Island ist der anspruchsvollste Fall in ganz Europa, wenn du mit Hund oder Katze auswandern willst. Das Land ist frei von Tollwut und mehreren Tierseuchen und schützt diesen Status mit einem Verfahren, das eher an Australien oder Neuseeland erinnert als an einen europäischen Nachbarn: Einfuhrgenehmigung, Antikörpertest, Behandlungen, zwei Wochen Quarantäne und ein einziger zugelassener Ankunftsort. Wer das erst drei Wochen vor dem Umzug liest, kommt nicht rechtzeitig durch.
Der Ablauf im Überblick
Island gehört zum Europäischen Wirtschaftsraum, wendet die EU-Heimtierregeln aber nicht an. Zuständig ist die Lebensmittel- und Veterinärbehörde Matvælastofnun, kurz MAST. Ohne Einfuhrgenehmigung von MAST darf kein Hund und keine Katze ins Land. Der Antrag läuft über das Portal der Behörde oder per Formular, und die Genehmigungsgebühr liegt bei 39.633 isländischen Kronen. Die Behörde selbst weist darauf hin, dass Impfung und Antikörpertest frühzeitig erledigt werden sollten, weil allein auf das Laborzertifikat zwei bis drei Wochen Wartezeit anfallen können. Die Einzelheiten stehen auf der Seite zum Import of live animals.
Wichtig ist die Reihenfolge, und sie ist unnachgiebig: erst der Mikrochip nach ISO 11784 und 11785, dann die Tollwutimpfung, dann frühestens 30 Tage später die Blutentnahme für den Tollwut-Antikörpertest. Der Wert muss mindestens 0,5 IU/ml betragen. Island teilt Herkunftsländer in Risikokategorien ein; stammt dein Tier aus einem Land der höheren Kategorie, muss der Antikörpertest zusätzlich mindestens 90 Tage vor der Einfuhr liegen. Welche Kategorie für dein Herkunftsland gilt, erfährst du direkt bei MAST, bevor du den Zeitplan festlegst.
Impfungen, Tests und Behandlungen
Neben der Tollwutimpfung verlangt Island für Hunde eine Impfung gegen Leptospirose nach einem vorgegebenen Schema sowie Behandlungen gegen innere und äussere Parasiten. Die eingesetzten Präparate müssen die von MAST genannten Erreger und Parasiten abdecken, was in der Praxis heißt: Du kannst nicht einfach das gewohnte Mittel verwenden, sondern musst die Vorgaben abgleichen. Alle Behandlungen werden mit Datum, Präparat und Dosierung dokumentiert und von der Tierärztin oder dem Tierarzt bestätigt.
Für Katzen gilt ein eigenes, ebenfalls striktes Anforderungsprofil mit Impfungen, Tests und Parasitenbehandlungen. Der Ablauf ähnelt dem für Hunde, die Präparate unterscheiden sich. Wie ein solcher Umzug mit einer Katze praktisch abläuft, beschreibt die Kanzlei St Matthew in ihrem Erfahrungsbericht mit Katze in ein neues Leben, den allgemeinen Ablauf im Beitrag zum Auswandern mit Haustieren.
Quarantäne: zwei Wochen sind Pflicht
Auch wenn alle Papiere stimmen, geht kein Weg an der Absonderung vorbei. Jedes eingeführte Tier verbringt zwei Wochen in einer zugelassenen Quarantänestation. Zugelassen sind Einrichtungen in Reykjanesbær und in Mósel. Die Anlieferung ist nur an festgelegten Tagen und innerhalb eines Zeitfensters am Tag möglich, weshalb der Flugtermin nicht frei wählbar ist, sondern an den Belegungsplan der Station angepasst werden muss. Reserviere den Platz früh, denn in den Sommermonaten sind die Stationen ausgebucht.
Zusätzlich gilt: Die Einreise ist ausschließlich über den Flughafen Keflavík möglich, eine Ankunft mit der Fähre ist für Heimtiere nicht zulässig. Wer also mit dem Auto über die Färöer nach Seyðisfjörður fahren will, kann das Tier nicht mitnehmen. Diese eine Vorschrift verändert die gesamte Umzugslogistik und wird regelmäßig übersehen.
Verbotene Hunderassen in Island
Island führt eine echte Verbotsliste, und sie unterscheidet sich deutlich von der britischen. Nicht eingeführt werden dürfen unter anderem Pit Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bull Terrier, American Bulldog, Fila Brasileiro, Tosa Inu, Dogo Argentino, Cane Corso, Presa Canario und Boerboel, einschließlich Kreuzungen, die bis zu fünf Generationen zurückverfolgt werden. Wer aus Großbritannien kommt und dort mit einer anderen Liste vertraut ist, sollte diese nicht übertragen: Der Staffordshire Bull Terrier etwa ist im Vereinigten Königreich erlaubt, in Island dagegen nicht einführbar.
Prüfe den Rassestatus deines Hundes deshalb ganz am Anfang der Planung, nicht am Ende. Maßgeblich ist die Einschätzung der Behörde, nicht der Eintrag im Heimtierausweis. Bei Mischlingen mit unklarer Abstammung solltest du eine Vorabklärung mit MAST schriftlich einholen, bevor du Flüge oder Quarantäneplätze buchst.
