Du willst Deine Steuern legal senken, ohne jemals in so einem Datensatz aufzutauchen? Der sauberste Weg ist die Wohnsitzverlagerung, richtig geplant und komplett transparent.
Jetzt Beratungsgespräch buchenIn den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu sogenannten Leaks, bei denen teils sehr umfangreiche Datenbestände zu geheimen Auslandskonten und steuerlichen Gestaltungen durch Insider und Whistleblower an die Öffentlichkeit gelangten. Ans Tageslicht gezerrt wurden dabei illegale, halblegale und manchmal auch nur vermeintlich illegale Kapitalbewegungen von Unternehmen und Privatpersonen.
Die Praxis des Leakens mag es schon länger geben, weltweite Aufmerksamkeit erreichte sie aber erst 2013 mit den Offshore Leaks. Die Größenordnung, um die es geht, hatte die EU-Kommission kurz zuvor beziffert: rund eine Billion Euro, also 1.000 Milliarden, entgehen den Staaten Europas nach dieser Schätzung jedes Jahr durch Steuerhinterziehung und Steuerumgehung. Seitdem wuchs sich fast jedes Jahr ein neuer Datensatz zum Skandal aus. Grund genug, sich einmal genauer anzusehen, worum es im Einzelnen ging und was daraus geworden ist.
Zum Einstieg: Taucht Dein Name in den Pandora Papieren auf?
Wie leicht sich heute prüfen lässt, wer in den geleakten Datensätzen steht, haben wir in unserem Podcast Perspektive Ausland im Selbstversuch getestet. Die Folge zeigt auch, was deutsche Behörden mit den Daten machen, denn das Land Hessen hat die Pandora-Daten 2023 komplett angekauft.
April 2013: Die Offshore Leaks
Spektakulär war vor allem der Umfang: Die geleakten Dokumente enthielten rund 130.000 Personen-Datensätze zu Menschen, die Offshore-Firmen besitzen, führen oder sich hinter ihnen verbergen, dazu Informationen über die Beteiligung zahlreicher Großbanken. Im Kern ging es um das lukrative Geschäft mit der Gründung und Verwaltung von Trusts und Briefkastenfirmen an Offshore-Finanzplätzen.
Bereits Ende 2010 lag der britischen Steuerbehörde eine Festplatte mit 400 Gigabyte an Daten vor, die sie mit den Kollegen in den USA und Australien teilte. Eine weitere Festplatte mit 260 Gigabyte, immerhin 2,5 Millionen Dokumente, erhielt das Internationale Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) von einer anonymen Quelle schon 2011; veröffentlicht wurde die Auswertung im April 2013. Warum die Behörden ihr Wissen jahrelang nicht öffentlich machten, ist bis heute nicht geklärt.
Die Daten stammten aus zehn Offshore-Jurisdiktionen: den Britischen Jungferninseln, den Cayman Islands, den Cook Islands, Singapur, Hongkong, Samoa, den Seychellen, Mauritius, Labuan und Malaysia. Als Mittler dienten so ziemlich alle schwergewichtigen internationalen Banken; nach den Recherchen der Journalisten beteiligte sich die Deutsche Bank besonders aktiv daran, Kunden bei der Steuerflucht zu helfen.
Das Magazin Focus, dem ebenfalls ein eigenes Datenpaket zugespielt wurde, meldete damals, über 100.000 Personen aus Deutschland sollen Geld in Steuerparadiesen untergebracht haben; amtlich bestätigt wurde diese Zahl nie. Der im deutschsprachigen Raum bekannteste Name war Gunter Sachs, dem die Berner Steuerverwaltung nach einer Prüfung allerdings bescheinigte, seine Offshore-Strukturen korrekt deklariert zu haben. Wie viel Steuergeld den Staaten durch die aufgedeckten Konstrukte insgesamt entgangen ist, lässt sich bis heute nicht seriös beziffern. Viel Zeit zur Aufarbeitung blieb ohnehin nicht, denn nur gut 18 Monate später bahnte sich der nächste Skandal an.
November 2014: Die Luxemburg Leaks
Diesmal ging es nicht um Privatpersonen, sondern ausschließlich um Unternehmen, und zwar um 343 Konzerne, darunter Namen wie Amazon, Ikea, Pepsi, FedEx, Heinz und, wen wundert es, die Deutsche Bank. Unter Vermittlung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hatte Luxemburg mit diesen Konzernen zwischen 2002 und 2010 vertrauliche Steuervorbescheide vereinbart, die es ihnen ermöglichten, ihre Steuerlast teils auf unter ein Prozent zu drücken; bei FedEx errechneten die Journalisten 0,25 Prozent.
