Wer sich mit Korruption in Nordkorea beschäftigt, denkt zuerst an Schauprozesse und Straflager. Die Realität ist doppelbödig: Offiziell gilt Bestechung als schweres Staatsverbrechen, praktisch hält Schmiergeld große Teile des Alltags überhaupt erst am Laufen. Für dich als Deutsche, Österreicherin oder Schweizer ist das keine akademische Frage. Nordkorea ist kein normales Auswanderungsziel, sondern ein Land, in das du allenfalls beruflich oder als Teil einer organisierten Gruppe gelangst, und in dem jeder Fehltritt sofort politisch wird. Steuerliche Grundlagen zum Land findest du im Steueratlas zu Nordkorea, die Korruptionsrealität schauen wir uns hier an.
Was der Korruptionsindex 2025 über Nordkorea aussagt
Transparency International hat den Corruption Perceptions Index 2025 am 10. Februar 2026 veröffentlicht. Er bewertet 182 Länder und Territorien auf einer Skala von 0 bis 100. Nordkorea erreicht 15 von 100 Punkten und liegt auf Rang 172. Das ist exakt derselbe Wert wie im Vorjahr und damit weit unter dem globalen Durchschnitt von 42 Punkten. Nur eine Handvoll Staaten schneidet schlechter ab, unter anderem Somalia und der Südsudan mit jeweils 9 Punkten.
Zwei Einschränkungen solltest du kennen. Erstens beruht der Index auf Einschätzungen von Fachleuten und Wirtschaftsvertretern, nicht auf gemessenen Bestechungsfällen. Zweitens fließen für Nordkorea nur sehr wenige Quellen ein, weil unabhängige Erhebungen im Land unmöglich sind. Der Wert bildet also eher das Gesamturteil über ein geschlossenes System ab als eine feinkörnige Messung. Genau deshalb ist der Rang für dich weniger als Rangliste interessant, sondern als Warnsignal: Es gibt keine Instanz, an die du dich wenden könntest, wenn dir jemand mit Amtsgewalt Geld abverlangt.
Wer in Nordkorea Korruption verfolgt, und wer nicht
Nordkorea hat keine unabhängige Antikorruptionsbehörde. Es gibt keine Einrichtung, die mit der mongolischen IAAC, der malaysischen SPRM oder der indonesischen KPK vergleichbar wäre. Kontrolle findet stattdessen innerhalb des Partei- und Sicherheitsapparats statt, also bei genau den Stellen, die selbst am stärksten von informellen Zahlungen leben.
Zuständig sind vor allem die Zentrale Kontrollkommission der Partei der Arbeit Koreas, das Ministerium für Staatssicherheit und das Ministerium für Soziale Sicherheit, dazu die Staatsanwaltschaft als weisungsgebundene Behörde. Diese Stellen ermitteln nicht neutral, sondern nach politischer Zweckmäßigkeit. Antikorruptionskampagnen dienen in aller Regel dazu, Kader auszutauschen oder Loyalität zu erzwingen. Wer politisch abgesichert ist, muss wenig fürchten, wer in Ungnade fällt, wird auch für Vorgänge belangt, die jahrelang geduldet wurden.
Praktisch bedeutet das: Die Behörden, die Schmiergeld verfolgen sollen, sind zugleich die Hauptempfänger. Kontrolleure, Grenzbeamte und Marktaufseher leben in weiten Teilen von informellen Zahlungen, weil offizielle Gehälter und Rationen seit Jahrzehnten nicht zum Leben reichen.
Wie Alltagskorruption tatsächlich funktioniert
Seit der Hungerkatastrophe der Neunzigerjahre hat sich eine halblegale Marktwirtschaft entwickelt, die sogenannten Jangmadang. Der Staat duldet sie, kassiert über Standgebühren mit und greift periodisch hart durch. In diesem Zwischenraum ist Bestechung kein Ausrutscher, sondern Betriebssystem.
- Reisegenehmigungen für Fahrten in andere Provinzen werden regelmäßig gegen Zahlung ausgestellt.
- Marktstände, Devisengeschäfte und private Transportdienste laufen über Schutzzahlungen an lokale Funktionäre.
- Zugang zu Medikamenten, besseren Schulen oder Wohnraum hängt an Geschenken und Beziehungen.
- Grenzüberschreitender Handel mit China funktioniert über Zahlungen an Grenzsoldaten und Zollpersonal.
Für Nordkoreaner ist dieses System oft überlebenswichtig. Für dich ist es eine Falle, denn du bist der sichtbarste Beteiligte im Raum und der einzige, dessen Beteiligung sich politisch verwerten lässt. Eine informelle Zahlung, die für Einheimische Routine ist, kann bei dir als Spionage- oder Devisendelikt ausgelegt werden. Das Strafmaß hängt dann nicht von der Höhe des Betrags ab, sondern davon, wofür dein Fall gerade gebraucht wird.
Bürokratie und Alltag für Ausländer
Einreise, Bewegung und Aufsicht
Individuelle Einreisen gibt es nicht. Aufenthalte laufen über staatlich zugewiesene Begleitpersonen, feste Routen und genehmigte Unterkünfte. Das Auswärtige Amt rät dringend von Reisen in die Demokratische Volksrepublik Korea ab. Eigenständiges Erkunden führt regelmäßig zu Zwischenfällen bis hin zur Festsetzung durch Sicherheitskräfte. Schon das Mitführen religiöser Schriften oder südkoreanischer Medien wird als Festnahmegrund genutzt.
