Portugal war für deutsche Rentner lange das einfachste Ziel in Südeuropa: mildes Klima, EU-Freizügigkeit und über zehn Jahre eine Rente, die kaum oder gar nicht besteuert wurde. Der letzte Punkt ist für neue Zuzügler Geschichte, und genau dort beginnen die Nachteile. Wer heute als Rentner nach Portugal auswandert, zahlt auf die deutsche Rente die volle portugiesische Einkommensteuer, bleibt bei der deutschen Krankenkasse und lebt oft in Häusern, die für den Winter nicht gebaut sind.

Den Gesamtüberblick über das Land, vom IFICI bis zu den Lebenshaltungskosten, findest du auf der Länderseite Portugal. Die allgemeinen Nachteile wie Mieten, Löhne und Behördentempo stehen in der Liste der Nachteile beim Auswandern nach Portugal. Als Rentner treffen dich zusätzlich die folgenden acht Punkte. Alle Angaben stammen aus Gesetzestexten, Gerichtsentscheidungen und Behördenseiten, Stand November 2026.

Nachteil 1: FĂĽr neue Rentner gibt es keinen Steuervorteil mehr

Das alte Regime für Nicht-Gewohnheitsansässige (NHR, auf Portugiesisch residente não habitual) hat Portugal mit dem Haushaltsgesetz für 2024, Lei 82/2023, für neue Zuzügler gestrichen. Die Übergangsregel in Artikel 236 dieses Gesetzes, die das Finanzamt beim Artikel 16 des Einkommensteuergesetzes abdruckt, schützte nur, wer Ende 2023 schon ansässig war oder bis Ende 2024 zuzog und bestimmte Verträge oder Anträge aus 2023 nachweisen konnte. Wer jetzt kommt, fällt nicht mehr darunter.

Der Nachfolger, das IFICI nach Artikel 58-A des portugiesischen Steuervergünstigungsgesetzes, hilft dir als Rentner nicht. Es verlangt eine Tätigkeit aus einer festen Liste: Lehre und Forschung an Hochschulen, qualifizierte Stellen in geförderten Unternehmen, Start-ups und ähnliche Fälle. Begünstigt werden mit 20 Prozent nur Einkünfte aus unselbständiger und selbständiger Arbeit in diesen Tätigkeiten. Eine Rente ist keine solche Tätigkeit. Wer früher den NHR-Status hatte, ist vom IFICI ohnehin ausgeschlossen. Die Einzelheiten stehen im Beitrag zum IFICI in Portugal.

Nachteil 2: Portugal besteuert deine deutsche Rente voll

Das ist der Punkt, der die Rechnung am stärksten verschiebt. Nach dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Portugal von 1980 besteuert der Wohnsitzstaat die Rente, also Portugal, sobald du dort lebst. Für Betriebsrenten aus früherer Arbeit gilt die Regel für Ruhegehälter; das portugiesische Finanzamt fasst sie in seinem Steuerleitfaden zum Abkommen mit Deutschland so zusammen: Renten für frühere Arbeit darf nur der Wohnsitzstaat besteuern. Für die gesetzliche Rente hat der Bundesfinanzhof im Urteil X R 1/24 vom 3. September 2025 klargestellt, dass sie unter die Auffangklausel in Artikel 22 des Abkommens fällt, weil das Abkommen, anders als viele andere, keine eigene Regel für Sozialversicherungsrenten enthält. Ergebnis in beiden Fällen: Portugal hat das Besteuerungsrecht, Deutschland nicht.

Das klingt nach Entlastung, ist aber für die meisten Rentner der größte Nachteil, denn Portugal besteuert progressiv, und die Stufen steigen schnell.