Knapp 28.000 Seiten mit 548 dieser verbindlichen Vorbescheide gelangten an das ICIJ, in zwei Wellen im November und Dezember 2014; die zweite Welle brachte 35 weitere Konzerne wie Disney und Skype ans Licht und zeigte, dass neben PwC auch die anderen großen Prüfungsgesellschaften im Geschäft waren.
Für die Konzerne blieb die Sache am Ende tatsächlich fast folgenlos: Luxemburg verwies darauf, die Praxis sei weitgehend legal und andere EU-Staaten machten es genauso, und die Beihilfeverfahren der EU-Kommission gegen einzelne Deals wurden Jahre später vom Europäischen Gerichtshof wieder einkassiert. Verurteilt wurden stattdessen die Whistleblower: Antoine Deltour und Raphaël Halet, die beiden früheren PwC-Mitarbeiter, die die Dokumente weitergegeben hatten, standen in Luxemburg vor Gericht. Deltour wurde erst 2018 vom Kassationshof als Whistleblower rehabilitiert, Halet sogar erst 2023 durch die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, die in seiner Verurteilung eine Verletzung der Meinungsfreiheit sah. Merke: Der Staat kam bei LuxLeaks schneller hinter den Boten her als hinter dem Inhalt der Botschaft. Immerhin eine Regel änderte sich, die EU-Staaten tauschen solche Steuervorbescheide seither automatisch untereinander aus. Bis zum nächsten Skandal vergingen dann nur acht Wochen.
Februar 2015: Die Swiss Leaks
Hierbei handelte es sich um das damals größte öffentlich bekannt gewordene Datenleck in der Bankenbranche. Der Urheber war schon Jahre vorher aktiv geworden: Der IT-Mitarbeiter Hervé Falciani hatte die Kundendaten der Genfer HSBC-Niederlassung 2008 entwendet und den französischen Behörden übergeben. Aus deren Steuerermittlung gelangte eine Kopie an die Zeitung Le Monde, die sie mit dem ICIJ teilte.
Betroffen waren rund 106.000 Kunden aus über 200 Ländern mit Konten über insgesamt etwa 100 Milliarden US-Dollar, darunter zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, aber auch Gestalten aus der organisierten Kriminalität. Diesmal ermittelten die Steuerbehörden intensiv, denn nur wenige der Konten waren ihnen vorher bekannt gewesen. Über die Jahre kamen durch Nachversteuerungen und Vergleichszahlungen der HSBC an mehrere Staaten kumuliert über eine Milliarde Euro zusammen. Interessanterweise erhielten die Swiss Leaks trotzdem nicht allzu viel öffentliche Aufmerksamkeit. Ganz anders ein gutes Jahr später.
April 2016: Die Panama Papers
Diesmal ging es um Briefkastenfirmen der global tätigen panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca. Solche Firmen können neben legalen auch illegalen Zwecken dienen, der Steuerhinterziehung, der Geldwäsche oder der Umgehung von Sanktionen. Und genau das geschah hier in bis dahin unbekanntem Ausmaß.
Sagenhafte 2,6 Terabyte Daten mit 11,5 Millionen Dokumenten aus den Jahren 1977 bis Ende 2015 spielte eine anonyme Quelle unter dem Namen John Doe der Süddeutschen Zeitung zu, nachdem mehrere andere Medien und sogar WikiLeaks auf das Angebot nicht reagiert hatten. Die Auswertung lief wieder über das ICIJ, mit hunderten Journalisten weltweit. Die Dokumente zeigten, wie über 14.000 Banken, Kanzleien und andere Vermittler für ihre Endkunden mehr als 214.000 Briefkastenfirmen in 21 Steuerparadiesen gründen ließen; allein über 500 Banken samt Töchtern registrierten rund 15.600 solcher Gesellschaften.
