Die Einreise nach Ungarn ist für Deutsche, Österreicher und Schweizer eine Nichtigkeit: Schengen-Binnengrenze, Personalausweis genügt, kein Visum, keine Fristen für Besucher. Entscheidend ist die Zeit danach, denn wer bleibt, muss sich spätestens am 93. Tag registrieren, und seit der großen Reform des ungarischen Aufenthaltsrechts 2024 gelten für Drittstaatsangehörige komplett neue Kategorien. Hier bekommst du den aktuellen Überblick für Kurzbesuch, Workation und dauerhaften Umzug.
Einreise: was an der Grenze gilt
Ungarn ist seit 2004 EU-Mitglied und seit 2007 im Schengen-Raum. Du reist mit einem gültigen Personalausweis oder Reisepass ein; systematische Kontrollen an den Binnengrenzen zu Österreich und der Slowakei gibt es nicht, wohl aber anlassbezogene Schwerpunktkontrollen, bei denen du dich ausweisen musst. An den EU-Außengrenzen zu Serbien und der Ukraine kontrolliert Ungarn dagegen streng, hier brauchst du Geduld und idealerweise den Reisepass.
Bezahlt wird weiterhin in Forint, nicht in Euro. Für die Autobahnen brauchst du eine elektronische Vignette (e-Matrica), und im Straßenverkehr gilt eine strikte 0,0-Promille-Grenze; schon kleinste Mengen Alkohol führen zu Strafverfahren und Führerscheinentzug. Aktuelle Hinweise zu Sicherheit und Verkehr bündelt das Auswärtige Amt.
Bis 90 Tage: kein Papierkram
Als EU-Bürger bewegst du dich bis zu drei Monate völlig frei in Ungarn, ob als Tourist, auf Immobiliensuche am Balaton oder zur Workation in Budapest. Drittstaatsangehörige Familienmitglieder unterliegen der 90-Tage-Regel des Schengen-Raums; für sie greifen künftig auch das Einreisesystem EES und die ETIAS-Genehmigung, EU-Bürger sind ausgenommen.
Länger bleiben: Registrierung am 93. Tag
Planst du mehr als drei Monate, registrierst du deinen Aufenthalt spätestens am 93. Tag nach der Einreise bei der regionalen Direktion der Einwanderungsbehörde, der Nationalen Generaldirektion für Fremdenpolizei (OIF). Anträge laufen inzwischen elektronisch über die Plattform Enter Hungary. Du belegst deinen Aufenthaltszweck mit Arbeitsvertrag, Gewerbenachweis, Studienbescheinigung oder dem Nachweis ausreichender Mittel plus Krankenversicherung und erhältst die Registrierungsbescheinigung (regisztrációs igazolás), ein unbefristet gültiges Dokument im Kartenformat.
Adresskarte und Steuernummer
Parallel meldest du deine Wohnadresse an und bekommst die Lakcímkártya, die ungarische Adresskarte. Sie ist der Schlüssel zum Alltag: Ohne Adresskarte kein Bankkonto, kein Handyvertrag, keine Kfz-Anmeldung und keine Steuernummer (adóazonosító jel). Wer in Ungarn arbeitet oder gründet, braucht zusätzlich die Sozialversicherungskarte (TAJ). Plane für die Behördengänge ein bis zwei Vormittage ein, die Ämter arbeiten schneller als ihr Ruf.
Daueraufenthalt
Nach fünf Jahren ununterbrochenem Aufenthalt kannst du als EU-Bürger den Daueraufenthalt beantragen. Kurze Unterbrechungen schaden nicht, längere Auslandsphasen können die Frist aber zurücksetzen.
Drittstaatsangehörige: neues Recht seit 2024
Zum 1. Januar 2024 hat Ungarn sein Aufenthaltsrecht für Nicht-EU-Bürger komplett neu geordnet: Das neue Gesetz unterscheidet unter anderem Gastarbeiter-Aufenthalte, Titel für Hochqualifizierte (Ungarische Karte) und Investorenaufenthalte. Für Remote Worker bleibt die White Card das relevante Instrument: Sie verlangt ein Auslandseinkommen von mindestens 3.000 Euro monatlich, gilt ein Jahr und ist einmal verlängerbar. Für deutsche Staatsangehörige ist das alles irrelevant, für einen nicht-europäischen Ehepartner dagegen entscheidend; hier lohnt die frühzeitige Planung der Familienzusammenführung.
Steuern: die 15-Prozent-Karte
Ungarns größter Trumpf für Auswanderer ist die Flat Tax von 15 Prozent auf Einkommen plus die niedrigste Körperschaftsteuer der EU mit 9 Prozent. Dazu kommen Pauschalregime für Kleinunternehmer und moderate Lebenshaltungskosten außerhalb Budapests. Die Details, auch zu Sozialabgaben und Dividenden, findest du in unserem Länderüberblick zum Auswandern nach Ungarn sowie stets aktuell im Steueratlas zu Ungarn. Beachte: Der steuerliche Wohnsitzwechsel funktioniert nur, wenn du auch die deutschen Abmelde- und Wegzugsregeln sauber abarbeitest.
