Die Einreise nach Paraguay gehört zu den unkompliziertesten in ganz Südamerika: Als Deutscher, Österreicher oder Schweizer kommst du 90 Tage visumfrei ins Land, und wer bleiben will, findet mit der Residencia einen der am leichtesten erreichbaren Aufenthaltstitel weltweit. Genau das macht Paraguay seit Jahren zu einem Magneten für Auswanderer, Perpetual Traveler und Unternehmer. Damit dein Plan aufgeht, solltest du allerdings die Fristen, die Behördenwege und vor allem die neuen Regeln kennen, die seit Anfang 2026 für die permanente Aufenthaltserlaubnis gelten.
Visumfreie Einreise: 90 Tage ohne Antrag
Für touristische Aufenthalte brauchst du kein Visum. Bei der Ankunft genügt ein Reisepass, der noch mindestens sechs Monate über die Einreise hinaus gültig ist. Der Grenzbeamte stempelt dir den Aufenthalt in den Pass, üblich sind 90 Tage. Ein Impfnachweis oder Test wird nicht verlangt, sämtliche COVID-Auflagen sind seit Oktober 2022 aufgehoben.
Ein Weiterreise- oder Rückflugticket wird selten kontrolliert, kann aber von der Airline beim Check-in verlangt werden. Prüfe außerdem, dass der Einreisestempel tatsächlich im Pass landet: Gerade an Landgrenzen wie der Freundschaftsbrücke zwischen Ciudad del Este und Brasilien wird der Stempel gern vergessen, und ohne Stempel giltst du später formal als illegal eingereist. Das kann bei der Ausreise oder beim Residenzantrag teuer werden.
Verlängerung und Overstay
Die 90 Tage kannst du einmal um weitere 90 Tage verlängern, sodass insgesamt bis zu 180 Tage am Stück möglich sind. Zuständig ist die Migrationsbehörde Dirección Nacional de Migraciones in Asunción, die Verlängerung kostet eine überschaubare Verwaltungsgebühr und sollte vor Ablauf der ersten 90 Tage beantragt werden.
Überziehst du deinen Aufenthalt, wird bei der Ausreise eine Geldbuße (Multa) fällig, die du am Flughafen oder an der Grenze bezahlen musst. Paraguay handhabt das vergleichsweise entspannt, ein Overstay wird aber in den Systemen vermerkt und kann einen späteren Residenzantrag verkomplizieren. Wer ohnehin bleiben will, fährt mit einem sauberen Antrag deutlich besser.
Länger bleiben: Residencia Temporaria und Residencia Permanente
Seit der Migrationsreform durch das Gesetz 6984/2022 läuft der Weg in den Daueraufenthalt zweistufig: Zuerst beantragst du die Residencia Temporaria für zwei Jahre, danach kannst du in die Residencia Permanente wechseln. Den Antrag stellst du direkt bei Migraciones in Asunción, und zwar während eines legalen Aufenthalts im Land, also innerhalb deiner 90 beziehungsweise 180 Tage.
Für den Antrag brauchst du im Kern: einen gültigen Reisepass, eine apostillierte Geburtsurkunde, ein apostilliertes polizeiliches Führungszeugnis aus deinem Heimatland, gegebenenfalls die Heiratsurkunde sowie eine eidesstattliche Erklärung, die paraguayische Rechtsordnung zu achten. Von der Vorbereitung der Dokumente in Europa bis zur fertigen Cédula vergehen typischerweise acht bis zwölf Wochen.
Neue Regeln seit dem 1. Januar 2026
Seit Jahresbeginn 2026 prüft Migraciones beim Antrag auf die permanente Residenz, ob du seit dem Antrag auf die temporäre Residenz mehr als 365 Tage am Stück abwesend warst. Ist das der Fall, bekommst du statt der permanenten Aufenthaltserlaubnis nur eine neue zweijährige temporäre Residenz. Wer den Daueraufenthalt will, sollte also mindestens einmal pro Jahr einreisen und eine nachvollziehbare Bindung ans Land pflegen. Alle Details zum Verfahren findest du in unserem Leitfaden zur permanenten Aufenthaltsgenehmigung in Paraguay.
Die Cédula: dein wichtigstes Dokument
Mit der bewilligten Residenz beantragst du bei der Policía Nacional die Cédula de Identidad, den paraguayischen Personalausweis für Ausländer. Erst die Cédula macht dich im Alltag handlungsfähig: Kontoeröffnung, Fahrzeugkauf, Mietverträge und Firmengründung laufen praktisch immer über diese Nummer.
Arbeiten und Investieren
Als Tourist darfst du in Paraguay keiner lokalen Erwerbstätigkeit nachgehen. Wer vor Ort angestellt arbeiten oder ein Gewerbe betreiben will, braucht einen entsprechenden Aufenthaltsstatus über Migraciones; die Residencia Temporaria deckt das für die meisten Auswanderer bereits ab. Für Kapitalanleger gibt es seit April 2026 zusätzlich einen Investor-Pass, der Investoren den direkten Sprung in die permanente Residenz ermöglicht, ohne die zweijährige temporäre Phase abzuwarten. Ob sich das für dich rechnet, hängt von Investitionssumme und Zeithorizont ab.
