Der Umzug nach Frankreich verlangt eine sorgfältige Planung deines Versicherungsschutzes, denn das französische System funktioniert grundlegend anders als das in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Die staatliche Krankenversicherung, die Sécurité Sociale, erstattet in der Regel nur rund 70 Prozent der ambulanten Behandlungskosten. Den Rest trägst du selbst oder über eine private Zusatzversicherung, die Mutuelle, die praktisch jeder Franzose hat. Wer nach Frankreich zieht, braucht also fast immer zwei Bausteine: den Zugang zum staatlichen System und die passende Ergänzung.

Dieser Leitfaden führt dich durch PUMa, Carte Vitale und Mutuelle und zeigt, welche weiteren Versicherungen in Frankreich Pflicht sind.

So kommst du ins französische System

Seit 2016 gilt die Protection Universelle Maladie (PUMa): Jeder, der stabil und rechtmäßig in Frankreich wohnt oder dort arbeitet, hat Anspruch auf die staatliche Krankenversicherung. Für Auswanderer heißt das: Nach etwa drei Monaten stabilen Aufenthalts kannst du dich bei der lokalen Krankenkasse CPAM (Caisse Primaire d'Assurance Maladie) anmelden; Arbeitnehmer werden über den Arbeitgeber angemeldet und sind ab Jobbeginn versichert. Zentrale Anlaufstelle und Online-Portal der Assurance Maladie ist ameli.fr.

Für die Anmeldung brauchst du Ausweis, Wohnsitznachweis, Geburtsurkunde und je nach Status Arbeitsvertrag oder Selbstständigkeitsnachweis. Danach erhältst du deine Sozialversicherungsnummer und schließlich die Carte Vitale, die elektronische Gesundheitskarte, mit der Ärzte und Apotheken direkt abrechnen. Bis sie da ist, reichst du Rechnungen über Formulare zur Erstattung ein; in der Übergangszeit hilft die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC). Einen guten englischsprachigen Überblick über das System bietet die staatliche Verbindungsstelle CLEISS.

Seit der Abschaffung des Régime Social des Indépendants (RSI) laufen Selbstständige über das allgemeine System: Beiträge zieht die Urssaf ein, die Krankenversicherung liegt bei der CPAM. Die Beiträge sind einkommensabhängig; auch hier gilt die 70-Prozent-Logik mit Mutuelle als Ergänzung. Was generell in ein Auswanderer-Paket gehört, zeigt unser Überblick über die wichtigsten Versicherungen für Expats.

Die Mutuelle: Kosten und Auswahl

Die Mutuelle übernimmt die Differenz zwischen Erstattung und tatsächlichen Kosten, also Praxisgebühren-Anteile, Klinik-Tagessätze, Zahnersatz, Brillen und mehr. Für Angestellte ist eine Betriebs-Mutuelle Pflicht: Der Arbeitgeber muss sie anbieten und mindestens die Hälfte der Prämie tragen, der Eigenanteil liegt 2026 meist bei 30 bis 70 Euro im Monat. Individuell abgeschlossene Tarife kosten je nach Alter und Leistungsniveau von rund 30 Euro (Basis) bis über 120 Euro im Monat (Komfort mit Einzelzimmer und Spezialistendeckung); zum Jahreswechsel 2026 sind die Prämien im Schnitt um etwa 4 Prozent gestiegen. Rentner zahlen tendenziell mehr, weil der Arbeitgeberzuschuss entfällt.

Zur Einordnung der Beträge: Die Hausarztkonsultation nach Kassentarif kostet 30 Euro, davon erstattet die Sécurité Sociale 70 Prozent abzüglich einer kleinen Eigenbeteiligung; im Krankenhaus kommt der tägliche Eigenanteil (forfait journalier) von 20 Euro hinzu, den die Mutuelle üblicherweise übernimmt. Ohne Zusatzversicherung summieren sich diese Posten schnell, mit ihr bleibt der Eigenanteil überschaubar.

Vergleiche vor allem drei Positionen: Zahnleistungen (in Frankreich teuer), Optik und die Erstattung von Honorarüberschreitungen der Fachärzte (dépassements d'honoraires), die gerade in Paris und an der Côte d'Azur üblich sind.

Zwei Sozialleistungen solltest du kennen: Geringverdiener haben Anspruch auf die Complémentaire santé solidaire, eine kostenlose oder stark verbilligte staatliche Zusatzdeckung. Und über die Reform "100 % santé" bekommst du bei Brillen, Zahnersatz und Hörgeräten definierte Versorgungspakete komplett ohne Eigenanteil, sofern Sécurité Sociale plus Mutuelle zusammenspielen; frag beim Optiker oder Zahnarzt aktiv nach dem Nulltarif-Korb.

Rentner, Grenzgänger und Familien

Beziehst du eine gesetzliche Rente aus Deutschland oder Österreich, überträgst du deinen Schutz mit dem Formular S1 nach Frankreich: Du wirst bei der CPAM registriert und behandelt wie ein französischer Versicherter, während deine Heimatkasse zahlt. Eine Mutuelle bleibt trotzdem sinnvoll, denn die 70-Prozent-Erstattungslogik gilt auch für dich. Details zur Absicherung im Alter liefert der Beitrag zur Krankenversicherung für Rentner im Ausland; einen Standortüberblick bietet die Seite zu Frankreich als Ruhestandsziel.

Auch Schweizer Grenzgänger nach Frankreich kennen ein Wahlrecht zwischen den Systemen, das innerhalb kurzer Frist nach Stellenantritt ausgeübt werden muss und danach bindend bleibt; hier entscheidet die individuelle Situation über tausende Euro pro Jahr.

