Seit dem Brexit ist das Vereinigte Königreich für Deutsche ein Drittland, und das merkt man bei jeder Reise: Die Einreise nach UK verlangt inzwischen eine elektronische Reisegenehmigung, der Personalausweis reicht nicht mehr, und wer arbeiten will, braucht ein Visum mit ordentlichem Gehaltsnachweis. Gleichzeitig hat Großbritannien sein System komplett digitalisiert. Hier bekommst du den vollständigen Überblick für 2026, alle Hintergründe zum Systemwechsel liefert unser Beitrag zu Visa und britischem Einwanderungsrecht nach dem Brexit. Andere Länder vergleichst du in der Übersicht zu Einreise, Visa und Aufenthalt.
ETA: die Pflicht vor jeder Reise
Seit April 2025 brauchen auch EU-Bürger für die Einreise eine Electronic Travel Authorisation (ETA). Sie kostet inzwischen 20 Pfund (Erhöhung zum 8. April 2026), gilt zwei Jahre für beliebig viele Einreisen und erlaubt Aufenthalte von jeweils bis zu sechs Monaten, etwa für Tourismus, Verwandtenbesuche oder Geschäftstermine. Beantragt wird sie in wenigen Minuten per App oder über das offizielle Portal gov.uk, jede Person braucht eine eigene ETA, auch Babys. Wichtig: Die ETA ist keine Einreisegarantie, die Entscheidung trifft die Border Force. Und du brauchst zwingend einen Reisepass, der deutsche Personalausweis wird seit Oktober 2021 nicht mehr akzeptiert. Aktuelle Hinweise findest du auch beim Auswärtigen Amt.
Arbeiten ist mit der ETA nicht erlaubt, auch Remote-Arbeit für britische Auftraggeber bewegt sich in einer Grauzone, die du meiden solltest. Wer die sechs Monate überzieht, riskiert Einreisesperren und Probleme bei allen künftigen Anträgen.
eVisa: das Ende der Plastikkarten
Großbritannien hat physische Aufenthaltsdokumente abgeschafft. Die Biometric Residence Permits (BRP) liefen Ende 2024 aus, seitdem ist dein Aufenthaltsstatus ein eVisa: ein Online-Nachweis, den du über dein UKVI-Konto verwaltest und bei Bedarf per Share-Code mit Arbeitgebern oder Vermietern teilst. Bis Ende 2026 sollen auch die letzten Vignetten-Aufkleber verschwinden. Prüfe vor jeder Reise, dass dein aktueller Reisepass mit dem UKVI-Konto verknüpft ist, sonst drohen Verzögerungen beim Boarding.
Arbeiten in UK: das Skilled-Worker-Visum
Der Hauptweg für Fachkräfte ist das Skilled-Worker-Visum mit einem lizenzierten Arbeitgeber als Sponsor. Die Anforderungen sind zuletzt deutlich gestiegen:
- Jobangebot auf Hochschulniveau (RQF 6) von einem Sponsor mit Lizenz
- Gehalt von mindestens 41.700 Pfund pro Jahr oder dem branchenspezifischen Satz, je nachdem, welcher höher ist; für Gesundheitsberufe und Berufseinsteiger gelten niedrigere Schwellen
- Englischnachweis und Finanzpolster
Die Antragsgebühren liegen seit dem 8. April 2026 bei 819 Pfund (bis drei Jahre, Antrag aus dem Ausland) beziehungsweise 1.618 Pfund für längere Laufzeiten. Dazu kommt die Immigration Health Surcharge von 1.035 Pfund pro Jahr für den Zugang zum NHS, von der Health-and-Care-Visa ausgenommen sind. Eine vierköpfige Familie sollte für fünf Jahre realistisch mit fünfstelligen Gesamtkosten rechnen.
Daneben existieren das Global-Talent-Visum für Spitzenkräfte, das Innovator-Founder-Visum für Gründer mit gebilligtem Geschäftsplan, Studenten- und Graduate-Visa sowie Familienrouten. Ein Investorenvisum nach altem Muster gibt es nicht mehr. Welche Route zu welchem Profil passt, hängt stark vom Einzelfall ab, unsere Kanzlei St Matthew begleitet Mandanten seit 2006 von London aus bei UK-Themen.
Altfälle: der EU Settlement Scheme
Warst du bereits vor dem 31. Dezember 2020 in Großbritannien ansässig, sichert dir der EU Settlement Scheme deinen Status: Settled Status nach fünf Jahren Aufenthalt, Pre-Settled Status davor, inzwischen mit automatischer Verlängerung. Der Status ist ebenfalls nur noch digital als eVisa hinterlegt. Wer ihn hat, reist mit Reisepass und eVisa ein und braucht keine ETA-Logik zu beachten, sollte aber Abwesenheitszeiten im Blick behalten, um den Status nicht zu verlieren.
Steuern: Non-Dom ist Geschichte
Auch steuerlich hat sich UK neu sortiert: Das traditionsreiche Non-Dom-Regime wurde 2025 abgeschafft und durch ein zeitlich begrenztes Zuzugsregime für ausländische Einkünfte ersetzt. Was das für Zuzügler, Unternehmer und Rückkehrer bedeutet, mit welchen Sätzen du rechnen musst und wie das Zusammenspiel mit dem deutschen Steuerrecht aussieht, findest du in unserer Leitquelle steueratlas.info. Gerade beim Umzug mit Kapitalvermögen oder Firmenanteilen entscheidet das Timing über viel Geld.