Steuerlich bleibt Paraguay eines der attraktivsten Länder der Region: Das System ist territorial, Auslandseinkünfte bleiben grundsätzlich unbesteuert, und die lokale Einkommensteuer liegt bei moderaten 10 Prozent. Die aktuellen Eckwerte findest du im Steueratlas zu Paraguay. Wie sich Wegzug, Wohnsitz und Steuerpflicht sauber kombinieren lassen, erklärt unser Überblick zum Auswandern nach Paraguay.
Sicherheit und Praxis vor Ort
Paraguay gilt insgesamt als eher ruhiges Reiseland, trotzdem lohnt der Blick auf die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts. Erhöhte Vorsicht gilt in der Grenzregion zu Brasilien sowie in Teilen der Departamentos San Pedro und Concepción. In Asunción und den größeren Städten beschränken sich die Risiken meist auf Kleinkriminalität.
Praktisch relevant für Neuankömmlinge: Bargeld dominiert außerhalb der Hauptstadt, die Deklarationspflicht für Devisen ab 10.000 US-Dollar gilt bei Ein- und Ausreise, und wer Haustiere oder größere Umzugsmengen mitbringt, sollte die Zollformalitäten vorab mit einem lokalen Despachante klären. Empfohlene Impfungen und Gesundheitsthemen besprichst du am besten vor Abflug mit einem Tropenmediziner.
Häufige Fragen aus der Praxis
Reisen innerhalb des Mercosur
Paraguay ist Mercosur-Mitglied, die Grenzen zu Argentinien und Brasilien sind entsprechend durchlässig. Für dich als Europäer ändert das nichts an der Visumfreiheit, wohl aber an der Praxis: Tagesausflüge von Ciudad del Este nach Foz do Iguaçu zu den Iguazú-Fällen sind Alltag, und viele Reisende überqueren die Brücke ohne jede Kontrolle. Genau hier entstehen die fehlenden Stempel, die später Ärger machen. Wenn du die Grenze überschreitest und am selben Tag zurückkommst, brauchst du formal trotzdem Aus- und Einreisestempel beider Länder, sobald du über den Tagesausflug hinaus bleibst. Nimm die paar Minuten am Schalter mit, dein späterer Residenzantrag dankt es dir.
Einreise mit Kindern und Familie
Minderjährige brauchen einen eigenen Reisepass. Reist ein Elternteil allein mit Kind, verlangen Airlines und teils auch die Grenzbeamten eine Einverständniserklärung des anderen Sorgeberechtigten, idealerweise mit spanischer Übersetzung. Für den späteren Residenzantrag der ganzen Familie gilt: Geburts- und Heiratsurkunden aller Familienmitglieder apostillieren lassen, bevor ihr Europa verlasst. Nachträgliche Apostillen aus Paraguay heraus zu organisieren kostet Zeit, Nerven und Kurierdienste.
Konto, Geld und Alltag vor der Cédula
Ohne Cédula bleibt das paraguayische Bankensystem weitgehend verschlossen; bis dahin leben die meisten Neuankömmlinge von Kreditkarte, Bargeld und internationalen Diensten. Geldautomaten sind in den Städten flächendeckend vorhanden, verlangen aber oft Gebühren pro Abhebung. Viele Auswanderer überbrücken die Zeit mit modernen Auslandskonten, wie sie unsere Schwesterseite Freedom Banking vorstellt, und eröffnen das lokale Konto erst nach der Residenz. Auch SIM-Karten (Tigo, Personal, Claro) bekommst du problemlos mit dem Reisepass.
Rückkehr nach Europa
Für die Heimreise brauchst du als EU-Bürger keine Formalitäten, die neuen europäischen Grenzsysteme EES und ETIAS betreffen nur Drittstaatsangehörige. Relevant werden sie allerdings für deinen paraguayischen Ehepartner oder Freunde aus Paraguay, die dich in Europa besuchen wollen: Sie reisen zwar visumfrei in den Schengen-Raum, müssen aber künftig vor Abflug die ETIAS-Genehmigung einholen und werden an der Grenze biometrisch erfasst.
Was das für deinen Umzug bedeutet
Paraguay kombiniert eine der einfachsten Einreisen Südamerikas mit einem klar planbaren Weg zum Daueraufenthalt: 90 Tage visumfrei, Verlängerung auf 180 Tage, dann zwei Jahre temporäre Residenz und schließlich die permanente Aufenthaltserlaubnis, sofern du die neue 365-Tage-Regel im Blick behältst. Wer Dokumente früh apostillieren lässt und die Fristen sauber taktet, hält die Cédula oft schon wenige Monate nach der ersten Einreise in der Hand.
Wenn du wissen willst, wie Paraguay in deine Gesamtplanung aus Wohnsitz, Steuern und Firmenstruktur passt, buche ein Beratungsgespräch zum Umzug nach Paraguay. Dort klären wir, ob die Residencia für dich der richtige Hebel ist und in welcher Reihenfolge du die Schritte angehst.
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