschätze den Faktor nicht, er ist der häufigste Rückkehrgrund deutscher Auswanderer.

Jobmarkt und Wirtschaft: wo die Chancen liegen

Irlands Arbeitsmarkt wird von den internationalen Konzernen geprägt: Tech in Dublin, Pharma und Medizintechnik in Cork und Galway, Finanzdienstleistungen im Dubliner IFSC. Deutschsprachige Fachkräfte sind gefragt, viele Konzerne betreuen ihre Kunden im deutschsprachigen Raum aus Irland heraus, entsprechend häufig tauchen Stellen mit Deutsch als Anforderung auf. Die Gehälter liegen über deutschem Niveau, allerdings fressen Mieten und Kinderbetreuung einen großen Teil des Vorsprungs wieder auf. Wer flexibel beim Wohnort ist, findet in Limerick, Waterford oder den Pendlergürteln deutlich bessere Rechnungen als im Zentrum Dublins.

Zwei Fehler solltest du vermeiden: Erstens den Umzug ohne gesicherte Wohnung, denn der Mietmarkt verzeiht keine Improvisation, Zusagen ohne Besichtigung sind zudem ein beliebtes Betrugsfeld. Zweitens die steuerliche Schwebe, wenn Einkünfte aus Deutschland weiterlaufen: Das Doppelbesteuerungsabkommen löst die meisten Fälle, aber nur, wenn Ansässigkeit und Quellen sauber sortiert sind. Dann allerdings bietet Irland als englischsprachiges EU-Land mit starker Wirtschaft eine Kombination, die es sonst nirgends in Europa gibt.

Schule, Studium und Ausbildung

Für Familien ist Irland unkompliziert: Die staatlichen Schulen sind kostenlos, dein Kind wird unabhängig vom Zuzugszeitpunkt aufgenommen, und Irisch als Pflichtfach lässt sich für zugezogene Kinder meist abwählen. Beliebte Schulen führen allerdings Wartelisten, melde dich deshalb früh an. Beim Studium profitieren EU-Bürger vom Free-Fees-System: Die Studiengebühren übernimmt unter Voraussetzungen der Staat, es bleibt die jährliche Studentenabgabe von bis zu 3.000 Euro. Irische Abschlüsse sind international angesehen, Trinity College und die UCD ziehen Studierende aus aller Welt an, entsprechend knapp und teuer ist studentischer Wohnraum in Dublin. Auch die Berufsausbildung läuft anders als in Deutschland, stärker über Colleges und Apprenticeship-Programme mit wachsendem Angebot.

Noch ein organisatorischer Hinweis: Beantrage die PPS-Nummer erst, wenn du einen konkreten Anlass wie Arbeitsvertrag oder Sozialleistung nachweisen kannst, denn ohne Anlass lehnt die Behörde ab. Als Nachweise akzeptiert werden Reisepass, Mietvertrag oder Versorgerrechnung sowie das Schreiben des Arbeitgebers. Viele Neuankömmlinge überbrücken die Wartezeit mit dem Jobstart, der Arbeitgeber führt die Steuer dann zunächst im Notfalltarif ab, der später erstattet wird.

So planst du deinen Start in Irland

Als EU-Bürger ist dein Ablauf kurz: einreisen, Wohnung sichern (der schwierigste Teil), PPS-Nummer beantragen, Job antreten. Drittstaatler klären zuerst Employment Permit oder Visum und budgetieren die 300 Euro IRP-Gebühr ein. Steuerlich lohnt Irland vor allem mit Struktur: Remittance Basis, Firmenkonstruktionen und das Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland wollen aufeinander abgestimmt sein. Genau das klären wir mit dir im Beratungsgespräch zu Irland, bevor du den Umzug festzurrst.