In den Skandal verwickelt wurden Staats- und Regierungschefs, Sportfunktionäre, Spitzensportler und Konzerne auf der ganzen Welt, bis hin zu Drogenkartellen und Terrornetzwerken. Auch Deutschland war betroffen: Allein hierzulande spülten die Ermittlungen nach amtlichen Angaben rund 72 Millionen Euro in die Staatskassen, weltweit haben die Steuerbehörden nach ICIJ-Zählung inzwischen über 1,3 Milliarden US-Dollar eingetrieben, davon knapp 200 Millionen in Deutschland.
Das juristische Nachspiel in Panama selbst endete dagegen ernüchternd: Im Juni 2024 sprach ein Gericht in Panama-Stadt alle 28 Angeklagten frei, auch Kanzleigründer Jürgen Mossack, unter anderem weil die Beweismittel nicht sauber gesichert worden waren. Ramón Fonseca hatte das Urteil nicht mehr erlebt, er starb wenige Wochen vorher. In Deutschland liefen einzelne Verfahren gegen Beteiligte noch 2026 weiter. Die Kanzlei Mossack Fonseca gibt es seit 2018 nicht mehr, und ihr Name steht bis heute als Synonym für ein Geschäftsmodell, das so nicht wiederkam.
Briefkastenfirma war gestern. Wer heute legal Steuern sparen will, verlagert den Wohnsitz, offen und mit sauberer Struktur.
Jetzt Beratungsgespräch buchenSeptember 2016: Die Bahamas Leaks
Noch im selben Jahr veröffentlichte das ICIJ 1,3 Millionen Dateien aus dem Unternehmensregister der Bahamas, mit den Namen von Direktoren und Eigentümern von rund 175.000 Gesellschaften, Stiftungen und Trusts, die dort zwischen 1990 und 2016 registriert wurden. Das ICIJ stellte dabei ausdrücklich klar, dass die Nutzung von Offshore-Gesellschaften für sich genommen nicht illegal ist.
Der international prominenteste Name war die frühere EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, die eine nie deklarierte Direktorenrolle in einer Bahamas-Firma innehatte. Die Enthüllung kam für die EU-Kommission zur Unzeit, denn parallel prüfte deren Ethikkomitee gerade den Wechsel des früheren Kommissionspräsidenten Barroso zur Investmentbank Goldman Sachs. In Deutschland machten die Bahamas Leaks vor allem Schlagzeilen, weil die BMW-Großaktionäre Susanne Klatten und Stefan Quandt sowie Fußballlegende Uwe Seeler seit den Achtzigerjahren Gesellschaften in der Karibik gemeldet hatten. Nennenswerte Folgen hatten die Bahamas Leaks, zumindest in Deutschland, nicht, sieht man von Imageschäden ab. Ähnlich glimpflich verlief der nächste Fall acht Monate später.
Mai 2017: Die Malta Files
Nur kurz standen die Malta Files im Blickpunkt. Spannend daran: Malta wurde damals vorgeworfen, seine laufende EU-Ratspräsidentschaft zu nutzen, um schärfere Regeln gegen Steuervermeidung auszubremsen; die Regierung dementierte. Dass die rund 150.000 vertraulichen Dokumente ausgerechnet während dieser Präsidentschaft beim Rechercheverbund European Investigative Collaborations landeten, muss daher nicht jeden überraschen.
Die Unterlagen zeigten, wie internationale Konzerne über maltesische Gesellschaften Steuern in Milliardenhöhe sparten. Aus Deutschland dabei: BMW, BASF, die Deutsche Bank, Puma, Merck, Bosch, K+S, Rheinmetall und die Lufthansa mit allein 18 Malta-Töchtern. Die Unternehmen erklärten die Konstrukte für legal und den Finanzbehörden bekannt. Fast zeitgleich, aber unabhängig davon, erhielt die Steuerfahndung in Nordrhein-Westfalen von einem anonymen Informanten kostenlos einen Datenträger mit zehntausenden Malta-Gesellschaften, darunter knapp 2.000 mit Deutschland-Bezug, und arbeitete die Fälle systematisch ab. Am maltesischen Steuersystem selbst änderte sich nichts Grundlegendes. Anders beim Skandal, der nur wenige Monate später folgte.
November 2017: Die Paradise Papers
Es handelte sich um 13,4 Millionen Dokumente, hauptsächlich von der Offshore-Kanzlei Appleby und dem Treuhandunternehmen Asiaciti Trust, ergänzt um die bis dahin unbekannten Firmenregister von 19 Steueroasen, darunter die Bahamas, die Cayman Islands und Malta. Die Daten gingen wieder an die Süddeutsche Zeitung, ausgewertet wurde im ICIJ-Verbund, veröffentlicht Anfang November 2017.