Behördengänge, Eigentum und Geld
Ein Grundbuch nach westlichem Verständnis existiert nicht, Boden ist Staatseigentum. Wohnrechte werden zugewiesen und faktisch gehandelt, ohne dass du als Ausländer daran je eine durchsetzbare Rechtsposition erwirbst. Internationale Kreditkarten und Auslandsüberweisungen funktionieren nicht, du bist auf mitgebrachtes Bargeld angewiesen. Gerichte sind der Partei unterstellt, ein Verwaltungsrechtsweg gegen Behördenentscheidungen ist nicht vorgesehen.
Konsularische Hilfe ist stark eingeschränkt
Die deutsche Botschaft in Pjöngjang ist seit 2020 vorübergehend geschlossen, das Personal wurde abgezogen. Eine Wiedereröffnung hat die Bundesregierung bislang abgelehnt. Für dich heißt das: Wenn du festgenommen wirst, gibt es keine deutsche Vertretung vor Ort, die kurzfristig einschreiten könnte. Genau in dieser Lage wird die Aufforderung, eine informelle Gebühr zu zahlen, besonders gefährlich, weil du jede Bestätigung darüber verlierst, was tatsächlich passiert ist.
Dein Herkunftsstrafrecht reist mit
Viele unterschätzen, dass Bestechung im Ausland zu Hause verfolgt wird. In Deutschland stellt § 335a StGB ausländische und internationale Bedienstete inländischen Amtsträgern gleich. Wer einem nordkoreanischen Funktionär Geld oder Sachwerte zuwendet, erfüllt damit den Tatbestand der Bestechung nach § 334 StGB. Der Strafrahmen reicht bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe, in besonders schweren Fällen bis zu zehn Jahren. Über § 5 Nummer 15 StGB greift deutsches Strafrecht auch dann, wenn die Zahlung vollständig im Ausland fließt und du deutscher Staatsangehöriger bist.
Österreich erfasst ausländische Amtsträger über die Begriffsbestimmung in § 74 Absatz 1 Ziffer 4a StGB und bestraft Bestechung nach § 307 StGB, mit Auslandsanwendung über § 64 StGB. In der Schweiz greift Artikel 322septies StGB, die Bestechung fremder Amtsträger, ebenfalls mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Eine Quittung brauchst du nicht: In Verfahren dieser Art tragen Buchhaltung, Chatverläufe und Zeugenaussagen von Mitreisenden.
Praktisch relevant wird das vor allem für Unternehmen. Wer Mitarbeiter nach Nordkorea entsendet, etwa im Rahmen humanitärer Projekte oder für Wirtschaftsdelegationen, braucht klare schriftliche Regeln dazu, was gezahlt werden darf und was nicht. Reine Beschleunigungszahlungen sind in allen drei DACH-Rechtsordnungen nicht privilegiert. Anders als in einigen angelsächsischen Systemen gibt es keine Ausnahme für kleine Gefälligkeitszahlungen.
Sanktionen als zusätzliche Ebene
Über das Strafrecht hinaus gelten umfassende EU- und UN-Sanktionen gegen Nordkorea. Sie betreffen Finanztransaktionen, Güterlieferungen, Dienstleistungen und die Beschäftigung nordkoreanischer Arbeitskräfte. Eine Zahlung, die im Land banal wirkt, kann bei dir zu Hause gleich zwei Verfahren auslösen, eines wegen Bestechung und eines wegen Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsrecht. Für Unternehmen kommen Meldepflichten, Sperrvermerke bei Banken und Reputationsschäden hinzu, die den ursprünglichen Geschäftszweck weit übersteigen.
Vergleich mit realistischen Alternativen in der Region
Wenn dich Asien als Lebensmittelpunkt interessiert, hilft ein nüchterner Blick auf die Nachbarschaft. Japan erreicht im selben Index 71 Punkte, Singapur 84 Punkte. Selbst Länder mit spürbarer Alltagskorruption wie Indonesien mit 34 Punkten liegen um ein Vielfaches über dem nordkoreanischen Wert und bieten dir überhaupt erst eine Rechtsordnung, in der du dich bewegen kannst. Nordkorea ist in dieser Reihe kein Kandidat, sondern ein Sonderfall, der eigene Regeln verlangt. Wie sich die Sicherheitslage insgesamt darstellt, liest du ergänzend in unserem Leitfaden zur Sicherheit in Nordkorea.
Wie du mit Nordkorea realistisch umgehst
Nordkorea ist kein Land, in dem du dich mit dem richtigen Umgangston durchlavieren kannst. Es fehlt jede Instanz, die dich schützt, und gleichzeitig verfolgt dein Heimatstaat konsequent, was du dort an Zahlungen leistest. Wer beruflich dorthin muss, braucht vorab eine schriftliche Compliance-Linie, eine dokumentierte Reiseplanung und eine klare Antwort auf die Frage, wer im Ernstfall handelt. Wer privat mit dem Gedanken spielt, dort zu leben, sollte den Gedanken beenden: Ein dauerhafter Wohnsitz für westliche Privatpersonen ist rechtlich nicht vorgesehen.
- Zahle nichts, was du nicht mit offizieller Quittung belegen kannst.
- Halte Bargeldbestände niedrig und dokumentiere jede Ausgabe.
- Führe keine Datenträger mit, die politisch oder religiös auslegbar sind.
- Kläre vor Abreise, welche Auslandsvertretung im Notfall zuständig ist.
- Prüfe jede geplante Transaktion zusätzlich sanktionsrechtlich.
Wenn du deine Auswanderungspläne für Asien insgesamt sortieren willst, statt dich an einem Extremfall abzuarbeiten, sprich das mit jemandem durch, der die steuerliche und aufenthaltsrechtliche Seite kennt. Ein strukturiertes Beratungsgespräch spart dir hier deutlich mehr als jede weitere Länderliste.






