Ein Umzug mit Hund, Katze oder Frettchen nach Großbritannien ist seit dem Brexit kein EU-Vorgang mehr, sondern eine Einreise in ein Drittland mit eigenen Vorschriften. Die gute Nachricht vorweg: Für Tierhalter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Weg deutlich einfacher, als viele Ratgeber behaupten. Die schlechte: Wer die Bandwurmkur, die zugelassene Route oder die britischen Rassevorschriften übersieht, riskiert bis zu vier Monate Quarantäne auf eigene Kosten.

Welches Dokument dein Tier wirklich braucht

Hier hält sich ein hartnäckiger Irrtum. Für die Einreise nach Großbritannien aus einem EU-Staat wird der EU-Heimtierausweis weiterhin anerkannt. Ein britisches Animal Health Certificate brauchst du dafür nicht. Die britische Regierung listet auf ihrer Seite Bringing your pet dog, cat or ferret to Great Britain vier zulässige Dokumente auf: den EU-Heimtierausweis, ein in Großbritannien innerhalb der letzten sechs Monate ausgestelltes Animal Health Certificate, ein britisches Pet Health Certificate sowie einen vor dem 1. Januar 2021 in Großbritannien ausgestellten Heimtierausweis.

Umgekehrt wird es aufwendiger: Wer von Großbritannien aus in die EU reist, kann einen dort ausgestellten alten Heimtierausweis nicht mehr nutzen und braucht für jede Reise ein tierärztliches Animal Health Certificate. Es muss innerhalb von zehn Tagen vor der Einreise ausgestellt werden, gilt danach vier Monate für Weiterreisen innerhalb der EU und für die Rückkehr nach Großbritannien. Das ist der Punkt, an dem der Umzug für Pendler teuer wird, denn jedes Zertifikat kostet in der Praxis dreistellig. Die Kanzlei St Matthew hat den regulatorischen Hintergrund in ihrer Übersicht zu den Einreise- und Visabestimmungen nach dem Brexit aufbereitet.

Die Pflichtkette: Chip, Impfung, Bandwurmkur

Die Reihenfolge entscheidet über den Erfolg der Einreise:

  1. Mikrochip nach ISO 11784 und 11785, gesetzt vor der Tollwutimpfung. Wird zuerst geimpft, gilt die Impfung als nicht zuordenbar und muss wiederholt werden. Diesen Punkt beschreibt auch der Praxisbeitrag der Kanzlei zum Ablauf der Mikrochip-Implantation.
  2. Tollwutimpfung frühestens mit zwölf Wochen, Reisebeginn frühestens 21 volle Tage nach Abschluss der Grundimmunisierung. Wie sich die Anforderungen nach dem Brexit verschoben haben, ordnet die Kanzlei in ihrem Beitrag zu den neuen Voraussetzungen für die Tollwutimpfung ein.
  3. Bandwurmbehandlung für Hunde gegen Echinococcus multilocularis, verabreicht von einer Tierärztin oder einem Tierarzt frühestens 120 und spätestens 24 Stunden vor der Ankunft, mit Eintrag im Dokument. Katzen und Frettchen sind ausgenommen. Die Frist ist starr und wird bei der Kontrolle anhand des Eintrags geprüft.

Wichtig ist die Ausnahme: Kommst du direkt aus Finnland, Irland, Nordirland, Malta oder Norwegen, entfällt die Bandwurmkur. Aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz gilt sie dagegen immer. Ein zusätzlicher Tollwut-Antikörpertest ist für die Einreise aus der EU nicht nötig, weil die EU-Staaten für Großbritannien gelistet sind. Wer eine Katze mitbringt, findet den praktischen Ablauf im Erfahrungsbericht der Kanzlei zum Thema mit Katze nach England, den Gesamtablauf im Leitfaden zum Auswandern mit Haustieren.

Zugelassene Routen und Beförderer

Anders als in der EU darf dein Tier nicht auf beliebigem Weg einreisen. Vorgeschrieben ist eine zugelassene Route mit einem zugelassenen Beförderer, also bestimmte Fähr- und Eurotunnelverbindungen sowie zugelassene Fluggesellschaften und Flughäfen. Ausgenommen ist nur der Verkehr innerhalb des Vereinigten Königreichs und die Einreise aus Irland. Erfüllt das Tier die Vorgaben nicht, drohen Quarantäne von bis zu vier Monaten auf Kosten des Halters oder die Rückweisung. Buche deshalb nie ein Ticket, bevor du geprüft hast, ob der Beförderer für Tiere zugelassen ist, und melde das Tier bei der Buchung an.

Für Flüge gilt zusätzlich: Hunde und Katzen über acht Kilogramm inklusive Box reisen im Frachtraum und müssen bei Lufthansa spätestens 72 Stunden vor Abflug angemeldet werden. Ab dem 4. Mai 2026 gelten engere Vorgaben für die Lüftungsöffnungen der Transportboxen, bei Hunden höchstens 25 mal 25 Millimeter, bei Katzen höchstens 19 mal 19 Millimeter. Kurznasige Rassen sind vom Frachtraum ausgeschlossen; für sie bleibt praktisch nur die Fähre oder der Eurotunnel. Welche Transportmethode zu deinem Tier passt, entscheidet sich meist an Größse und Nasenform, nicht am Preis.