In den Datensätzen tauchten die Namen von über 120 Politikern aus 47 Ländern auf, darunter 14 amtierende oder frühere Staats- und Regierungschefs. Dazu höchst prominente Namen wie die inzwischen verstorbene Queen Elizabeth II. oder Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton. Auch deutsche Vermögende standen in den Papieren, etwa die Familie Engelhorn, deren Erben zuvor bereits 145 Millionen Euro Schenkungsteuer nachgezahlt hatten. Und Altkanzler Gerhard Schröder tauchte auf, allerdings nicht mit eigenem Offshore-Vermögen, sondern als Beiratsmitglied einer auf den Britischen Jungferninseln registrierten Ölgesellschaft. Bei den Konzernen las sich die Liste wie ein Weltbörsenindex: Apple, Nike, Facebook, eBay, McDonald's, Walmart, dazu aus Deutschland Sixt, die Deutsche Post, Siemens, Allianz, Bayer und die Deutsche Bank.
Bemerkenswert war die politische Reaktion: In den EU-Verhandlungen über öffentliche Register der wirtschaftlichen Eigentümer wehrten sich mehrere Mitgliedstaaten just in dieser Zeit erfolgreich dagegen, auch Trusts und Stiftungen voll offenzulegen. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Gelohnt hat sich die Auswertung für den Fiskus trotzdem: Fünf Jahre nach der Veröffentlichung meldeten die deutschen Behörden ein Mehrergebnis von mindestens 75 Millionen Euro aus den Paradise-Papers-Daten.
Oktober 2018: Die CumEx-Files
Ein knappes Jahr später folgte der Finanzskandal, der im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit den tiefsten Eindruck hinterlassen hat und bis heute nachwirkt. Kurz gesagt ging es um die Plünderung der Staatskasse durch ein Netzwerk aus Aktienhändlern, Bankern, Steuerberatern und Anwälten: Aktienpakete wurden rund um den Dividendenstichtag so schnell hin und her geschoben, dass der Fiskus eine nur einmal gezahlte Kapitalertragsteuer mehrfach erstattete, teils an Beteiligte, die nie Steuern gezahlt hatten.
Enthüllt wurde das System am 18. Oktober 2018 durch das Recherchezentrum CORRECTIV mit Medien aus einem Dutzend Ländern. Die erste Schadensrechnung: mindestens 55,2 Milliarden Euro in elf europäischen Ländern, davon allein 31,8 Milliarden in Deutschland. Die Fortsetzung der Recherche 2021 bezifferte den weltweiten Schaden durch CumEx- und verwandte CumCum-Geschäfte sogar auf mindestens 150 Milliarden Euro. CORRECTIV nennt es bis heute den größten Steuerraub in der Geschichte Europas. Besonders pikant: Dem Bundesfinanzministerium waren die Geschäfte seit 2002 bekannt.
Anders als bei den Offshore-Leaks griff hier die Justiz durch. Der Bundesgerichtshof stellte 2021 höchstrichterlich klar, dass CumEx-Geschäfte strafbare Steuerhinterziehung sind. Der Frankfurter Anwalt Hanno Berger, der als Architekt des Modells gilt, wurde zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, seit 2024 rechtskräftig. Die politische Dimension rund um die Hamburger Warburg Bank beschäftigte jahrelang einen Untersuchungsausschuss, vor dem auch der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz mehrfach aussagen musste; der Ausschuss endete Anfang 2025 ohne Nachweis einer politischen Einflussnahme, wobei Regierungs- und Oppositionsfraktionen das Ergebnis bis zuletzt unterschiedlich bewerteten.
September 2020: Die FinCEN Files
Zwischen den Steuer-Leaks lag ein Geldwäsche-Leak, das in keiner Chronik fehlen darf: 2.121 Verdachtsmeldungen, die internationale Großbanken an die US-Meldestelle FinCEN geschickt hatten, gelangten an BuzzFeed News und wurden mit dem ICIJ und über 100 Medien ausgewertet. Sie dokumentierten Verdachtstransaktionen von über zwei Billionen US-Dollar, und sie zeigten ein bemerkenswertes Muster: Die Banken meldeten verdächtige Gelder brav an die Behörden und leiteten sie trotzdem weiter. Allein auf die Deutsche Bank entfielen Verdachtsmeldungen über 1,3 Billionen US-Dollar.