Die portugiesischen Steuersätze

Artikel 68 des portugiesischen Einkommensteuergesetzes sieht in der Fassung, die das Finanzamt im November 2026 ausweist, diese Tabelle vor:

Zu versteuerndes Einkommen im JahrGrenzsteuersatz
bis 8.342 Euro12,20 %
8.342 bis 12.587 Euro15,20 %
12.587 bis 17.838 Euro20,70 %
17.838 bis 23.089 Euro23,60 %
23.089 bis 29.397 Euro30,60 %
29.397 bis 43.090 Euro34,60 %
43.090 bis 46.566 Euro43,10 %
46.566 bis 86.634 Euro44,60 %
ĂĽber 86.634 Euro48,00 %

Von deiner Bruttorente ziehst du vorher einen festen Pauschalabzug ab. Nach Artikel 53 in Verbindung mit Artikel 25 beträgt er das 8,54-Fache des Sozialindex IAS. Der IAS liegt laut Portaria 480-A/2025/1 für 2026 bei 537,13 Euro, der Abzug also bei 4.587,09 Euro pro Person.

Ein Rechenbeispiel

Angenommen, du bekommst 1.500 Euro gesetzliche Rente im Monat, also 18.000 Euro im Jahr. Nach dem Pauschalabzug bleiben 13.412,91 Euro zu versteuern. Portugal rechnet nach Artikel 68 Absatz 2: Auf die ersten 12.587 Euro gilt der Durchschnittssatz dieser Stufe von 13,212 Prozent, auf den Rest der Satz der nächsten Stufe von 20,70 Prozent. Das ergibt rund 1.834 Euro Einkommensteuer im Jahr, gut 10 Prozent deiner Bruttorente. Bei 2.000 Euro im Monat sind es nach derselben Rechnung rund 3.122 Euro, also 13 Prozent. Davon gehen noch die Abzüge von der Steuerschuld ab, die Artikel 78 erlaubt, etwa für allgemeine Haushaltsausgaben, Gesundheitskosten und Pflegeheimkosten. Die Rechnung zeigt trotzdem: Mit dem Bild vom steuerfreien Ruhestand in Portugal hat das nichts mehr zu tun.

Dazu kommt die Pflicht zur Steuererklärung. Die Erklärung für das Vorjahr gibst du nach Artikel 60 elektronisch zwischen dem 1. April und dem 30. Juni ab, auf Portugiesisch und über das Portal der Finanzverwaltung. Die deutsche Rentenversicherung zahlt brutto aus, ohne Steuerabzug. Das Geld für die portugiesische Steuer musst du also selbst zurücklegen.

Wer noch den alten NHR-Status hat

Für Altfälle hat das Urteil X R 1/24 eine zweite Seite. Artikel 22 Absatz 1 Satz 2 des Abkommens enthält eine Rückfallklausel: Unterliegt die Rente in Portugal nicht der Steuer, darf Deutschland sie besteuern. Der Bundesfinanzhof hat das für einen Rentner bejaht, dessen Renten wegen eines vor dem 1. April 2020 gestellten NHR-Antrags in Portugal steuerfrei waren. Das Gericht weist selbst darauf hin, dass für spätere NHR-Fälle eine portugiesische Steuer von 10 Prozent gilt. Wer mit steuerfreiem Altstatus in Portugal lebt, sollte seine deutschen Bescheide prüfen lassen.

Bezüge aus öffentlichen Kassen

Beamtenpensionen und andere Bezüge aus öffentlichen Kassen behandelt das Abkommen gesondert von der gesetzlichen Rente. Wenn du neben einer Pension noch eine gesetzliche Rente oder eine Betriebsrente beziehst, gehören die Bezüge vor dem Umzug einzeln auf den Prüfstand. Eine gemeinsame Rechnung für Portugal und Deutschland klärst du am besten in der Steuerberatung Portugal.

Wenn deine Rente aus Ă–sterreich oder der Schweiz kommt

Auch die Abkommen dieser beiden Länder mit Portugal geben das Besteuerungsrecht für Renten aus früherer Arbeit dem Wohnsitzstaat:

Nachteil 3: Deine Krankenkasse bleibt deutsch, die Behandlung wird portugiesisch

Als Bezieher einer deutschen gesetzlichen Rente bleibst du nach dem Umzug in der deutschen Krankenversicherung. Das Merkblatt der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (DVKA) sagt es deutlich: Du zahlst weiter deine Beiträge an die Krankenkasse in Deutschland, ein Wechsel in die Versicherung am Wohnort ist nicht möglich. Das gilt ausdrücklich auch für Staaten mit einem nationalen Gesundheitsdienst wie Portugal, und es gilt ebenso für Pensionäre und Bezieher von Leistungen berufsständischer Versorgungswerke.