Rückreise in die EU und Reisen ab Island
Hier wird es erfreulich einfach. Island steht auf der EU-Liste der Gebiete, aus denen Hunde, Katzen und Frettchen ohne Tollwut-Antikörpertest in die EU einreisen dürfen, und die Einreise ist nicht an zugelassene Eingangsstellen gebunden. Für die Rückreise nach Deutschland, Österreich oder in ein anderes EU-Land brauchst du also im Kern Chip, gültige Tollwutimpfung und die vorgeschriebene Bescheinigung. Die Listen führt die EU-Kommission auf ihrer Seite zur Listung von Gebieten und Drittländern.
Der Haken ist die Gegenrichtung: Jede Wiedereinreise nach Island löst das komplette Verfahren erneut aus, inklusive Genehmigung und Quarantäne. Wer also plant, mit dem Hund regelmäßig aufs europäische Festland zu reisen, sollte das vorab durchrechnen. Für viele Halter ist Island deshalb ein Ziel für den dauerhaften Umzug, nicht für ein Leben zwischen zwei Ländern.
Transport, Kosten und Zeitplan
Der Weg führt über den Flug nach Keflavík. In der Kabine sind bei Lufthansa Tiere bis acht Kilogramm inklusive Tasche erlaubt, ab rund 60 Euro pro Strecke; schwerere Tiere reisen im klimatisierten Frachtraum und müssen spätestens 72 Stunden vor Abflug angemeldet werden. Ab dem 4. Mai 2026 gelten engere Vorgaben für die Lüftungsöffnungen der Transportboxen, bei Hunden höchstens 25 mal 25 Millimeter, bei Katzen höchstens 19 mal 19 Millimeter. Kurznasige Rassen sind vom Frachtraum ausgeschlossen, und da die Fähre für Tiere ausfällt, ist der Umzug mit Mops oder Perserkatze nach Island praktisch kaum darstellbar.
Kostenseitig solltest du großzügig kalkulieren: Genehmigungsgebühr, Antikörpertest mit 80 bis 150 Euro, Impfungen und Parasitenbehandlungen, Transportbox mit 80 bis 300 Euro, Flugfracht mit mehreren hundert Euro und die Quarantäne, die pro Tier und Aufenthalt einen deutlich vierstelligen Betrag erreichen kann. Zeitlich brauchst du realistisch drei bis sechs Monate Vorlauf, weil Impfung, 30-Tage-Frist, Laborzertifikat, Genehmigung und Quarantäneplatz nacheinander abgearbeitet werden müssen.
Andere Tierarten und häufige Irrtümer
Der isländische Rahmen gilt nicht nur für Hunde und Katzen. Für Nagetiere, Kaninchen, Ziervögel und Reptilien bestehen eigene, teils noch engere Vorschriften, und für manche Arten ist die Einfuhr schlicht ausgeschlossen. Erkundige dich bei MAST verbindlich, bevor du planst; eine Auskunft aus einem Forum oder von einer Fluggesellschaft ersetzt die Genehmigung nicht.
Drei Irrtümer tauchen besonders oft auf. Erstens: Der EU-Heimtierausweis reicht nicht. Island ist zwar Teil des Europäischen Wirtschaftsraums, wendet aber eigenes Recht an, und ohne Einfuhrgenehmigung nützt der schönste Ausweis nichts. Zweitens: Die Quarantäne lässt sich nicht durch Impfnachweise oder eine kürzere Absonderung zu Hause ersetzen. Drittens: Ein bereits in der EU durchgeführter Antikörpertest deckt zwar die Rückreise in die EU ab, ersetzt aber nicht den nach isländischen Vorgaben terminierten Test für die Einfuhr.
Plane deshalb schriftlich. Lege eine Datei mit Chipnummer, Impfdaten, Laborbefund, Genehmigungsnummer und Quarantänebuchung an und nimm Kopien als Papier mit. Am Flughafen Keflavík werden die Unterlagen tatsächlich geprüft, und Nachreichen ist an dieser Stelle nicht vorgesehen.
Alltag mit Tier auf der Insel
Ist die Quarantäne überstanden, ist Island ein gutes Land für Hunde: weite Flächen, saubere Luft, kaum Zeckenkrankheiten und keine Tollwut. Dafür ist das Wetter rau, Wind und Nässe fordern kurzhaarige Rassen, und in Reykjavík gelten in Wohngebieten strikte Leinenregeln. Die Hundehaltung ist in einigen Gemeinden genehmigungspflichtig und mit einer jährlichen Gebühr verbunden; erkundige dich bei der Kommune, in die du ziehst.
Tierärztlich ist die Versorgung im Großraum Reykjavík gut, in den Westfjorden und im Osten dagegen dünn. Spezialisierte Behandlungen sind begrenzt verfügbar, und Medikamente können lieferabhängig sein. Wer ein chronisch krankes Tier mitbringt, sollte die Verfügbarkeit der Präparate vorab klären und einen Vorrat mit tierärztlicher Bescheinigung mitführen.
So gehst du den Umzug nach Island an
Beginne mit zwei Fragen: Ist die Rasse einführbar, und passt der Zeitplan? Erst danach lohnt sich alles Weitere. Setze dann Chip und Impfung, plane die Blutentnahme frühestens 30 Tage später, beantrage die Genehmigung bei MAST, reserviere den Quarantäneplatz und richte den Flug nach dem Belegungsplan aus. Und weil sich mit dem Umzug nach Island auch Wohnsitz und Steuerpflicht verschieben, klärst du diesen Teil am besten vorab in einem Beratungsgespräch zum Wegzug.