Verbotene Hundetypen: die harte Grenze

Großbritannien führt im Unterschied zu den meisten EU-Staaten echte Typverbote. Nach dem Dangerous Dogs Act sind Pit Bull Terrier, Japanese Tosa, Dogo Argentino, Fila Brasileiro und der XL Bully verboten. Eingeführt werden darf ein solcher Hund nur, wenn er bereits über ein gültiges Certificate of Exemption verfügt, was für einen Neuzuzug aus dem Ausland praktisch nicht in Betracht kommt. Maßgeblich ist dabei nicht das Papier des Zuchtverbands, sondern der körperliche Typ, den die Behörde beurteilt.

Für den XL Bully gilt seit dem 1. Februar 2024 ein Halteverbot ohne Ausnahmegenehmigung. Ab dem 1. November 2026 kommt eine weitere Auflage hinzu: Kinder unter zwölf Jahren dürfen im privaten Bereich nicht mehr unbeaufsichtigt in engem Kontakt mit einem solchen Hund sein; das wird Bedingung des Certificate of Exemption. Die Liste und die Auflagen stehen auf der Regierungsseite zu Banned dogs. Umgekehrt gilt: Diese britischen Listen lassen sich nicht auf EU-Staaten übertragen, auch wenn ältere Ratgeber sie munter kopieren.

Neu im Rahmen ist der Animal Welfare (Import of Dogs, Cats and Ferrets) Act 2025, der am 2. Dezember 2025 die königliche Zustimmung erhalten hat. Er schafft die Grundlage, die Einfuhr von Tieren unter sechs Monaten, von Hunden mit kupierten Ohren, von entkrallten Katzen und von hochträchtigen Hündinnen zu untersagen. Die konkreten Regeln und Ausnahmen kommen über nachgelagerte Verordnungen, deren Stand du vor der Buchung prüfen solltest.

Nach der Ankunft: Pflichten im Alltag

Eine Hundelizenz gibt es in England, Schottland und Wales nicht, in Nordirland dagegen schon. Dafür ist die Mikrochippflicht umfassend: Für Hunde gilt sie seit Jahren, für Katzen in England seit dem 10. Juni 2024 ab einem Alter von 20 Wochen, mit Bußgeldern von bis zu 500 Pfund bei Verstoß. Wichtig ist, dass du nach dem Umzug deine britische Adresse in der Datenbank hinterlegst, in der der Chip registriert ist; ein ausländischer Registereintrag hilft dem Finder vor Ort wenig.

Rund um den Umzug hängen Tier und Aufenthaltstitel zusammen: Ohne gesicherten Aufenthalt kein Mietvertrag, ohne Mietvertrag oft kein Tier. Den Rahmen für Visum und Aufenthalt beschreibt die Regierungsseite Visas and immigration, die rechtliche Einordnung für EU-Bürger findest du in der Übersicht zu Visa und britischem Einwanderungsrecht nach dem Brexit. Die Kanzlei St Matthew ordnet die einzelnen Wege in ihren Beiträgen zu den erforderlichen Schritten und Voraussetzungen, zu den neuen Bedingungen seit dem Brexit und zu den britischen Visa-Kategorien ein. Wer sich konkret mit den erforderlichen Dokumenten und den Visa-Bestimmungen befasst, spart sich später Doppelarbeit.

Tierarzt, Kosten und Alltag

Tierärztliche Leistungen sind in Großbritannien deutlich teurer als in Deutschland, Notdienste in London besonders. Eine Tierkrankenversicherung ist verbreitet und für viele Halter faktisch Standard. Rechne für die Vorbereitung mit 30 bis 60 Euro für den Chip, 40 bis 70 Euro für die Impfung, 30 bis 60 Euro für Bandwurmkur samt Eintrag sowie mehreren hundert Euro für Fähre oder Flug. Wie das Gesundheitssystem für dich selbst funktioniert, erklärt der Leitfaden zur medizinischen Versorgung im UK.

Im Alltag ist das Land tierfreundlich: Pubs, Parks und viele Bahnstrecken nehmen Hunde mit, im Nahverkehr Londons reisen sie kostenlos. Beim Umzug nach London ist die medizinische und organisatorische Vorbereitung der Engpass, nicht die Akzeptanz des Tieres. Wer sich vorab austauschen will, findet in den Erfahrungsberichten deutschsprachiger Zuzügler praktische Hinweise, ebenso in den Beiträgen zu den besonderen Bestimmungen für Deutsche und zu den wichtigsten Voraussetzungen einer Auswanderung.

Dein Fahrplan für die Insel

Arbeite rückwärts vom Ankunftstag: Bandwurmkur im 24- bis 120-Stunden-Fenster, davor die Buchung auf zugelassener Route, davor die 21 Tage nach der Impfung, ganz am Anfang der Chip. Prüfe zusätzlich, ob dein Hund typmäßig unter das Verbot fallen könnte, denn diese Frage lässt sich am Hafen nicht mehr klären. Und weil Aufenthalt, Wohnsitz und Steuerpflicht im Vereinigten Königreich eng verzahnt sind, klärst du diesen Teil am besten vorab in einem Beratungsgespräch zum Umzug nach Großbritannien.