Was du dafür bekommst, richtet sich nach portugiesischem Recht. Mit dem Formular S1 deiner Krankenkasse meldest du dich beim portugiesischen Gesundheitsdienst SNS an und erhältst die Sachleistungen, die dort Versicherte bekommen, mit den dort üblichen Eigenanteilen. Leistungen, die in Deutschland selbstverständlich sind, kann es in Portugal in anderer Form oder gar nicht geben, und den deutschen Beitrag zahlst du trotzdem. Wie der SNS im Alltag funktioniert und wo es hakt, steht im Guide zur medizinischen Versorgung in Portugal.

Ein Vorteil bleibt: Bei einem vorübergehenden Aufenthalt in Deutschland kannst du laut DVKA mit deiner elektronischen Gesundheitskarte wie bisher zum Arzt gehen. Planbare Behandlungen kannst du deshalb auf deine Besuche in Deutschland legen. Für mitreisende Familienangehörige richtet sich der Anspruch allerdings nach dem Recht des Wohnstaats.

Nachteil 4: Pflege gibt es nur zum Teil

Die Pflegeversicherung folgt der Krankenversicherung, sie bleibt also ebenfalls in Deutschland. Das DVKA-Merkblatt zur Pflege unterscheidet zwei Arten von Leistungen:

  • Geldleistungen wie das Pflegegeld zahlt deine deutsche Pflegekasse direkt, auch nach Portugal.
  • Sachleistungen, also professionelle Pflege zu Hause oder ein Platz im Pflegeheim, bekommst du nur so, wie das Recht deines Wohnstaats sie vorsieht. Die DVKA weist selbst darauf hin, dass viele Staaten keinen der deutschen Pflegeversicherung vergleichbaren Zweig haben und der Umfang stark abweichen kann. Werden Sachleistungen in Portugal erbracht, wird ihr Wert auf das Pflegegeld angerechnet.

Für Rentner ist das ein ernster Punkt. Wer im hohen Alter pflegebedürftig wird, braucht in Portugal entweder Angehörige vor Ort oder Geld für private Pflege. Plane das ein, solange du gesund bist, nicht erst, wenn es so weit ist.

Nachteil 5: Kalte Wohnungen im Winter

Portugals Winter sind mild, die Häuser aber oft nicht dafür gebaut. Das zeigt die Statistik: Nach Eurostat konnten 2025 in Portugal 15,6 Prozent der Menschen ihre Wohnung nicht angemessen warm halten. In Deutschland waren es 5,7 Prozent, im EU-Durchschnitt 8,8 Prozent. Für Rentner, die mehr Zeit zu Hause verbringen, ist das keine Komfortfrage. Prüfe bei jeder Wohnung Dämmung, Fenster und Heizung, am besten bei einer Besichtigung im Januar. Die Unterschiede zu Spanien zeigt der Vergleich Auswandern nach Spanien oder Portugal.

Nachteil 6: Die deutsche Erbschaftsteuer zieht fĂĽnf Jahre mit

Portugal selbst ist beim Erben freundlich. Unentgeltliche Erwerbe kosten nach Ziffer 1.2 der Stempelsteuertabelle zwar 10 Prozent Stempelsteuer, Ehe- und Lebenspartner, Kinder, Enkel und Eltern sind nach Artikel 6 des Stempelsteuergesetzes aber befreit.

Der Haken liegt in Deutschland. Nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b Erbschaftsteuergesetz bleibst du als deutscher Staatsangehöriger noch fünf Jahre nach dem Wegzug unbeschränkt erbschaftsteuerpflichtig, solange du in dieser Zeit keinen Wohnsitz in Deutschland hast. Stirbst du in diesen fünf Jahren, besteuert Deutschland den gesamten Nachlass nach deutschem Recht. Und wenn deine Erben in Deutschland wohnen, sind sie nach derselben Vorschrift ohnehin mit dem gesamten Erwerb steuerpflichtig, egal wo du lebst. Der Umzug nach Portugal spart beim Vererben also oft weniger, als viele denken.