Grenzgänger sind grundsätzlich im Beschäftigungsland versichert und lassen sich per S1 im Wohnland registrieren. Familienangehörige ohne eigenes Einkommen werden in Frankreich mitversichert; Kinder erhalten ab 16 eine eigene Carte Vitale. Für Schweizer gilt: Die obligatorische Krankenpflegeversicherung endet mit der Ausreise, danach greift das französische System nach denselben PUMa-Regeln.

Diese Versicherungen sind in Frankreich Pflicht

  • Assurance habitation: Als Mieter bist du gesetzlich verpflichtet, eine Wohnversicherung abzuschließen, ohne Nachweis bekommst du kaum einen Mietvertrag. Sie kombiniert Hausrat-, Gebäudehaftungs- und Haftpflichtelemente (responsabilité civile) und kostet meist nur wenige hundert Euro im Jahr.

  • Kfz-Haftpflicht: Pflicht für jedes Fahrzeug; nach dem Umzug musst du dein Auto zeitnah ummelden und französisch versichern.

  • Schulversicherung (assurance scolaire): für viele Schulaktivitäten der Kinder verlangt, oft in der Haftpflicht der assurance habitation enthalten.

Ergänzend sinnvoll: eine Unfall- oder Berufsunfähigkeitslösung, denn das staatliche Invaliditätsniveau ist begrenzt, sowie für Vielreisende und digitale Nomaden eine internationale Police, wie sie unsere Kanzlei St Matthew im Beitrag zur Auslandskrankenversicherung für digitale Nomaden beschreibt.

GKV-Ausstieg und Übergangsphase richtig managen

Mit der Wohnsitzabmeldung endet deine deutsche GKV-Mitgliedschaft. Bis PUMa und Carte Vitale stehen, können Wochen vergehen; überbrücke diese Phase mit einer Auslandskrankenversicherung für Auswanderer, statt auf Lücke zu fahren. Wer sich die Rückkehr offenhalten will, sichert sich zusätzlich eine Anwartschaftsversicherung; bei einer späteren Rückkehr aus der EU werden französische Versicherungszeiten außerdem angerechnet. Spezialisierte Expat-Versicherungslösungen bündeln Kranken-, Haftpflicht- und Unfallschutz für genau diese Übergangsjahre.

Hausarztsystem, Vorsorge und Pflege

Damit die Erstattungen voll fließen, musst du einen médecin traitant deklarieren, deinen festen Hausarzt im französischen Behandlungspfad (parcours de soins). Gehst du ohne Deklaration oder Überweisung direkt zum Spezialisten, kürzt die Sécurité Sociale die Erstattung deutlich. Der Hausarzt ist also nicht nur medizinisch, sondern auch finanziell deine erste Adresse; suche dir früh eine Praxis, in Ballungsräumen sind Kapazitäten knapp.

Bei der Vorsorge lohnt der Blick auf die zweite Ebene: Die staatlichen Invaliditätsleistungen sind begrenzt, weshalb Arbeitgeber häufig Prévoyance-Verträge für Berufsunfähigkeit und Todesfall anbieten, Selbstständige nutzen steuerbegünstigte Vorsorgeverträge über den Plan d'Épargne Retraite. Eine separate Pflegepflichtversicherung wie in Deutschland kennt Frankreich nicht; im Pflegefall unterstützt die staatliche Beihilfe APA, den Rest deckst du über private Pflegepolicen oder Vermögen.

Praktische Schritte in den ersten Monaten

Melde dein Fahrzeug zeitnah auf eine französische Zulassung (carte grise) um und schließe die lokale Kfz-Police ab, sonst fährst du nach der Übergangsfrist unversichert. Kündige deutsche Verträge erst, wenn der französische Schutz steht, und lass dir Versicherungszeiten schriftlich bestätigen. Halte in der Übergangszeit EHIC, Auslandspolice und alle Belege parat, denn Erstattungen laufen anfangs über Papierformulare. Und wenn du mit Kindern kommst: Die Schulversicherung wird gleich in der ersten Schulwoche verlangt, kläre vorher, ob deine Haftpflicht sie abdeckt.

So startest du gut versichert in Frankreich

Der Fahrplan ist klar: Vor dem Umzug Auslandspolice für die Übergangszeit abschließen und Anwartschaft prüfen. Nach der Ankunft CPAM-Anmeldung anstoßen, Carte Vitale beantragen und die Mutuelle passend zu Zähnen, Augen und Region wählen. Parallel assurance habitation für die Wohnung und Kfz-Versicherung fürs Auto regeln. Rentner beantragen das S1 schon vor der Abreise.

Rechne zum Schluss einmal dein persönliches Gesundheitsbudget durch: Kopfprämien wie in der Schweiz kennt Frankreich zwar nicht, aber zwischen Sozialabgaben, Mutuelle, Eigenanteilen und Pflichtpolicen für Wohnung und Auto kommen realistisch mehrere hundert Euro im Monat zusammen. Wer das vorab kalkuliert, erlebt beim ersten französischen Gehaltszettel oder Rentenbescheid keine Überraschung.

Und weil Frankreich mit Einkommensteuer, Sozialabgaben und Vermögenssteuer auf Immobilien steuerlich seine Eigenheiten hat, lohnt der Blick aufs Gesamtbild: Im Beratungsgespräch zu Wegzug und Wohnsitzverlagerung planen wir Steuern, Sozialversicherung und Absicherung zusammen.