Februar 2021: OpenLux
OpenLux war ein Leak ohne Leak: Le Monde hatte, mit der Süddeutschen Zeitung und weiteren Partnern, schlicht das öffentliche Luxemburger Handelsregister systematisch ausgelesen, rund 140.000 Gesellschaften, 3,3 Millionen Dokumente. Die Auswertung ergab, dass etwa 80 Prozent der privaten Investmentfonds in Luxemburg ihre wirtschaftlichen Eigentümer nicht wie vorgeschrieben angegeben hatten und 15 Prozent der Fonds den luxemburgischen und den US-Behörden widersprüchliche Angaben machten. Zur Einordnung: Die über 15.000 Luxemburger Fonds verwalten ein Vermögen von mehr als 4,5 Billionen Euro.
Auch die Steuervermeidungsmodelle wurden wieder seziert, etwa das Muster, deutsche Immobilien über Luxemburger Firmen zu halten und die dortige Steuer über konzerninterne Kredite aus Nullsteuer-Ländern gegen null zu drücken. Das Netzwerk Steuergerechtigkeit nannte Luxemburg daraufhin eine "Drehscheibe für schmutziges Geld und unversteuerte Gewinne". Konkrete regulatorische Konsequenzen blieben aus; die Luxemburger Regierung veröffentlichte ein Verteidigungsdossier, und Ende 2022 kippte der Europäische Gerichtshof sogar den freien öffentlichen Zugang zu den Eigentümerregistern wieder, aus Datenschutzgründen. Die Recherche nach dem OpenLux-Muster wäre heute so nicht mehr möglich.
Juni 2021: Der IRS Tax Data Leak
Wie wenig Einkommensteuer Superreiche jenseits des Atlantiks zahlen, erfuhr die staunende Öffentlichkeit Mitte 2021. Die gemeinnützige US-Redaktion ProPublica erhielt ein umfangreiches Verzeichnis geheimer Daten der Steuerbehörde IRS über die Steuererklärungen der reichsten Amerikaner über 15 Jahre. Das Ergebnis: Multimilliardäre wie Jeff Bezos oder Elon Musk zahlten in einzelnen Jahren überhaupt keine Einkommensteuer, völlig legal, während der Spitzensteuersatz für gut verdienende Angestellte bei 37 Prozent lag.
Da das in den USA kaum jemanden ernsthaft überraschte, blieb die Empörung überschaubar; die Debatte drehte sich schnell mehr um die Herkunft der Daten als um die Steuersätze. Das Nachspiel bestätigte diese Prioritäten: Der IRS-Dienstleister-Mitarbeiter Charles Littlejohn, der die Daten weitergegeben hatte, wurde Anfang 2024 zu fünf Jahren Haft verurteilt, dem Höchstmaß. Und Hedgefonds-Milliardär Ken Griffin, der die IRS wegen der Offenlegung verklagt hatte, bekam 2024 einen Vergleich samt einer öffentlichen Entschuldigung der Steuerbehörde. Andere Länder, andere Sitten.
Oktober 2021: Die Pandora Papers
Die Veröffentlichung des bis dahin umfangreichsten Datenlecks fiel mitten in die Corona-Zeit und erhielt womöglich deshalb nicht die Aufmerksamkeit, die ihr zugestanden hätte. 2,94 Terabyte mit 11,9 Millionen Dokumenten aus 14 Offshshore-Dienstleistern gingen an das ICIJ; identifiziert wurden rund 29.000 wirtschaftliche Eigentümer hinter den Strukturen.
Wieder waren prominente Politiker in fragwürdige, wenn auch nicht immer illegale Geschäfte verwickelt. Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš hatte sich über ein Firmengeflecht für 22 Millionen Dollar ein Schloss in Südfrankreich gekauft; er verlor wenige Tage nach der Veröffentlichung die Wahl. Die Geschichte bekam allerdings noch eine Wendung: Seit Ende 2025 ist Babiš wieder tschechischer Regierungschef, während ein Strafverfahren um EU-Subventionen aus seiner Unternehmerzeit weiter ungelöst über ihm hängt. Der ukrainische Präsident Selenskyj stand ebenfalls in den Dokumenten, mit Anteilen an einer Briefkastenfirma, die er kurz vor Amtsantritt 2019 an einen Vertrauten übertragen hatte. Und die Familie des britischen Ex-Premiers Tony Blair hatte beim Kauf eines Londoner Bürogebäudes für 6,45 Millionen Pfund gleich die Offshore-Eigentümergesellschaft mit übernommen und sich so gut 300.000 Pfund Grunderwerbsteuer gespart. Glück muss man haben.