Anreise: Auto, Bahn oder Flug
Budapest erreichst du aus Wien in gut zweieinhalb Stunden über die A4/M1, aus München in etwa sieben. Die e-Matrica kaufst du vorab online oder an der Grenze, Kontrollen laufen vollautomatisch über Kennzeichenerfassung, und nachträgliche Strafzahlungen für vergessene Vignetten treiben deutsche Autofahrer regelmäßig zur Verzweiflung; kauf sie also vor der Auffahrt. Die Bahn verbindet Wien und Budapest im Stundentakt in unter drei Stunden, der Flughafen Budapest bedient alle deutschsprachigen Drehkreuze. Wer den Umzug plant: Möbeltransporte innerhalb der EU laufen zollfrei und formlos.
Wohnen: Budapest, Balaton oder Provinz
Der Wohnungsmarkt hat drei Geschwindigkeiten. Budapest ist eine Weltstadt mit entsprechender Nachfrage, die Mieten in den Innenbezirken haben kräftig angezogen, liegen aber weiter klar unter Wiener oder Münchner Niveau. Am Balaton hat der Zuzugsboom deutschsprachiger Auswanderer die Preise der Seelagen verdoppelt, Orte wie Keszthely, Balatonfüred und Siófok haben etablierte deutsche Communities. In der Provinz, etwa in Pécs, Szeged oder Debrecen, wohnst du für einen Bruchteil davon. Für den Mietvertrag genügen Ausweis und Kaution; achte auf einen schriftlichen Vertrag mit gemeldeter Adresse, denn ohne Zustimmung des Eigentümers bekommst du keine Lakcímkártya.
Gesundheitssystem und Versicherung
Für die Übergangszeit deckt dich die EHIC-Karte in staatlichen Einrichtungen ab. Sobald du in Ungarn arbeitest oder freiwillig einzahlst, bist du über die TAJ-Karte im staatlichen System versichert; Nichterwerbstätige müssen für die Registrierung eine private oder freiwillige staatliche Absicherung nachweisen. Das staatliche System ist flächendeckend, aber chronisch unterfinanziert, weshalb praktisch alle Expats für Facharzttermine private Kliniken nutzen, die in Budapest auf hohem Niveau und zu moderaten Preisen arbeiten. Zahnmedizin ist ein Sonderfall: Ungarn ist seit Jahrzehnten das Ziel für Zahntourismus, entsprechend groß ist das Angebot an deutschsprachigen Praxen.
Immobilienkauf als EU-Bürger
Wohnimmobilien kaufst du in Ungarn als EU-Bürger genehmigungsfrei und zu denselben Konditionen wie Ungarn selbst; nur land- und forstwirtschaftliche Flächen bleiben streng reguliert. Der Kauf läuft zwingend über einen ungarischen Anwalt, der den Vertrag gegenzeichnet und die Eintragung ins Grundbuch (földhivatal) besorgt, die Nebenkosten inklusive Erwerbssteuer von in der Regel 4 Prozent bleiben moderat. Wichtig für deine Aufenthaltsplanung: Eigentum ersetzt die Registrierung nicht, aber es liefert den Wohnraumnachweis für Registrierungsbescheinigung und Adresskarte gleich mit.
Häufige Fragen zum Aufenthalt
Zählt die Zeit vor der Registrierung für den Daueraufenthalt? Ja, entscheidend ist der rechtmäßige ununterbrochene Aufenthalt, die Registrierung dokumentiert ihn nur. Kommst du ohne Ungarisch durch? In Budapest und am Balaton weitgehend ja, Englisch und oft Deutsch sind verbreitet; auf Ämtern außerhalb der Hauptstadt hilft eine ungarischsprachige Begleitung oder ein beauftragter Dienstleister spürbar. Was gilt für deinen Nicht-EU-Partner? Als Familienangehöriger eines EU-Bürgers erhält er eine Aufenthaltskarte über dieselbe Behörde, unabhängig von den neuen Drittstaater-Kategorien. Und bei Wegzug? Dann meldest du Adresse und Registrierung wieder ab, sonst bleibst du im ungarischen System als Einwohner geführt, was spätestens bei Steuerfragen für Verwirrung sorgt.
Noch ein Wort zu den Lebenshaltungskosten: Lebensmittel, Restaurants und Dienstleistungen liegen trotz der ungarischen Inflationsjahre weiter deutlich unter deutschem Niveau, Strom und Gas sind für Haushalte reguliert und günstig. Wer sein Einkommen aus Deutschland oder aus einer eigenen Firma bezieht, lebt in Ungarn spürbar komfortabler als zu Hause, und genau diese Kombination aus niedrigen Kosten und niedrigen Steuern treibt den Zuzug seit Jahren an.
Und die Sprache? Ungarisch gilt als eine der schwersten Sprachen Europas, für Behörden, Verträge und Ärzte gibt es aber ein eingespieltes Netz deutschsprachiger Dienstleister, Übersetzer und Kanzleien, sodass der Alltag auch ohne Sprachkenntnisse funktioniert; wer bleiben will, profitiert trotzdem enorm von Grundkenntnissen.
So gehst du die Anmeldung an
Dein Fahrplan für Ungarn ist kurz: einreisen, Wohnung sichern, vor dem 93. Tag Registrierungsbescheinigung und Lakcímkártya beantragen, danach Steuernummer und TAJ-Karte nachziehen. Halte Mietvertrag, Krankenversicherungsnachweis und Einkommensbelege bereit, dann sind alle Termine reine Formsache. Mit Registrierung und Adresskarte stehen dir Konto, Firmengründung und Immobilienkauf offen.
Ob sich der Wechsel nach Ungarn mit seiner 15-Prozent-Steuer für deine Situation wirklich lohnt und wie du den Wegzug aus Deutschland strukturierst, klären wir im Beratungsgespräch zum Umzug nach Ungarn.
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