Nachteil 7: Papiere, Fristen und Pflichten auf beiden Seiten

Als EU-Bürger brauchst du kein Visum. Ganz ohne Formalitäten geht es trotzdem nicht. Laut dem portugiesischen Bürgerportal musst du nach den ersten drei Monaten innerhalb von 30 Tagen bei der Gemeinde (Câmara Municipal) das Registrierungszertifikat beantragen. Es kostet 15 Euro und gilt fünf Jahre. Wer länger als drei Monate ohne Zertifikat bleibt, riskiert ein Bußgeld von 400 bis 1.500 Euro. Voraussetzung für das Aufenthaltsrecht sind ausreichende Mittel und eine Krankenversicherung; als ausreichend gilt eine Rente, die nicht unter dem Niveau liegt, ab dem Portugal Sozialleistungen gewährt. Nach fünf Jahren legalem Aufenthalt hast du ein Daueraufenthaltsrecht.

Steuerlich ansässig wirst du nach Artikel 16, wenn du dich mehr als 183 Tage in einem Zeitraum von zwölf Monaten in Portugal aufhältst oder dort eine Wohnung hast, die du als gewöhnlichen Wohnsitz nutzen willst, und zwar ab dem ersten Tag des Aufenthalts. Behältst du gleichzeitig eine nutzbare Wohnung in Deutschland, bleibst du dort ebenfalls unbeschränkt steuerpflichtig, und es beginnt der Streit darüber, wo dein Lebensmittelpunkt liegt.

Auf deutscher Seite bleiben zwei Pflichten. Die Deutsche Rentenversicherung zahlt deine Rente bei einem dauerhaften Umzug in ein EU-Land in der bisherigen Höhe auf ein Konto deiner Wahl, wenn du den Renten Service der Deutschen Post rechtzeitig informierst. Und einmal im Jahr verlangt sie eine Lebensbescheinigung, die du zurückschicken musst.

Nachteil 8: Weit weg, wenn es ernst wird

Ein Punkt, den keine Tabelle zeigt: Die Entscheidung für Portugal triffst du mit 65, die Folgen trägst du mit 80. Arzttermine, Behördenpost und Verträge laufen auf Portugiesisch, und nicht jeder lernt die Sprache im Ruhestand noch so gut, dass ein schwieriges Gespräch im Krankenhaus gelingt. Kinder und Enkel sind einen Flug entfernt. Wer allein lebt oder dessen Partner gesundheitlich angeschlagen ist, sollte durchspielen, wer im Notfall vor Ort hilft, und eine Vorsorgevollmacht anlegen, die auch in Portugal verstanden wird.

FĂĽr wen sich Portugal als Rentner trotzdem rechnet

Die Nachteile machen Portugal nicht zum falschen Ziel, sie verschieben nur, für wen es passt. Gut funktioniert der Umzug für Rentner mit kleiner oder mittlerer Rente, deren portugiesische Steuer überschaubar bleibt (bei 1.500 Euro Rente im Monat rund 10 Prozent), die eine gut gedämmte Wohnung finden, Portugiesisch lernen wollen und die Pflegefrage geklärt haben. Schwierig wird es für hohe Renten, die schnell in die Stufen über 30 Prozent rutschen, und für alle, die ihre Entscheidung noch auf dem alten NHR-Versprechen aufbauen.

Rechne vor dem Umzug drei Dinge durch: die portugiesische Steuer auf deine konkreten Bezüge, Rente für Rente; die Kosten deiner Gesundheitsversorgung mit deutschem Beitrag und portugiesischem Eigenanteil; und wer dich pflegt, wenn du es selbst nicht mehr kannst. Wenn du die steuerliche Seite mit Deutschland und Portugal zusammen klären willst, ist die Steuerberatung zum Umzug nach Portugal der nächste Schritt.