Natürlich fehlten auch die Promis nicht: Claudia Schiffer, Pep Guardiola mit einem lange nicht deklarierten Andorra-Konto, Ringo Starr, Shakira, Julio Iglesias. Bei Shakira führte die Spur zu einem spanischen Steuerverfahren, das sie im November 2023 am ersten Prozesstag mit einem Deal beendete: Schuldeingeständnis, Bewährungsstrafe und 7,3 Millionen Euro Geldstrafe; ein zweites Verfahren wurde 2024 eingestellt. Deutschlandfunk Kultur fasste die Gesamtlage kurz nach der Veröffentlichung treffend zusammen: ein riesiger Skandal ohne Aufschrei.
Das deutsche Nachspiel ist bemerkenswerter als das internationale: Das Land Hessen kaufte 2023 den kompletten Pandora-Datensatz an, alle 3,8 Terabyte, und stellte ihn den Ermittlungsbehörden von Bund und Ländern zur Verfügung. Genau darum geht es in unserer Podcast-Folge oben. Der Staat wartet längst nicht mehr darauf, dass Journalisten ihm Häppchen servieren, er kauft den ganzen Teller.
Februar 2022: Suisse Secrets
Das nächste große Bankdaten-Leck traf die Credit Suisse: Daten zu über 18.000 Konten mit Spitzenbeständen von zusammen mehr als 100 Milliarden US-Dollar, zugespielt der Süddeutschen Zeitung, ausgewertet mit dem Recherchenetzwerk OCCRP und Dutzenden Medien. Die Recherche zeigte, dass die Bank über Jahrzehnte Autokraten, Geheimdienstchefs, Kriegsverbrecher und verurteilte Kriminelle als Kunden führte; auf problematische Kontoinhaber entfielen mindestens 8,7 Milliarden Dollar. Die Credit Suisse existiert inzwischen nicht mehr, sie wurde 2023 notübernommen, wenn auch aus anderen Gründen. Es sollte das bislang letzte klassische Kontodaten-Leck bleiben.
Juli 2022: Die Uber Files
Ein Leak der anderen Art: 124.000 interne Dokumente des Fahrdienstvermittlers Uber, übergeben vom früheren Cheflobbyisten Mark MacGann an den Guardian und das ICIJ. Im Kern ein Lobbying-Skandal, aber mit einem handfesten Steuerkapitel: Die Dokumente zeigten, wie der Konzern Gewinne über Bermuda-Strukturen verschob und Steuerprüfer gezielt auf die Fahrer statt auf das Unternehmen lenkte. Für unsere Chronik zählt der Fall, weil er zeigt, dass die Ära der Enthüllungen nicht bei Banken und Briefkastenfirmen endet, auch Konzern-Interna finden ihren Weg zu Journalisten.
November 2023: Cyprus Confidential
Mehr als 3,6 Millionen Dokumente aus sechs zyprischen Finanzdienstleistern, ausgewertet von ICIJ, Paper Trail Media und OCCRP mit über 270 Journalisten. Der Fokus hatte sich verschoben: Es ging weniger um Steuerhinterziehung als um Sanktionsumgehung, konkret um fast 800 Firmen und Trusts im Besitz sanktionierter Russen, die ihre Vermögen über Zypern strukturierten. Das Leak zeigt exemplarisch, wofür Offshore-Strukturen im Jahrzehnt nach Panama noch gebraucht wurden: nicht mehr primär zum Verstecken vor dem Finanzamt, sondern zum Verstecken vor Sanktionslisten.
Mai 2024: Dubai Unlocked
Der nächste große Datensatz betraf Immobilien: Eigentumsdaten zu rund 800.000 Objekten in Dubai mit 274.000 Eigentümern weltweit, beschafft von einer Forschungsorganisation und ausgewertet von einem internationalen Medienkonsortium um OCCRP. Gefunden wurden die üblichen Verdächtigen, Geldwäscher, Sanktionierte, Kartellfiguren, Politiker. Im April 2024 kam noch ein kleineres Leak aus der Geldwäsche-Meldestelle des Königreichs Eswatini hinzu, das Goldschmuggel-Routen Richtung Dubai belegte.