Kostenrealität: was ein UK-Umzug wirklich kostet
Rechne die Gesamtkosten durch, bevor du dich festlegst. Ein Beispiel für eine Fachkraft mit Partner und einem Kind auf fünf Jahre Skilled-Worker-Route: dreimal Visagebühr für die lange Laufzeit, dazu die Health Surcharge für drei Personen über fünf Jahre, macht allein hier deutlich über 20.000 Pfund, bevor Umzug, Kaution und Londoner Mieten überhaupt anfangen. Nach fünf Jahren kommt für die unbefristete Niederlassungserlaubnis (Indefinite Leave to Remain) derzeit eine Gebühr von rund 2.885 Pfund pro Person hinzu. Arbeitgeber übernehmen einen Teil dieser Kosten häufig, verhandle das aktiv in dein Paket.
Zur Wahrheit gehört auch: Die Regierung diskutiert laufend Verschärfungen, von längeren Wartezeiten bis zur Niederlassung bis zu höheren Sprachanforderungen. Verlasse dich deshalb nie auf den Rechtsstand vom Hörensagen, sondern prüfe vor jedem Schritt die aktuellen Regeln.
Häufige Fragen zur UK-Einreise
Reicht mein Personalausweis wenigstens für den Transit? Nein, ohne Reisepass geht seit 2021 grundsätzlich nichts mehr, Ausnahmen gelten nur für bestimmte Statusinhaber wie EU-Settlement-Berechtigte. Brauche ich die ETA auch für einen Kurztrip nach Schottland oder Nordirland? Ja, sie gilt für das gesamte Vereinigte Königreich. Kann ich mit der ETA ein Praktikum machen? Nein, jede Form von Beschäftigung braucht ein Visum. Wie lange dauert die ETA-Erteilung? Meist Minuten bis wenige Stunden, offiziell solltest du drei Arbeitstage einplanen. Was ist mit dem Studium? Kurse bis sechs Monate gehen als Besucher, alles darüber läuft über das Studentenvisum mit Finanzierungsnachweis. Und Doppelbesteuerung? Zwischen Deutschland und UK regelt das Abkommen die Aufteilung, entscheidend ist der Ansässigkeitswechsel zum richtigen Stichtag.
Sonderfälle: Selbstständige, Studenten, Grenzfälle
Eine Lücke im System solltest du kennen: Für klassische Selbstständige ohne Arbeitgeber gibt es keine allgemeine Route mehr. Das Skilled-Worker-Visum setzt einen Sponsor voraus, das Innovator-Founder-Visum verlangt ein innovatives, skalierbares Geschäftsmodell mit Zustimmung einer Prüforganisation, das klassische Freelancer-Dasein in London lässt sich damit nicht abbilden. Wer als Berater für britische Kunden arbeiten will, macht das rechtssicher nur aus dem Ausland heraus oder über eine Anstellung.
Studenten brauchen für Kurse über sechs Monate das Studentenvisum mit Finanzierungsnachweis, danach öffnet die Graduate Route ein Zeitfenster für Berufserfahrung ohne Sponsor. Für Nordirland gilt das UK-Einwanderungsrecht ebenso, die offene Landgrenze zur Republik Irland ändert daran nichts, auch wenn dort niemand kontrolliert. Und wer schon vor dem Brexit regelmäßig in UK gearbeitet hat, sollte prüfen, ob ihm noch Rechte aus dem Austrittsabkommen zustehen, etwa als Grenzgänger mit Frontier Worker Permit.
Familienvisa: die unterschätzte Hürde
Wer einen britischen Partner hat, unterschätzt die Familienroute regelmäßig: Das Partnervisum verlangt vom in UK lebenden Sponsor ein Mindesteinkommen von aktuell 29.000 Pfund pro Jahr, dazu kommen Visagebühren und Health Surcharge über den gesamten Weg bis zur Niederlassung, der sich über Jahre streckt. Ersparnisse können fehlendes Einkommen ersetzen, allerdings erst ab erheblichen Beträgen. Auch Kinder brauchen eigene Anträge, und die Familienroute führt erst nach fünf Jahren zur unbefristeten Niederlassung. Plane diese Kosten und Fristen als Familie realistisch ein, bevor der Umzug emotional beschlossen ist, und halte Nachweise über Beziehung und Finanzen lückenlos vor, denn das Home Office prüft formalistisch.
Für reine Besucher gilt ergänzend: Die Border Force registriert jede Ein- und Ausreise elektronisch, und wer die Sechs-Monats-Regel wiederholt bis zum Anschlag ausreizt, muss mit Befragungen und im Extremfall mit der Zurückweisung rechnen. Ein nachvollziehbarer Lebensmittelpunkt außerhalb des Landes ist das beste Argument am Schalter.
Dein nächster Schritt Richtung UK
Für Besuche gilt: Reisepass plus ETA für 20 Pfund, maximal sechs Monate pro Aufenthalt, kein Arbeiten. Für den Umzug gilt: Ohne Sponsor oder besondere Qualifikation führt kaum ein Weg hinein, und die Kosten aus Visagebühren und Health Surcharge summieren sich schnell. Kläre deshalb vor dem Umzugsentschluss Route, Budget und Steuerfolgen in einem Rutsch. Im Beratungsgespräch zu Großbritannien bekommst du eine realistische Einschätzung, welche Route für dich funktioniert und wie du den Wegzug aus Deutschland sauber gestaltest.