Danach wurde es gut zwei Jahre lang still. Kein großes Offshore-Leak mehr, kein Kontodaten-Leck; das ICIJ baute stattdessen seine bestehende Offshore-Datenbank aus. Bis Ende Juli 2026, und diesmal war die Quelle bezeichnenderweise keine Bank mehr.
Juli 2026: Der Liechtenstein-Hack
In der Nacht auf den 30. Juli 2026 griffen Unbekannte das liechtensteinische Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen an und kopierten rund 31.000 Datensätze zu Firmen, Stiftungen und Treuhandkonstruktionen: Namen, Geburtsdaten und Nationalitäten der Menschen, die tatsächlich dahinterstehen. Regierungschefin Brigitte Haas nannte den Angriff „ein ganz dickes Ding", das Fürstentum setzte einen Krisenstab ein. Kontostände und Transaktionen enthält das Register nicht, wie der Bankenverband sofort betonte. Brisant ist der Fall trotzdem: Liechtenstein zählt bei gut 41.000 Einwohnern rund 20.000 Stiftungen, und traditionell liegen dort Milliarden aus Deutschland. Prompt weckte der Hack Erinnerungen an 2008, als eine gestohlene Bankkunden-DVD aus dem Fürstentum die Liechtenstein-Affäre um Klaus Zumwinkel auslöste und tausende deutsche Steuerhinterzieher aufflogen.
Eine Lösegeldforderung gab es zunächst nicht, im Darknet sind die Daten bislang nicht aufgetaucht; was die Täter vorhaben, ist offen. Bemerkenswert ist der Fall vor allem wegen seines Ziels: Gestohlen wurde keine Bankkundenliste mehr, sondern die Transparenz-Datenbank des Staates selbst, also genau das Register, das nach den Geldwäsche-Regeln ohnehin erfasst, wer hinter jeder Struktur steht. Die Angreifer haben sich damit schlicht dort bedient, wo die wertvollen Daten heute gebündelt liegen. Für die Betroffenen ist das weniger ein Steuerproblem, ihre Daten kennt der Fiskus über Register und Informationsaustausch längst, als ein Sicherheitsproblem: Wer reich ist und hinter welcher Struktur steht, gehört in Täterhand zu den gefährlichsten Informationen überhaupt.
Warum es heute kein Leak mehr braucht
2016 brauchte es 11,5 Millionen geleakte Dokumente und ein weltweites Journalistenkonsortium, damit Steuerbehörden erfuhren, wer wo ein Offshore-Konto hat. Heute bekommen sie dieselbe Information ganz regulär, jedes Jahr, per Datenleitung.
Der Mechanismus dahinter ist der automatische Informationsaustausch nach dem OECD-Standard CRS: Banken in inzwischen mehr als 110 Staaten melden Konten ausländischer Kunden an deren Wohnsitzstaaten, Jahr für Jahr, zuletzt Informationen zu über 170 Millionen Konten mit einem Gesamtvermögen von fast 13 Billionen Euro. Die Schweiz meldet, Singapur meldet, die Cayman Islands melden. Dazu kommt das EU-Meldesystem: Steuergestaltungen müssen seit 2020 unter der DAC6-Richtlinie gemeldet werden, Plattformen melden seit 2023 die Einkünfte ihrer Verkäufer, und seit Anfang 2026 erfassen Kryptobörsen die Transaktionen ihrer Kunden für den Austausch ab 2027. Wer sich hinter Firmen versteckt, steht mit seinem Namen im Transparenzregister, und wer in unkooperative Gebiete ausweicht, landet bei den Gegenmaßnahmen der schwarzen Liste der EU.
Die Leaks selbst haben diesen Apparat schärfer gemacht, statt ihn zu ersetzen: Deutschland kauft inzwischen ganze Leak-Datensätze an, wie Hessen die Pandora-Daten, und die Steuerfahndungen mehrerer Staaten arbeiten in einer festen Allianz zusammen, die nach den Panama Papers gegründet wurde. Sogar das ICIJ selbst zitiert in seiner Zehn-Jahres-Bilanz der Panama Papers Forschung, wonach der unversteuerte Anteil des Offshore-Vermögens seit 2016 deutlich gefallen ist, und führt das ausdrücklich auf den zwischenstaatlichen Informationsaustausch zurück.
Dass die großen Steuer-Leaks seither ausbleiben, WEIL der automatische Austausch sie überflüssig gemacht hat, behauptet übrigens niemand offiziell, das ist unsere eigene Einordnung. Aber sie liegt nahe: Ein Whistleblower kann nur enthüllen, was verborgen ist. Wo Kontodaten ohnehin jährlich gemeldet werden, gibt es schlicht immer weniger zu leaken, und die verbliebenen Enthüllungen der letzten Jahre drehten sich bezeichnenderweise um die Lücken des Systems, um Sanktionsumgehung und Immobilien statt um Bankkonten. Der Liechtenstein-Hack vom Juli 2026 liefert dazu die Schlusspointe: Die Angreifer holten sich die Daten nicht mehr aus einer Bank, sondern aus dem staatlichen Transparenzregister. Die interessanten Informationen liegen heute gebündelt beim Staat, nicht mehr im Verborgenen, und damit verschiebt sich auch das Risiko: vom Entdecktwerden hin zur Frage, wie sicher der Staat diese Datenberge verwahrt.
Was das für Dich bedeutet
2021 endete die alte Fassung dieser Seite mit der Prognose, an der Steuervermeidung der wirklich Vermögenden werde sich auf absehbare Zeit vermutlich nichts ändern. Kein Buchmacher in London hätte damals eine Wette darauf angenommen, dass die große Zeit der Offshore-Leaks fünf Jahre später vorbei sein würde. Genau danach sieht es aber aus, nur aus einem anderen Grund, als man dachte: Nicht die Enthüller haben gewonnen, sondern die Datenleitungen. Und wenn doch noch Daten abfließen, dann wie in Liechtenstein aus den Registern des Staates, der sie längst alle hat.
Für Dich als Unternehmer oder Vermögenden heißt das: Verstecken ist als Strategie tot. Wer heute noch auf Verschwiegenheit exotischer Finanzplätze baut, spielt gegen ein System, das seine Daten längst hat, und riskiert Nachzahlungen, Zinsen und Strafverfahren. Was dagegen unverändert funktioniert, ist der Weg, den dieses gesamte Meldesystem gar nicht verhindern will: Du verlagerst Deinen Lebensmittelpunkt tatsächlich in ein steuergünstiges Land, beendest Deine unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland sauber und lebst dort, wo Du gemeldet bist. Dann dürfen alle Banken der Welt Deine Konten melden, es kommt schlicht nichts dabei heraus, weil alles stimmt. Welche Regeln beim Wegzug zu beachten sind, von der Wegzugsbesteuerung bis zur erweiterten beschränkten Steuerpflicht, findest Du in unserem Steuerwissen.
So kann unsere Kanzlei Dich unterstützen
Wir bieten umfassende steuerliche und rechtliche Begleitung bei Deiner Wohnsitzverlagerung ins steuergünstige Ausland. Wir folgen einem eingespielten Prozess und involvieren je nach Land unsere lokale Partnerkanzlei vor Ort, bleiben aber verantwortlich für die Gesamtkoordination.
Das Ergebnis lässt sich sehen: Wir haben über 100 Unternehmern und Geschäftsleuten geholfen, ihre Steuerbelastung signifikant zu reduzieren, stets steuerrechtlich einwandfrei und im Rahmen der internationalen Steuergesetzgebung. Genau deshalb schreiben wir Seiten wie diese: Wer versteht, wie transparent die Finanzwelt geworden ist, versteht auch, warum saubere Gestaltung der einzige Weg ist, der trägt.
Häufige Fragen zur Wohnsitzverlagerung ins Ausland (FAQs)
Die häufigsten Fragen und Antworten findest Du in unserer Wissensdatenbank. Werden Deine persönlichen Fragen dort nicht beantwortet, empfehlen wir die Buchung eines telefonischen Beratungsgesprächs.
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Dann ist es an der Zeit, über Dein Vorhaben mit einem ausgewiesenen Experten zu sprechen. Im Rahmen eines gut vorbereiteten, einstündigen Beratungsgesprächs erhältst Du das Feedback, das Du für eine endgültige Entscheidung brauchst, und erfährst, wo Du bei Deinen Vorbereitungen noch nachbessern musst.
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